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12/05/2011

Frühstück mit Verena Scheitz

Optimistin. Sie liebt ihre Bühnenauftritte als Kabarettistin, ihre Moderationen im Fernsehen, ihren Freund Sascha, ihren Rauhaardackel Poldi und vor allem die schnelle Küche.

von Maria Gurmann

Sie redet gern und schnell. Doch gegen das laute Organ von Leopold "Poldi" kann sich auch die selbstbewusste Gute-Laune-Frau nicht durchsetzen. Ihr eineinhalb Jahre alter Rauhaardackel setzt sich bei den Gästen bellend und wedelnd in Szene. "Schnauze", ruft Verena Scheitz und führt durch das Hietzinger Biedermeierhaus in ihre kleine gemütliche Wohnung. In diesem Familienhaus, in dem auch ihre Eltern und ihre Schwester wohnen, ist sie aufgewachsen. Woher das Meidlinger "L", das ihr manchmal herausrutscht, stammt, weiß keiner.

"Kochen ist nicht so meins", sagt die 39-jährige Juristin und TV-Moderatorin. Die schnelle Küche mag sie. "Alles, was sich selbst kocht und nicht beaufsichtigt werden muss." Heute gibt es zum Frühstück Eierspeis mit Speck. Die schnelle Köchin rührt und rührt, redet und redet, doch in der Pfanne stocken die Eier nicht. "Ach ja, den Herd sollte man auch aufdrehen", trällert Scheitz und zerfetzt sich vor Lachen.

Volles Programm

Ab 18. Oktober wird die Kabarettistin wieder mit Patricia Simpson und Steffi Paschke auf der Bühne des Orpheums stehen. In ihrem neuen Programm, "Frauen aus dem Hinterhalt", werden die 3 Engel für Charlie aus der Rente geholt. "Aber durch ihre zahlreichen Schönheitsoperationen sieht man ihnen das Alter nicht an." Im Trio tritt sie seit 2009 auf. Bekannt wurde sie im Duett als "Heilbutt und Rosen". Zwar begann sie ihre Karriere nach der Musicalausbildung am Wiener Konservatorium mit Operetten und Musicals, "aber Kabarett hab ich immer am liebsten gespielt".

Mit der Schauspiel-, Sologesangs- und Tanzausbildung begann sie gleich nach der Matura . "Aber alle haben gesagt, mach was G'scheites." Das Studium hat sie sich aus praktischen Überlegungen ausgesucht. "Ich habe geschaut, welche Uni am nächsten zum Konservatorium ist, und das war eben Jus." Medizin wäre für sie nicht infrage gekommen, obwohl ihr Vater und ihre Schwester Ärzte sind. "Alles, was mit Leben und Verantwortung zu tun hat, muss einem sehr bewusst sein."

Scheitz überlegt sich sehr genau, welche Verantwortung sie übernehmen kann und will. "Es gibt drei Sachen, bei denen sich die Leute vorher ein bissl was überlegen sollten. Dazu gehören Autofahren, Kinderkriegen und Wählen."

Seit einem Jahr sind sie und ORF-Redakteur Sascha ein Paar. Ja, übers Heiraten wurde schon auch geredet. Und Kinder? "Kinder sind ja eine Lebensplanung. Und planen ist für mich ein ganz schlechtes Thema." Zuerst werde über den Umzug von zwei Single-Wohnungen in eine gemeinsame Bleibe nachgedacht. Sie ist die Frühaufsteherin, er der Spätschlafengeher. Beide sind sie unternehmungslustig, machen Ausflüge und Städtereisen, gehen ins Theater oder fahren an den Neusiedler See. "Seitdem ich den Sascha kenne, machen wir noch mehr. Er braucht immer Programm und möchte am Sonntag etwas sehen, das er noch nie gesehen hat, sonst wird ihm fad."

Fad wird Verena Scheitz auch beruflich nicht. Wenn sie nicht vor der Kamera steht, reist sie mit ihrer Kabarettgruppe durch alle Bundesländer. "Ich liebe die Mischung meiner Berufe. Ich hab aber gerne das Publikum vor mir." Nachdem sie zwischen den Engagements dann doch ihr Jus-Studium 2005 als Magistra beendete, ein Gerichtsjahr machte und in einer Steuerberatungsfirma arbeitete, war klar, dass sie lieber freiberuflich und unabhängig sein wollte. "Obwohl da natürlich immer ein latenter Existenzgedanke mitschwingt," sagt sie, während sie Käse aufs Vollkornweckerl legt und Poldi wieder einmal zur Ruhe mahnt.

Volle Regale

Als fröhlich, sehr positiv und optimistisch bezeichnet sich die Wienerin. "Wenn es aber ganz seltene Tiefpunkte gibt, sind die dann auch schon ordentlich", gibt sie zu. Mit der Ordnung hat es die Sammlerin von Schweine- und Eselfiguren nicht so sehr. "Ich habe es erst nach fünf Jahren geschafft, mein Regal zu ordnen." In Zweierreihen stehen die Bücher jetzt. "Ich kann sie nicht hergeben." Werke von Lida Winiewicz mag sie. "Ich Trottel hab jetzt erst Michael Köhlmeier entdeckt. Großartig. Wenn ich einen Autor entdecke, will ich alles von ihm lesen, dann bin ich besessen."

Sprachbegabt sei sie immer schon gewesen. Sie kann sich auf Englisch, Französisch, Russisch und Norwegisch unterhalten. "Weil ich vier Jahre lang mit einem Norweger zusammen war." Und sportlich ist die "Herbstzeit"-Moderatorin auch. Skifahren, Tennis, Radfahren, Reiten und Wasserski steht in ihrem Lebenslauf. Die Wochenenden verbrachten sie als Kind viel bei den Großeltern auf dem Semmering. "Die eine Oma hat uns immer zum Tennisplatz gebracht, die andere hat so richtig wienerisch gekocht." Viel Zeit für Sport bleibt ihr heute nicht mehr. Ab und zu Tennis und möglichst regelmäßig Yoga.

Mit Musik sei sie groß geworden. Ihr Großvater liebte Operette. Verena Scheitz hört am liebsten Klassik und Jazz. "Am schwächsten bin ich bei Pop." Musik läuft bei ihr fast immer. Zu Hause und unterwegs. "Beim Autofahren kann ich mich so leicht über alles ärgern, da lenkt mich Musik ab." Nur beim Lesen muss Ruhe sein. "Und beim Yoga, das ist genug Stille für mich."

Voll Tatendrang

Zwei Dinge gibt es noch, von denen die Vielseitige träumt. "Ich hätte gerne eine Musikbar, wo's gute Live-Musik - von Jazz bis Klassik - und einen guten Wein gibt", sagt die Muskateller-Liebhaberin. Es gebe genügend tolle Leute am Konservatorium, die gerne einen Gig spielen würden. Ihr zweiter Plan wäre, als Reiseleiterin "vor allem für ältere Menschen" unterwegs zu sein. "Egal, wohin. Ich reise gerne, ich habe gerne eine Gruppe um mich, und ich erkläre gerne was."

Zum Beispiel dem Poldi, der überall dabei ist. "Schnauze da unten." Die hält er nur, wenn er in der Garderobe wartet, dass das Frauerl nach dem Schlussapplaus von der Bühne zurückkehrt.

Info

"Frauen aus dem Hinterhalt", mit Patricia Simpson, Steffi Paschke und Verena Scheitz.
Ab 18. 10., Orpheum

www.simpsonpaschkescheitz.at

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