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05.12.2011

Live-Ticker Nachlese: Vom Requiem bis zur Kaisergruft

Der Sohn des letzten Kaisers von Österreich wurde in Wien beigesetzt. Der Live-Ticker zum Nachlesen.

Unter Teilnahme hochrangiger aus- und inländischer Trauergäste ist am Samstag im Wiener Stephansdom ein Requiem für Otto Habsburg zelebriert worden. Kardinal Christoph Schönborn würdigte Habsburg, der am 4. Juli 98-jährig in Bayern verstorben war, als Friedensstifter. Im Anschluss an die Seelenmesse setzte sich der Trauerkondukt in Richtung der letzten Ruhestätte Habsburgs in Bewegung: der Kapuzinergruft, wo die sogenannte Anklopf-Zeremonie vollzogen wurde. Die Herzurne Ottos wird am Sonntag in der Benediktinerabtei Pannonhalma in Ungarn bestattet.

Live-Ticker zum Nachlesen

In Wien herrscht Kaiserwetter. Das darf man wohl so sagen, ohne sich als Monarchist zu outen. Wien-Besucher, ob europäischer Hochadel oder einfacher Tourist, kriegen den Prunk des imperialen Wien in Bestform serviert. Der Stephansdom ist für die Öffentlichkeit gesperrt.

Seit 13 Uhr erfolgt der Einlass zum Requiem für die geladenen Trauergäste.

13 Uhr 30
Bereits zehntausende Menschen haben sich rund um den Stephansdom versammelt. Touristen drängen sich vor den Absperrungen vor dem Dom.

13 Uhr 45
Die Hitze flirrt. Manche Touristen oder Habsburg-Fans haben Regenschirme mitgebracht, um die Sonne abzuhalten. Viele Uniformierte. Manche lassen sich von den Touristen fotografieren. Ein Hauch von Folklore.

14 Uhr
Der tschechische Außenminister Karl Schwarzenberg im ORF-Interview. Er bezeichnet Otto Habsburg als unermüdlichen Kämpfer für Menschenrechte.

14 Uhr 25
Der genaue Wortlaut der Anklopfzeremonie ist übrigens leicht zu merken: "Otto von Österreich, einst Kronprinz von Österreich-Ungarn, königlicher Prinz von Ungarn und Böhmen, von Dalmatien, Kroatien, Slawonien, Galizien, Lodomerien und Illyrien, Großherzog von Toskana und Krakau, Herzog von Lothringen, von Salzburg, Steyer, Kärnten, Krain und der Bukowina, Großfürst von Siebenbürgen, Markgraf von Mähren, Herzog von Ober- und Niederschlesien, von Modena, Parma, Piacenza und Guastalla, von Auschwitz und Zator, ..."

14 Uhr 30
Wolfgang Schüssel hat vor kurzem im Dom in einer der vorderen Reihen Platz genommen. Michael Häupl ist soeben eingetroffen.

14 Uhr 35
Auch die Familie Habsburg trifft gerade ein. Sehr zahlreich vertreten auch das schwedische Königshaus. Im Stephansdom glänzen die Uniformen. An ihren Trachten sieht man die Zugehörigkeit zu den einzelnen Departements.

14 Uhr 40
Prominente Gäste der Beisetzungs-Zeremonie loben den Einsatz Otto Habsburgs für das geeinte Europa. Außenminister Spindelegger wird beim Hören der Kaiserhymne ein "historisches Gefühl" übermannen.

14 Uhr 45
Fürst Hans Adam II von Lichtenstein hat gerade neben dem schwedischen Königspaar Platz genommen. Der österreichische Regierungschef Werner Faymann betritt den Dom. Er vertritt ebenso wie Heinz Fischer das republikanische Österreich bei der heutigen Trauerfeier. Für Werner Faymann ist die Teilnahme an der Trauerfeier eine Frage des Anstands und des Respekts.

14 Uhr 51
Der österreichische Bundespräsident Heinz Fischer ist eingetroffen. Die Gäste sind in der Kirche so platziert, dass sie sich am Ende der Messe beim anschließenden Trauerzug gleich in der richtigen Reihenfolge eingliedern können.

14 Uhr 59
Das Requiem hat begonnen. Michael Haydns Requiem ertönt. Chorgesang und Weihrauch füllen den Stephansdom.

15 Uhr 05
Der wichtigste Moment im Leben des Menschen ist der Tod, so Kardinal Schönborn. Otto Habsburg habe diesen Moment hinter sich. Kardinal Schönborn begrüßt die Teilnehmer der Trauerfeier. Die Liste der Anwesenden - ein Who is Who politischer, adeliger und kirchlicher Persönlichkeiten. Der Kardinal liest Beileidsworte von Papst Benedict II..

15 Uhr 30
Kardinal Schönborn lobt die vorbildlichen Seiten im Leben Otto Habsburgs. Sein Engagement und sein Festhalten an Prinzipien. Unverkrampft aus dem Gestern für das Morgen schöpfen - das habe Otto Habsburg uns vorgelebt, so Schönborn. "Vergelt's Gott", sagt der Kardinal am Schluss seiner Predigt.

15 Uhr 55
Wieder füllt Musik den Dom. Das Requiem in c-Moll von Michael Haydn wird übrigens vom Domchor und Domorchester St. Stephan zum Klingen gebracht. Hans Haselböck ist an der Orgel und Domkapellmeister Markus Landerer am Dirigentenpult.

16 Uhr 20
Zur Musik gibt es die Kommunion.

16 Uhr 40
Die "alte Volkshymne", so Kardinal Schönborn, wird gesungen. Die Familie Habsburg singt mit, die Regierungsmitglieder enthalten sich der Stimme.


16 Uhr 50
Das Requiem ist zu Ende. Der Sarg wird aus dem Stephansdom getragen. Sobald er den Ausgang erreicht hat, wird die Pummerin läuten.

17 Uhr
Der Kondukt bewegt sich durch die Innenstadt. Sein Weg wird einer Sightseeing-Tour durch die Stadt gleichen. Erst geht es über den Graben. Der Marsch der Garde findet im Trauerschritt statt, was den Soldaten viel Körperbeherrschung abverlangt. Am Rand des Grabens Schaulustige, Touristen und viele dem Namen Habsburg Verbundene. Sie sehen eine Menge bunter Uniformen und skuriller Waffen. Insgesamt ist der Trauerzug mehr als zwei Kilometer lang.

17 Uhr 20
Vor der Kapuzinerkirche: der Neue Markt ist bereits gefüllt mit Menschen. Während der Kondukt sich jetzt gegen die Fahrtrichtung am Ring Richtung Oper bewegt.

17 Uhr 30
Der Sarg Otto Habsburgs kommt jetzt durchs Burgtor auf den Heldenplatz. Dort werden 21 Salutschüsse abgegeben. Wegen der Salutschüsse, so hört man, seien bei vielen Autos am Heldenplatz die Alarmanlagen losgegangen.



18 Uhr
Der Zug hat die Albertina erreicht. Noch wenige Meter sind es bis zur Kapuzinerkirche. Immer noch sehr groß: die Menge an Schaulustigen und Besuchern.

18 Uhr 09
Eher überschaubar hingegen die Zahl der Teilnehmer an einer Demonstration "gegen Geschichtsfälschung und den Trauerzug": Ganze 12 Leute haben die Anwesenheit bei der von der sozialistischen Linkspartei organisierten Manifestation einem Besuch im Schwimmbad vorgezogen. Die Demo findet am Herbert-von-Karajan-Platz statt.

18 Uhr 20
Mit der Anklopf-Zeremonie wird ein Ritual vollzogen, das es auch 1989 bei der Beisetzung von Ottos Mutter, Ex-Kaiserin Zita, gab.

Der Zeremonienmeister Ulrich-Walter Lipp, ein langjähriger Freund der Familie und des Verstorbenen, klopft dabei dreimal an die Tür. Nach der Frage "Wer begehrt Einlass?" referiert er zunächst die historische Herkunft des Verstorbenen, danach die Ehrungen und Funktionen aufgrund eigener Leistungen. Der Kapuzinerpater antwortet darauf zweimal "Wir kennen ihn nicht!" Im Hintergrund dieser Antwort steht die christliche Idee, dass der Mensch nicht mit den ererbten Titeln und Würden vor Gott treten kann, auch nicht mit den Ehrungen und Auszeichnungen.

Als nach abermaligem Klopfen des Zeremonienmeisters die Frage mit "Otto - ein sterblicher, sündiger Mensch" beantwortet wird, wird ihm Einlass gewährt. Der Sarg wird hinein getragen.

Die Beisetzung von Otto und Regina Habsburg in der Gruft findet im engsten Familienkreis statt. Die Herzurne Ottos wird am Sonntag in der Benediktinerabtei Pannonhalma in Ungarn bestattet.

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