Marlene Dietrich

┬ę APA/dpa/-

Neues Enth├╝llungsbuch
05/06/2017

Marlene Dietrich: Drei Liebhaber am Tag

Am Samstag (6. Mai) vor einem Vierteljahrhundert starb der deutsche Weltstar in Paris.

Zuletzt lebte sie v├Âllig zur├╝ckgezogen in ihrem Pariser Appartement. Marlene Dietrich lie├č selbst enge Freunde nicht mehr zu sich. Am 6. Mai 1992 ging dann die Meldung, dass die schon zu Lebzeiten zum Mythos gewordene Schauspielerin mit 90 Jahren in ihrer Pariser Wohnung gestorben war, um die Welt. Am Samstag, den 6. Mai, j├Ąhrt sich Marlenes Todestag zum 25. Mal.

Dietrich, der einsame Vamp

"Der R├╝ckzug war der Preis, ein hoher Preis, den sie daf├╝r zahlte, ihr perfektes Bild nicht zu besch├Ądigen", sagt Eva Gesine Baur, Autorin der gerade erschienenen Dietrich-Biografie "Einsame Klasse".

"Sie dachte, sie sei nichts wert, als sie nicht mehr das Idol war, zu dem sie sich gemacht hatte - auch ├Ąu├čerlich." Die Filmdiva - Inbegriff lasziver Weiblichkeit und k├╝hler Verf├╝hrung - sei trotz vieler Freunde und noch mehr Liebhabern ein einsamer Mensch gewesen.

"Von au├čen betrachtet w├╝rde sie keiner f├╝r einsam halten, schon gar nicht, was M├Ąnner angeht. Im Besitz ihrer Tochter Maria Riva befindet sich eine Art Daily Reminder, in dem sie laut ihrem Enkel Peter Riva bis zu drei Liebhaber pro Tag aufgelistet hat", sagt die Biografin. Aber: "Niemand ist einsamer als ein extrem polygamer Mensch. Das Gef├╝hl, einsam zu sein, erw├Ąchst auch aus dem Gef├╝hl, unverstanden zu sein. Marlene war ihr ganzes Leben zutiefst verunsichert und von Selbstzweifeln geplagt", sagt die Autorin.

"Die wenigen, die das verstanden haben, denen hat sie sich anvertraut: M├Ąnner wie Erich Maria Remarque, Friedrich Torberg und Ernest Hemingway." Der v├Âllige R├╝ckzug "der Dietrich" hatte mit ihrer Unsicherheit zu tun. "Sie war schon in den Erfolgsjahren der Grund f├╝r Marlenes Perfektionswahn: Sie fand sich weder sch├Ân noch schauspielerisch begabt", so Baur.

Am 27. Dezember 1901 in Berlin geboren, galt "die Dietrich" jahrzehntelang als anbetungsw├╝rdige Femme fatale. Der vielleicht einzige deutsche Weltstar war 1929 mit dem Film "Der blaue Engel" von Josef von Sternberg auf einen Schlag ber├╝hmt geworden. Darin singt Marlene Dietrich das Lied "Ich bin von Kopf bis Fu├č auf Liebe eingestellt". Zu ihren erfolgreichsten Filmen z├Ąhlten "Herzen in Flammen" (1930), "Shanghai-Express" (1932) und "Der gro├če Bluff" (1939).

1939 nahm die Schauspielerin, die 1929 mit von Sternberg nach Hollywood gegangen war, die US-Staatsb├╝rgerschaft an. W├Ąhrend des Krieges sang sie in amerikanischer Uniform vor US-Soldaten an der Front. Als Gegnerin des Nationalsozialismus lehnte sie Filmangebote der Nazis konsequent ab. Nach dem Zweiten Weltkrieg spielte sie gro├če Charakterrollen zum Beispiel in "Eine ausw├Ąrtige Aff├Ąre" (1947/48) und "Zeugin der Anklage" (1957).

Sp├Ąter startete Marlene Dietrich eine zweite Karriere als S├Ąngerin. Mit rauchiger Stimme sang sie Lieder wie "Sag mir wo die Blumen sind". In den 60er- und 70er-Jahren zog sich der Star immer mehr aus der ├ľffentlichkeit zur├╝ck und lie├č sich nie mehr fotografieren: "Man hat mich zu Tode fotografiert", sagte Marlene Dietrich.

Im Berliner Museum f├╝r Film und Fernsehen sind Teile des umfangreichen Dietrich-Nachlasses zu sehen. Zur "Marlene Dietrich Collection" geh├Âren rund 3.000 Filmkost├╝me und private Kleidungsst├╝cke, 400 H├╝te sowie 130 ├ťberseekoffer, Hutschachteln und Kosmetikkoffer. Die Schauspielerin hinterlie├č allein 16.500 Fotos und 45.000 Blatt Korrespondenz. "Sie war sammelw├╝tig", sagt Hans Helmut Prinzler, Filmwissenschafter und ehemaliger Direktor des Berliner Filmmuseums.

Und welche Eigenschaften haben Marlene zu einem Weltstar und Mythos gemacht? "Es ist einerseits nat├╝rlich ihre schauspielerische Pr├Ąsenz", sagt Prinzler. "Dar├╝ber hinaus war sie eine Stilikone". "Durch ihre Kleidung, ihre Bisexualit├Ąt, war sie sehr weit vorn. Dass sie auch in M├Ąnnerkleidung aufgetreten ist, war damals sehr ungew├Âhnlich. Und sie konnte nicht nur spielen, sondern auch singen."

Auf die Frage, ob sie sich ein Leben nach dem Tod vorstellen k├Ânne, antwortete Marlene Dietrich in dem ber├╝hmten Filmgespr├Ąch mit Maximilian Schell auf schnoddrig-berlinerische Art: "So ein Quatsch, f├╝rchterlich. Da kann man doch nicht dran glauben, dass die alle rumfliegen da oben, gibt's ja nicht."

Wie es ihr letzter Wunsch war, wurde "die Dietrich" in wei├čer Seidenbluse und schwarzer Hose und Jacke in den Sarg gelegt. Der schlichte Grabstein tr├Ągt nur ihren Schriftzug "Marlene" mit den Lebensdaten und das von ihr ausgesuchte Zitat "Hier steh ich an den Marken meiner Tage" des Dichters Theodor K├Ârner.

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