Sopranistin Kristin Lewis: "Shoppen ist mein einziger Sport"
Heiß ist es in St. Margarethen. Der amerikanischen Sopranistin, Star der heurigen Opernfestspiele, macht das nichts aus. Konzentriert probt Kristin Lewis, mit Knieschonern ausgerüstet, jeden Schritt und jeden Kniefall auf der gigantischen Bühne im Römersteinbruch. 22 Meter hoch thront die Styropor-Sphinx über der Kulisse. Damit ist sie größer als das Original von Gizeh.
Styling
In der Mittagspause macht sich Kristin Lewis für den Ausflug mit der Rikscha am Neusiedler See frisch. Eine gute halbe Stunde braucht sie fürs perfekte Styling. Das Sommerkleid vom englischen Designer Ted Baker sitzt wie angegossen, goldene Armreifen und Ohrringe glänzen. Ein Faible für Mode, Schmuck und Schminken hatte sie schon als Kind, wie sie später beim Lunch im "Bürgerhaus" erzählen wird. "Ich habe mit Begeisterung meiner Mutter zugesehen, wenn sie sich für den Tag zurechtmachte. Wenn ich Make-up kaufe, lasse ich mich heute noch genau beraten." Ungeschminkt verlässt sie nie das Haus. "Nicht, weil ich das Gefühl habe, ich muss, sondern weil es mir Spaß macht."
Schüchtern, die Hände in den Schoß gelegt, wirkt sie, wenn sie zuhört. Ganz anders wenn sie spricht, da strahlt ihr Gesicht, ihre Mimik wird weich. Wie ein Teenager, der erstmals sein Idol persönlich trifft, erzählt sie von der Begegnung mit Bill Clinton auf dem Life Ball. Wie sie stammt der ehemalige US-Präsident aus Little Rock. "Ich habe fast geweint, als wir miteinander sprachen. Es war das Highlight meines Lebens", gibt sie ohne Starallüren zu.
Wohlbehütet
Dankbar ist die begabte Sopranistin, die eigentlich Jus studieren wollte, für ihr Glück. Obwohl Little Rock im Forbes-Ranking der gefährlichsten Städte der USA an siebenter Stelle steht, fühlte sich Kristin Lewis als wohlbehütetes Kind nie bedroht. "Ich war immer von Menschen umgeben, die mich unterstützt und an mich geglaubt haben."
Geborgen im religiösen Familienverband, ist sie mit Musik und der Kirche aufgewachsen. Dort wurde viel gesungen. "Dass Musik meine Berufung, mein Ziel, mein Leben ist, habe ich erst später realisiert. Ich habe die richtige Entscheidung getroffen. Ich hätte eine große Chance verpasst." Ob sie aus Liebe sterben würde, wie Aida in Verdis Oper, wisse sie nicht. "Man kann zwar sagen, man liebe jemanden. Aber die Größe, das Ausmaß der Liebe, sind nicht Worte, sondern Taten. Manchmal werden wir getestet. Dann zeigt sich die Liebe in ihrer stärksten Form."
Info: "Aida" mit Kristin Lewis und Martin Muehe, 9. 7. bis 17.8. in St. Margarethen im Burgenland. www.ofs.at
Gänsehaut bekomme ich, wenn ich ein schönes Musikstück das erste Mal höre. Wenn ich einen spirituellen Moment erlebe. Wenn ich in die Augen eines Babys sehe.
Meine Traumrolle ist Elisabetta in Don Carlo, meine Lieblingsoper. Wenn Liebe in Noten geschrieben werden könnte, dann würde sich Liebe so anhören. Ich liebe alles an dieser Oper.
Wütend werde ich, wenn ich Ungerechtigkeit sehe.
Angst habe ich vor dem Versagen. Wenn ich auf die Bühne gehe, habe ich keine Angst.
Liebe ist Musik, Familie, Freunde.
Meinen Traum lebe ich.
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