Stars 18.01.2012

Frühstück mit Viktor Gernot

Allrounder. Der Kabarettist und Jazzsänger erzählt bei Spiegelei und Melange, warum er nicht mehr Spaziergehverweigerer ist, wie er seine Sinnkrise mit 40 überwunden hat, und dass er jetzt bereit für Kinder wäre.

Der Schmähführer und Hobby-Schwimmer

Treffpunkt Café Engländer - das Stammlokal von Viktor Gernot. Der Kabarettist kommt um eine halbe Stunde zu spät und entschuldigt sich tausend Mal. Mit diesem spitzbübischen Grinser hat der Jüngste von vier Brüdern sicher auch schon seine Mutter und seine Lehrer im Schwimmgymnasium Wiener Neustadt um den Finger gewickelt.

Café Engländer: Zwei Spiegeleier, Holundersaft und eine Melange gibt`s im Stammlokal.
© Bild: KURIER/Boroviczeny

Der Niederösterreicher, der in Oberösterreich geboren wurde - "weil meine Mutter Ennserin ist und zu allen Geburten nach Hause gefahren ist" - und seit 1984 in Wien lebt, ist viel beschäftigt. Entweder er ist mit seinen Solo-Programmen unterwegs. Oder er blödelt in der Sendung "Was gibt es Neues" mit seinem Alter Ego Michael Niavarani um die Wette. Oder er steht singend auf der Bühne. So wie vom 29. bis 31. Dezember. Da tritt der leidenschaftliche Jazzer mit "A Swingin` Silvester" im Theater Akzent auf.

Der Raucher setzt sich an einen Tisch im Nichtraucher-Bereich und bestellt zwei Spiegeleier mit Semmeln, Holundersaft und eine Melange. "Ja nix G`sundes in der Früh", sagt Viktor Gernot, der vor 45 Jahren als Gernot Jedlička zur Welt kam und seit Ende der 90er-Jahre seinen Künstlernamen auch amtlich im Pass eingetragen hat. Familie und Freunde nennen ihn trotzdem Gernot. "Wenn mich jemand Viktor ruft, weiß ich, dass mich der nicht gut kennt."

Semmerl:"Ja nix G'sundes in der Früh"
© Bild: KURIER/Boroviczeny

Wenn er zu Hause mit seiner Freundin Susanne Minichsdorfer ein arbeitsfreies Wochenende verbringt, "gibt`s eher Süßes, Marmelade und Nutella, im besten Fall mit Mohnweckerln. Da maunzen wir einander im Bett an, wer das Frühstück macht. Es geht fifty-fifty aus". Vor dreieinhalb Jahren hat er die 33-Jährige auf dem Tennisplatz kennengelernt. Heute ist sie auch seine Managerin. "Ich habe sie von der Finanzmarktaufsicht abgeworben. Zwar ist es für sie nicht immer leicht, mit Veranstaltern zu verhandeln, aber wesentlich angenehmer, als mit irgendwelchen Anwälten von Meinl European Land."

Semmerl:"Ja nix G`sundes in der Früh"
© Bild: KURIER/Boroviczeny

Sie seien sowohl beruflich als auch privat ein gutes Gespann. Was steht dann einer Familienplanung noch im Weg? "So, wie ich meinen Beruf ausgeübt habe, sehr intensiv, sehr eigensinnig, also egoistisch, wäre das nicht möglich gewesen." Gernot denkt kurz nach und sagt dann: "Aber ich sage, ich wäre noch nie so bereit für Kinder gewesen wie jetzt. Ich weiß allerdings nicht, wie meine Samenzellen beieinander sind. Aber meine Freundin und ich würden wunderschöne Kinder machen."

Er wäre ein sich kümmernder und verantwortungsbewusster Vater. An seine eigene Kindheit denkt Gernot voll Harmonie. "Es war ein Luxus, dass meine Mama bei uns zu Hause und allgegenwärtig war. Und es gab immer Lernhilfe", erinnert sich der Künstler. Für die drei Buben, Halbbruder Michael wuchs nicht bei ihnen auf, gab die Mutter ihren Job als Bankangestellte auf. "Sie hat bis heute ein besseres Latein- und Mathematikwissen als ich in der achten Klasse."

Sein Vater, ein ehemaliger Offizier, der als Ballistiker wissenschaftlich tätig war, sei überhaupt nicht streng gewesen. "Mein Papa ist ein Lämmlein. Ich glaube, bei meinem großen Bruder Dieter ist meinem Vater einmal eine Watschen ausgekommen und dafür entschuldigt er sich heute noch vier Mal pro Jahr. Meine Eltern haben in ihrer Kindheit beide jede Menge Prügel bekommen. Deshalb war eine ihrer ersten Entscheidungen, dass sie ihre Kinder nicht schlagen werden", sagt der begnadete Komiker.

Semmerl:"Ja nix G'sundes in der Früh"
© Bild: KURIER/Boroviczeny

Sportlich sind die Jedliĉka-Buam aufgewachsen. Gernot bewies im Gymnasium sein Schwimmtalent, gewann Juniorenmeisterschaften und trainierte täglich um sechs Uhr in der Früh und am Nachmittag. Fit sieht der 186 Zentimeter große und 90 Kilo Schwere immer noch aus. "Ich bin ein Cornetto, aber eines, das man schon ein bissl in der Hand gehabt hat, bei dem die Waffel in der Mitte schon ein bissl aufgeweicht ist. Ich hab` ein Onepack oder einen Waschbärbauch", sagt er lachend und lässt sich die Spiegeleier schmecken.

Mit dem Schwimmen hat er im letzten Jahr wieder begonnen. Drei Mal in der Woche krault er 100 bis 120 Längen im 25-Meter-Becken. Tennismäßig matcht er sich gerne mit Kabarettist Andreas Vitasek - "am Anfang hat er mich beherrscht, jetzt gehört er mir!" - oder kämpft in der Kreisliga in den Klassen 35plus und 45plus.

Kabarett Simpl: Seit 1993 stand er dort auf der Bühne; im Gespräch mit der KURIER-Redakteurin.
© Bild: KURIER/Boroviczeny

Als überzeugtes Stadtkind war der Schauspieler und Sänger lange Zeit ein "Wander- und Spaziergehverweigerer". Seit er seine sportliche und naturverbundene Susanne kennt, "gehen wir auf den Berg, fahren Rad und sind im Urlaub unglaubliche Strandballspieler wie zwei verspielte Kinder".

Vorbei ist die Sinn- und Lebenskrise, die Gernot mit 40 hatte. Vor dem 50er hat er keine Angst mehr. Im Jänner wird er gelassen den 46er feiern. "Ich bin irgendwann einmal aufgewacht und hab` mir gedacht, was bleibt von mir übrig, wenn ich den Job nicht hab`. Eigentlich wenig bis gar nix. Das war eine Erkenntnis, die mir große Angst gemacht hat. Da bin ich zur Frau Professor, einer Tiefenpsychologin, gegangen, und die hat mir irrsinnig die Wadeln nach vorne gerichtet", erinnert sich Gernot. Kurz danach folgte die Scheidung.
In Krisenzeiten war auch Freund Michael Niavarani immer zur Stelle. "In solchen Ausnahmesituationen ist er immer da." Kennengelernt hat er ihn 1988 im Graumanntheater im 15. Bezirk. "Es war Liebe auf den ersten Blick. Ich lach` mich immer scheckig mit ihm. Mit dem Nia hab` ich wirklich das sprichwörtliche blinde Verständnis, wenn wir auf der Bühne stehen."

Semmerl:"Ja nix G'sundes in der Früh"
© Bild: KURIER/Boroviczeny

Lustig ist Gernot, der eine klassische Musicalausbildung abschloss, schon in der Schule gewesen. "Man muss es schaffen, wenn man Klassenkasperl ist, dass man Witze macht, bei denen sowohl die Klassenkameraden als auch die Lehrer lachen."

Mit Niavarani verbindet ihn "eine Männerfreundschaft, die nach vielen gemeinsamen Projekten und auch vielen Prüfungen erfolgreich überstanden hat." Wenn Nia und Gernot in "Was gibt es Neues" das Rateteam verstärken (schon über 200 Mal), dann steigen die Quoten. "Unser Erfolgsrezept ist, dass es uns ja völlig egal ist, was die Antwort ist. Man sitzt mit geschätzten und geliebten Kollegen zusammen und tut Schmäh führen", erklärt der erfolgreiche Kabarettist, während wir zur Bar übersiedeln. Auf eine Zigarette und einen Espresso.

Tipps: Silvester mit Gernot "A Swingin` Silvester"
© Bild: KURIER/Boroviczeny

"A Swingin` Silvester" Viktor Gernot & Die Richard-Österreicher-Bigband live in Concert.
Drei große Konzertereignisse mit einer Prise österreichischem Schmäh.
29., 30. und 31. Dezember 2011, im Wiener Theater Akzent.

"Musik liegt in der Luft" Die schönsten Hits & Evergreens alter Zeiten, Viktor Gernot & Sigrid Hauser. 28. 11., am 12. 12. & am 9. 1. 2012, im Raimund Theater

www.silvester-im-akzent.at und www.vbw.at

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( Kurier ) Erstellt am 18.01.2012