Frühstück mit Mercedes Echerer

Mami und das Kind: Auf dem bordeauxroten Tischtuch wird liebevoll das farblich abgestimmte Porzellan drapiert. Üppig muss das Frühstück sein. Beeren aus dem eigenen Garten, Schinken und harte Eier.
Foto: KURIER/Gruber

Beim Picknickerzählen Mutter und Tochter von ihrer Leidenschaft für Theater und Tanz, den Kochkünsten von Rupert "Rupi" Henning, ihrem Selbstverständnis für Toleranz und ihrer Erfahrung auf der Bühne.

Zur Geduld genötigt

Fürs Picknick sind Papierteller mit Prosciutto, Käse, Weintrauben und Tomaten auf einer Decke vorbereitet. Da kommt Mercedes Echerer (48) auf die Wiese. Einen großen Korb schleppend, im Schlepptau ihre 17-jährige Tochter. "Nein, nein, bei mir gibt`s kein Plastik- oder Papiergeschirr." Die Schauspielerin packt eine Käseglocke, selbst gemachten Zitronenmelissensaft, harte Eier, ein bordeauxrotes Tischtuch, Stoffservietten, Krüge, Schüsseln und Teller aus und drapiert alles geschmackvoll.

Die ehemalige EU-Abgeordnete der Grünen (1999-2004) liebt opulentes Frühstück "wie ein Kaiser". "Das habe ich mir angewöhnt, weil es im Theaterbetrieb nur Kantinen gibt und nach der Vorstellung haben alle Lokale zu." Sie lege Wert auf gesunde Ernährung, am besten aus der Region. "Das gibt mir Kraft und unterstützt die Konzentrationsfähigkeit", sagt Echerer, die mit Autor, Lyriker, Schauspieler und Kabarettist - kurz, dem Allround-Genie Rupert Henning - und ihrem Zwillingspärchen Adrian und Réka in einem Haus in Niederösterreich wohnt.

Mami und das Kind: Auf dem bordeauxroten Tischtuch wird liebevoll das farblich abgestimmte Porzellan drapiert. Üppig muss das Frühstück sein. Beeren aus dem eigenen Garten, Schinken und harte Eier. Foto: KURIER/Gruber Mami und das Kind: Auf dem bordeauxroten Tischtuch wird liebevoll das farblich abgestimmte Porzellan drapiert. Üppig muss das Frühstück sein. Beeren aus dem eigenen Garten, Schinken und harte Eier.

Nicht dort in der Idylle, wo sie bei ihrem morgendlichen Spaziergang mit den beiden Hunden, Fräulein Lenerl und Hofrat Knopf, Rehe, Hasen und "hoffentlich nicht Wildschweine" trifft, wird heute gespeist. Sondern im Begrischpark in Perchtoldsdorf, wo sie mit ihrer Tochter bei den Sommerspielen erstmals gemeinsam auf der Bühne steht. Mami schauspielend in der Hauptrolle als "Lysistrate", das Kind tanzend als Göttin der Versöhnung und Schattentänzerin.

"Der einzige Zeitpunkt, wo wir alle zusammen kommen, ist am Sonntag", sagt das hübsche Mädchen und streift sich die langen Haare hinter die Schultern. Richtig kochen könne sie "noch nicht". Stiefvater Rupert Henning wäre der beste Lehrmeister. "Der Rupi ist unser Haubenkoch, er kocht fantastisch." Ja, Rupi oder Apuci ("Väterchen" auf Ungarisch) sagen die Zwillinge zu ihm.

Mami und das Kind: Auf dem bordeauxroten Tischtuch wird liebevoll das farblich abgestimmte Porzellan drapiert. Üppig muss das Frühstück sein. Beeren aus dem eigenen Garten, Schinken und harte Eier. Foto: KURIER/Gruber Mami und das Kind: Auf dem bordeauxroten Tischtuch wird liebevoll das farblich abgestimmte Porzellan drapiert. Üppig muss das Frühstück sein. Beeren aus dem eigenen Garten, Schinken und harte Eier.

Zu ihrem leiblichen Vater, ein peruanischer Tänzer, haben sie keinen Kontakt. Drei Jahre waren die Zwillinge, als Henning ins Leben der Alleinerzieherin trat. "Er geht unglaublich gut mit Kindern um", streut ihm Réka Rosen. Mercedes ergänzt: "Der Rupi wollte immer eine Familie, so bekam er das ganze Package gleich auf einmal."

Gekannt hatte die Schauspielerin, die seit Juni auf Ö1 in der Sendung Café Sonntag zu hören ist, den Autor "schon ewig". Und genauso ewig hatte die Linzerin mit ungarischen Wurzeln den Kärntner auch verehrt. Doch da war eine gewisse Scheu. "In Ungarn scheint ganz oben Gott zu sein, dann kommen die Kreativen und dann lange nichts. Ein Poet ist also fast ein Gott. Ich hab Rupis Lyrik gekannt. Ich gebe zu, ich habe mich zuerst in seine Gedichte und dann erst in ihn verliebt." Das passierte vor 14 Jahren in Reichenau, wo die beiden erstmals gemeinsam auf der Bühne standen. In Schnitzlers Reigen - "das tut ja auch ein bissl was dazu", meint Mercedes lachend, während sie sich eine Zigarette anzündet. Fürs Heiraten hatten die viel beschäftigten Künstler bisher noch keine Zeit.

Moderatorin, Politikerin und Schauspielerin ist Echerer. Was macht sie am liebsten? "Schauspielen - Gedichte vortragen, das Schönste, was es gibt." Jetzt kommt sie ins Schwärmen. "Wenn es gelingt, einen Achtzeiler so rüberzubringen, dass alles, was der Autor gemeint hat, in der Luft mitschwingen kann, ist das das Größte für mich. Wenn ich plötzlich beim Klang eines Wortes Musik höre, dann geht für mich der Himmel auf, da bin ich nicht mehr auf dieser Welt", sagt sie sanft mit rauchiger Stimme.

Mami und das Kind: Auf dem bordeauxroten Tischtuch wird liebevoll das farblich abgestimmte Porzellan drapiert. Üppig muss das Frühstück sein. Beeren aus dem eigenen Garten, Schinken und harte Eier. Foto: KURIER/Gruber Mami und das Kind: Auf dem bordeauxroten Tischtuch wird liebevoll das farblich abgestimmte Porzellan drapiert. Üppig muss das Frühstück sein. Beeren aus dem eigenen Garten, Schinken und harte Eier.

Ganz anders wird der Tonfall und das Tempo, wenn sie über Politik spricht. "Da komme ich gleich in Fahrt." Die fünf Jahre im EU-Parlament möchte sie nicht missen. "Aber das reine Abgeordnetenleben ist nicht das, was ich wirklich machen will." Die Kinder lebten mit ihr und der Großmutter in Straßburg. Mercedes war oft in ganz Europa unterwegs. "Ich kenne viele Orte und Städte, allerdings nur den Flughafen, das Hotel und den Konferenzraum, sonst nichts." Den EU-Job hängte sie an den Nagel, ihr Interesse für Politik nicht. "Es gibt schon Momente, da denke ich mir, schaut her, die Lösung liegt auf der Hand. Da juckt es mich." Ja, Politik könne etwas verändern, es brauche allerdings Willen und Visionen. "Das sieht man an Obama, er hört nicht auf zu kämpfen."

Viel Zeit investiert Echerer auch in EU XXL, eine filmpolitische Plattform mit Projekten u. a. für Jugendliche. "Wir zeigen europäische Filme, die sich mit Integration, Rassismus, politischer Bildung und Literatur beschäftigen und bieten sie den Schulen an." Sie nennt es den emotionalen Schuhlöffel für die Jugend. "Denn wenn ein Film gut ist, dann nimmt ihn ein 13-Jähriger an. Daraus entsteht eine Plattform für Fragen."
Interessiert hört Réka zu. "Mich erstaunt, dass so viele Jugendliche in meinem Alter Strache wählen, das macht mir Angst. Sie beschäftigen sich nur mit seinen plakativen Sprüchen." Die Highschool schloss sie in Virginia ab. Jetzt beginnt sie das Tanzstudium auf einer New Yorker Uni. "Für Eltern ist es nicht immer lustig, wenn die Kinder weg wollen. Aber es ist einfach Zeit. Und beide sind sehr selbstständig und reif", sagt Mercedes. Adrian geht noch ein Jahr in die Schule in die Walz, in Wien, und lebt in einer WG, um sich das tägliche Pendeln von Niederösterreich nach Wien zu ersparen.

Spannend sei es für Mutter und Tochter gewesen, gemeinsam zu arbeiten. "Wir waren gleich Kolleginnen auf Augenhöhe", meint Mercedes. "Es war interessant, der Mami bei der Arbeit zuzusehen", sagt Réka. "Bei der Arbeit ist sie viel ungeduldiger als zu Hause." Ungeduld sei ihre große Schwäche, gibt Mercedes zu. "Aber ihr zwei habt mich zur Geduld genötigt, sie haben mich einfach erzogen."

Ihre Tochter sei ihr sehr ähnlich. "Wir sind energiegeladen, temperamentvoll, neugierig. Und wir haben beide den Instinkt für den Beruf." Nur eines unterscheidet die beiden. "Sie ist pünktlich, ich nicht", sagt die Mami, die mit ihren Kindern meistens ungarisch spricht. "Das ist ganz praktisch als Geheimsprache, wenn wir nicht in Ungarn sind."

Mami und das Kind: Auf dem bordeauxroten Tischtuch wird liebevoll das farblich abgestimmte Porzellan drapiert. Üppig muss das Frühstück sein. Beeren aus dem eigenen Garten, Schinken und harte Eier. Foto: KURIER/Gruber Mami und das Kind: Auf dem bordeauxroten Tischtuch wird liebevoll das farblich abgestimmte Porzellan drapiert. Üppig muss das Frühstück sein. Beeren aus dem eigenen Garten, Schinken und harte Eier.

Familienmenschen sind die Echerers. Schon als Kind liebte Mercedes, die kleine Tänzerin vom Linzer Corps de Ballet, die Ausflüge mit ihren Eltern. "Mein Vater war ein lustiger. Ich durfte Schulfreundinnen mitnehmen. Sieben, acht Kinder im Volvo. Gott sei Dank hat er alle Schantinger (Gendarmen) gekannt, denen er sieben Mal im Jahr erzählte, dass ich Geburtstag habe." Im Wald wurde der Vater dann beim Indianerspielen gequält. Bei Schlechtwetter durfte "der Schippel Kinder" in den Kostümverleih der Mutter. "Da haben wir meine Eltern verkleidet und geschminkt."

Bei der Erziehung ihrer Kinder war ihr Respekt und Toleranz das Wichtigste. "Wenn ich sie jetzt mit 17 sehe, bin ich stolz, dass sie das wirklich leben." Réka nickt und umarmt ihre Mami ganz fest. "Ich bin so ein offener Mensch geworden, habe keine Vorurteile, das sind Eigenschaften, die ich definitiv von zu Hause mitbekommen habe, ohne es zu merken. Dafür bin ich wirklich dankbar." Die beiden sind ein gutes Team - privat und auf der Bühne.

Info
"Lysistrate", bis 30. Juli 2011 auf Burg Perchtoldsdorf,
www.sommerspiele-perchtoldsdorf.at

(kurier) Erstellt am
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