Stars 05.12.2011

Die Affäre "Katzi"

Aufgedeckt: Richard Lugners Begleiterin Anastasia Sokol hat Verbindungen zu einem Wiener Sexclub. Enttarnt wird dabei jedoch nur die Wiener Neidpartie.

Anastasia dementiert. Sie habe nie als Callgirl gearbeitet, sagt Richard Lugners Begleiterin, nachdem Fotos von ihr auf der Homepage eines Wiener Etablissements auftauchten. Geglaubt wird ihr nicht. Nur Richard Lugner - der mir zum ersten Mal sympathisch wird - steht wie ein Einser hinter ihr. Noch. Rundherum bricht inzwischen auf dem Boulevard Begeisterung aus: Doppelseitige Artikel, schwitzig-schwüle Beschreibungen des Sexclubs, Ankündigungen von Kolleginnen und Freiern: "Jetzt packen wir aus." Die Wiener Neidpartie schickt sich an, eine junge Frau zu zerfetzen, die das Verbrechen beging, etwas anderes vom Leben zu wollen als ein Vorstadt-Etablissement zu bieten hat.

Was auch immer Anastasia Sokol in diesem Club getrieben hat - es war mit Sicherheit anständiger als das, was so manches Mitglied der Oberen Zehntausend tagtäglich mit unseren Steuergeldern anstellt. Die Klatschspalten sind voll von Menschen, die unsere Verachtung verdienen, stattdessen posieren sie, beklatscht und mit Orden behängt, für die Fotografen. Das Katzi dagegen wirft man in die Brennesseln, die außerhalb des Scheinwerferlichts, am dunklen Rand jedes roten Teppichs wachsen.

Wo ist das Verbrechen?

Anastasia Sokol hat nie die Ersparnisse einer Pensionistin an der internationalen Börse verzockt. Sie stellt keine Pistolen her, mit denen Reiche in Rio Straßenkinder abknallen. Sie hat ihre Wähler nicht betrogen. Und: Anastasia Sokol ist nicht verantwortlich für den Erhalt eines großteils menschenverachtenden Geschäfts mit der Ware Frau. Was auch geschah - als Teenager, der Anastasia zum Zeitpunkt ihres Gastspiels im "Club Exzess" war, weiß man eben nicht immer, was gut für einen ist. Das ist der Job der Eltern.

Anastasia dementiert also. Was bleibt ihr auch anderes übrig? Ihr neues Leben steht auf dem Spiel, ein Leben, für das sie immerhin hart arbeitet. Oder würden Sie Richard Lugner 24 Stunden am Tag aushalten?

Der eigentliche Skandal

Am Freitag gedenkt der Besitzer des Club Exzess, wo der ganze Schlamassel begann, eine Pressekonferenz zu geben. Seltsam - auf der Homepage des Clubs wird dem Kunden versichert, dass man alles tue um die Privatsphäre der Gäste (und Damen!) zu schützen. Wäre ich ein Freier, ich würde um den Laden künftig einen großen Bogen machen, denn Verschwiegenheit ist hier wohl ein Fremdwort.

Und was, wenn die Herren vom Sexclub nun hieb- und stichfeste Beweise für ihre Behauptung auf den Tisch legen, dass "Katzi" dort mehr getan hat als für Fotos zu posieren? Dann prophezeie ich Anastasia Sokol eine große Karriere in der Politik: Blocken, Leugnen, Mauern - unsere Minister führen täglich vor, wie's geht. Ungestraft. Warum soll sich eine in die Ecke gedrängte junge Frau kein Beispiel an ihnen nehmen?

Ich bin gespannt, ob Richard Lugner - der Mann, der seine Begleiterinnen per Casting aussucht und sich nicht wundert, dass eine 57 Jahre Jüngere sich mit ihm abgibt - ob dieser Mann also auch im "Fall des Falles" zu seiner Begleiterin steht. Wenn nicht, wäre das der eigentliche Skandal. Denn wie Lugner selbst sagt: "Sie hat nichts angestellt."

Erstellt am 05.12.2011