Fritz Karl mit seiner Lebensgefährtin Elena Uhlig

© KURIER/Rainer Eckharter

Interview
03/17/2017

Fritz Karl: "Mich interessiert Film mehr"

Der Schauspieler über seinen Beruf, seine Lesung und die Aversion gegen das Theater.

von Lisa Trompisch

Schauplatz Café Landtmann – Schauspieler Fritz Karl (49) kommt etwas abgehetzt, quasi direkt von einem Nachtdreh aus Hamburg, wo er derzeit gemeinsam mit (neuerdings Kammerschauspieler) Nicholas Ofczarek für einen weiteren Lars-Becker-Film als Kommissaren-Duo Kessel und Diller ("Deutschland ist zurzeit fest in der Hand des Krimis.") vor der Kamera steht. "Wenn man so viel Zeit miteinander verbringt wie Nici und ich, das schweißt schon zusammen", lacht er.

Der Ober kommt an den Tisch, fragt höflich um die Bestellung, Karl ordert eine Melange. "Das vermisse ich in Deutschland, das geht einem schon ab. Man sitzt da irgendwo in Hamburg, der Film spielt nicht an den schönen Plätze, sondern an denen, wo die Stadt ihre Fratze zeigt. Und dann sitzen Nici und ich so da und erinnern uns zurück an Wien. Das ist immer ganz nett"

Er wollte immer schon Schauspieler werden, hatte nie einen Plan B. Und weiß sein Glück zu schätzen, dass er derzeit viele Rollenangebote hat. "Es ist wichtig, dass man Zeit hat sich vorzubereiten. Das ist eine logistische Sache, dass man sich früh genug damit auseinander setzt. Einfach sein Handwerk macht. Man muss schon sehr diszipiniert sein. Und natürlich hat man daneben auch eine Familie, die auch ihr Recht fordert. Ich handhabe das normalerweise so, wenn ich etwas abgedreht habe, mache ich dann mal eine zeitlang nichts. Also nur Zeit mit der Familie verbringen, Skifahren gehen, fischen oder sonst einen Blödsinn machen, aber einmal nicht an den Beruf denke! Und dann, wenn das Hirn von der Rolle leergefegt ist, fange ich an, mich an das Vorbereitete zu erinnern, daran was ich für die nächste Rolle vorgearbeitet habe und hole das Stück für Stück wieder zurück."

Trotz vielen Theater-Engagements in der Vergangenheit, hat er so sein Problem mit den Brettern, die für andere die Welt bedeuten.

"Mich interessiert Film einfach mehr, denn da werden immer neue Geschichten erzählt, das macht mir Spaß. Mein Problem mit dem Theater ist, dass ich mir zum 1000sten Mal Romeo und Julia anschauen muss. Ich weiß wie diese Geschichte ausgeht. Das heißt, eine gewisse Spannung ist für mich schon einmal weg. Das finde ich einfach Käse. Und dann muss ich mir die verschiedenen Interpretationen ansehen, das wollte ich nie. Ich möchte immer neue Geschichten erzählen, das macht mir Spaß."

Den direkten Kontakt mit dem Publikum möchte er aber nicht missen, kompensiert diesen "Verlust" mit seinen Lesungen, wie am 7. Mai mit "Tango de Salón – Du hörst mir ja doch nie zu" (Texte des brasilianischen Schriftstellers Luís Fernando Verissimo) im Wiener Musikverein. "Dieser Moment mit dem Publikum, diese Interaktion das ist schon etwas, was ich vermisse, aber ich hole mir das durch diese Lesung zurück. Es macht mir Spaß, die Menschen zu unterhalten. Sie werden enttäuscht sein, wenn sie in meine Lesung gehen und hier zweieinhalb Stunden einschläfernde Literatur erwarten. Damit werde ich nicht dienen, sondern bei mir wird gelacht, es wird Musik gemacht. Es ist ein bisserl ein Rock’n’Roll-Konzert. Die Geschichten sind total aus dem Leben gegriffen. Sie beschäftigen sich entweder mit Familie, mit Beziehungen, mit Affären oder mit ganz alltäglichen Dingen, aber meistens steht im Mittelpunkt der in Not geratene, der zu einer Lüge greifen muss. Sehr witzig."

Mit Musik ist er als ehemaliger Sängerknabe aufgewachsen, zuhause im Salzkammergut wurde oft zu den Instrumenten gegriffen, das wollte er auch seinen sechs Kindern mitgeben. Sein Sohn Aaron beherrscht sogar fünf Instrumente, spielt in einer Band und ist ebenfalls Schauspieler geworden. "Er ist am musikalischsten von uns! Ich ärgere mich, dass ich nicht besser Klavier gelernt habe, das tut mir schon leid"

Natürlich kennt Fritz Karl nicht nur die Sonnenseiten des Berufes, weiß auch was Zukunftsängste sind. "Ich habe seit ein paar Jahren irrsinniges Glück, ich bin gut im Geschäft, aber ich bin mir bewusst, dass das jederzeit enden kann. Hier zum Beispiel in Österreich mache ich relativ wenig. Es ist jetzt nicht so, dass ich sage, ich könnte meine Familie mit meinen Österreich-Engagements durchfüttern. Never Ever", so Karl, der auch gerade in Köln und Düsseldorf die neue ARD-Serie "Falk" abgedreht hat.

"Wir leben in einer Zeit, wo uns vorgegaukelt wird, dass so viel möglich ist. Dadurch hat jeder den Eindruck, dass er alles machen kann. Wir hatten noch nie so viele Menschen die Künstler, Schauspieler oder Musiker werden wollten. Fakt ist aber, dass es noch viel weniger werden, die es dann auch tatsächlich schaffen. Man muss sich klar sein, man macht es entweder ganz oder gar nicht. Also das als Zweitberuf zu machen, ist völliger Quatsch. Vor allem bei einem künstlerischen Beruf, da gibt es keinen Kompromis. Und dann muss man wissen, dass man einen langen Atem braucht, dass es sein kann, dass es nicht gleich funktioniert. Und man muss fleißig sein und wirklich viel arbeiten. Man braucht Handwerk, viel Fleiß und Ausdauer, sonst geht das nicht."

Er selbst bezeichnet es als großes Glück, dass er in seinen Anfängen Mentoren hatte, die ihn unterstützen, von denen er viel lernen konnte. Da nennt er Namen wie Schenk und Steinhauer. "Das waren meine künstlerischen Ziehväter."

Der Sprung über den großen Teich nach Hollywood ist kein primäres Ziel von Fritz Karl. "So etwas kann man überhaupt nicht planen, wenn es passiert, dann passiert es. Da bin ich eher entspannt. Ich wähle meine Rollen danach aus, was Spaß macht, ob ich Lust darauf habe, so etwas zu spielen. Ich bin hier auch sehr glücklich, kann mich wirklich nicht beklagen."

Trotz des enormen Arbeitspensums, versucht er sich genug Zeit für die Familie zu nehmen, kann auch relativ schnell entspannen – zum Beispiel beim Fischen.

"Fliegenfischen, nicht Wurmbaden!"

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