Depardieu wird der Prozess gemacht

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Foto: APA/WALTER BIERI

Der Schauspieler und Neo-Russe verpasste seinen Justiztermin.

Gerard Depardieu blüht nach seinem Roller-Unfall mit 1,8 Promille ein Strafprozess, weil er in Paris einen Justiztermin verpasst hat. Der 64-Jährige, der zuletzt mit seinem neuen russischen Pass für Wirbel sorgte, erschien am Dienstag nicht wie vereinbart zu einer Anhörung für ein vereinfachtes Verfahren. Nun werde es innerhalb einiger Monate einen Termin vor einem Strafgericht geben, sagte Depardieus Anwalt Eric de Caumont.

FIFA President Blatter is accompanied by French ac Foto: Reuters/ARND WIEGMANN Das Fehlen des Schauspielers begründete der Anwalt mit beruflichen Verpflichtungen im Ausland. Wegen eines neuen Filmprojekts, das in der zweiten Jännerhälfte in New York starten solle, habe Depardieu am Dienstag "unbedingt" an einem Treffen mit den Produzenten "in einem Balkanland" teilnehmen müssen. Nach Informationen des französischen Senders BFMTV war Depardieu am Dienstag in Montenegro. Am Montagabend weilte der Filmstar noch beim Fußballverband FIFA in Zürich.

Depardieu hatte beantragt, den Termin am Dienstag erneut zu verschieben. Bereits im Dezember war eine Anhörung nicht zustande gekommen, weil der Schauspieler nicht konnte und eine Verschiebung beantragt hatte. Diesmal hatte die Staatsanwaltschaft die Vertagung jedoch abgelehnt.

Bei dem damit gescheiterten vereinfachten Verfahren hätte die Staatsanwaltschaft im Gegenzug zu einem Schuldeingeständnis eine mildere Strafe anbieten können. Da Depardieu nicht erschienen ist, kommt es nun zu einem normalen Gerichtsverfahren.

Depardieu, der Raufbold

Gerard Depardieu hat immer wieder Ärger mit der Justiz. Zuletzt zeigte ein Autofahrer in Paris den 64-Jährigen bei der Polizei an, weil der Schauspieler ihn nach einem Zwischenfall im Straßenverkehr geschlagen haben soll. Depardieu gab im Interview mit dem Fernsehsender RTL zu, dass er "ein bisschen überzogen reagiert" habe. Der Franzose war im Stadtzentrum von Paris mit seinem Motorroller unterwegs. Der Autofahrer soll ihn laut Polizei bedrängt haben, wodurch er sehr erschrocken gewesen sei. Depardieu soll den Mann daraufhin geschlagen haben. Der Schauspieler sagte zum Vorfall: "Meine Reaktion war ein bisschen überzogen, weil ich sehr Angst hatte, Punkt. Das ist alles, so dumm ist das gewesen." Er fügte hinzu: "Es gibt Leute, die sehen mich und erstatten Anzeige." Das sei "der Preis des Ruhmes, wie Blödmänner sagen würden". Depardieu war schon mehrfach wegen seiner cholerischen Reaktionen aufgefallen. So hatte er einen Fotografen im Jahr 2005 in Florenz mit einem Kopfstoß niedergeschlagen. 2011 hatte er für Schlagzeilen gesorgt, als er in einem Flugzeug ein dringendes Bedürfnis hatte. Fast vier statt eineinhalb Stunden dauerte der Weg von Paris nach Dublin. Der Grund: An Bord des Flugzeugs wollte Herr Depardieu unmittelbar vor dem Start noch schnell auf die Toilette. Eine Stewardess verbot es ihm allerdings, da alle Passagiere angeschnallt bleiben sollten. Das hielt Depardieu dennoch nicht davon ab sich zu erleichtern - er pinkelte in eine Flasche. Dummerweise erwies sich der Schauspieler als wenig treffsicher ("Das Fläschchen war für mich einfach zu klein"), er bekam Ärger und weltweit Schlagzeilen. Nach der Reinigung des Fliegers durfte er aber sogar wieder mitfliegen.

French actor Gerard Depardieu enters his home in P Foto: Reuters/BENOIT TESSIER Depardieu war Ende November mit 1,8 Promille in Paris mit seinem Roller gestürzt. In Frankreich sind maximal 0,5 Promille Alkohol im Blut erlaubt. Nach dem Unfall war Depardieu auch vorübergehend in Polizeigewahrsam. Der Filmstar blieb unverletzt, Dritte waren nicht beteiligt. Fahren unter Alkoholeinfluss kann in Frankreich mit Haft bis zu zwei Jahren und einer Geldstrafe von bis zu 4.500 Euro geahndet werden. Bereits 1998 war Depardieu nach einer Alkoholfahrt zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden.

French film star Gerard Depardieu, wearing a local Foto: Reuters/STRINGER/RUSSIA Der Schauspieler hatte zuletzt heftige Diskussionen in seiner Heimat ausgelöst: Auf der Flucht vor der in Frankreich geplanten Reichensteuer nahm er die russische Staatsbürgerschaft an. Im Sportkanal L'Equipe 21 sagte Depardieu zu seiner Nationalität: "Ich habe einen russischen Pass, aber ich bin Franzose."

Depardieu wird Russe: Eine Chronologie in Filmtiteln

"Hello Goodbye - Entscheidung aus Liebe" heißt ein Film mit Gerard Depardieu aus dem Jahr 2008. Der Filmstar sorgt in Frankreich derzeit für große Aufregung. Er will der Grande Nation den Rücken zukehren und künftig seine Zelte anderswo aufschlagen. Wie kam es zu dieser Abkühlung? Einige Filmtitel aus Depardieus Oeuvre geben Aufschluss. "Weh mir" (1993) - 
In Frankreich wurden 2012 neue Steuergesetze beschlossen, wonach Einkommen, die höher als eine Million Euro jährlich sind, von 2013 an mit 75 Prozent besteuert werden. "Obelix bei den Belgiern" hat "Obelix"-Darsteller Depardieu zwar noch nicht gedreht. Er tat es aber wohlhabenden Landsleuten gleich und verlegte Anfang Dezember seinen Wohnsitz nach Belgien, wo es keine Vermögenssteuer gibt. Depardieus Haus befindet sich in Nechin, 20 Kilometer östlich der französischen Stadt Lille. "Ich hasse Schauspieler!" (1986) - 
Mit seiner Steuerflucht zog der Schauspieler in Frankreich heftige Kritik auf sich. Premierminister Jean-Marc Ayrault bezeichnete Depardieus Umzug in einem Fernsehinterview als "unpatriotisch" und "ziemlich erbärmlich". "Abgetaucht" (1974) - 
Depardieu reagierte mit einem erzürnten offenen Brief. Er verlange keine Zustimmung, aber Respekt. Er verlasse Frankreich, weil die Regierung der Ansicht sei, Erfolg und Talent müssten bestraft werden. "Wer sind Sie, dass Sie glauben, so über mich urteilen zu können, Herr Ayrault?", empörte sich Depardieu. "Ich gebe Ihnen hiermit meinen Pass und meine Sozialversicherungsnummer - die ich nie benutzt habe - zurück. Wir haben nicht länger dasselbe Heimatland, ich bin ein echter Europäer, ein Weltbürger, so wie es mir mein Vater stets eingeimpft hat." "Die Wahl der Waffen" (1981) - 
Depardieu (63) müsse zunächst Belgier werden, um einen belgischen Pass zu bekommen, meint der belgische Außenminister Didier Reynders. Plötzlich wird Russland zur Option für Depardieu. Der Filmstar meinte sogar, Russlands Präsident Wladimir Putin habe ihm bereits einen Pass geschickt. Dies sei "wahrscheinlich ein Witz" gewesen, sagte Putins Sprecher. "Olé!" (2005) - 
Am 20. Dezember bekommt Depardieu erste "Liebesgrüße aus Moskau". Putin ist bereit, dem französischen Schauspieler einen russischen Pass auszuhändigen - falls sich dieser wirklich daran interessiert zeigt. "Falls Gerard eine Aufenthaltsgenehmigung oder einen russischen Pass haben möchte, ist das eine ausgemachte Sache", erklärte Putin. Er betonte, er habe enge freundschaftliche Beziehungen mit dem Schauspieler - "obwohl wir uns wenig sehen". "Eine reine Formalität" (1994) - 
Am 3.Jänner wird Depardieu Russe. Putin verlieh seinem "Freund" mit einem Dekret die russische Staatsbürgerschaft. Der Formulierung der Erklärung nach hat der 63-jährige Filmstar die Staatsbürgerschaft selbst beantragt. Ein Sprecher Depardieus lehnte eine Stellungnahme ab. "Bon voyage" (2003) - 
In einem Brief erklärt Depardieu seinen spektakulären Nationalitätenwechsel: "Ja, ich habe diese Anfrage auf einen Pass gestellt und ich bin erfreut, dass meiner Bitte stattgegeben wurde." "Angewidert" von der französischen Politik sei er, schreibt der Schauspieler - gefolgt von Ehrbekundungen für den Kremlchef. Er schätze Wladimir Putin, schreibt der Schauspieler. "I Want to Go Home" (1998) - 
Der im russischen Fernsehen veröffentlichte Brief Depardieus "an die russischen Journalisten" liest sich wie eine Liebeserklärung an die neue Wahlheimat: "Ich liebe Ihr Land Russland, seine Menschen, seine Geschichte, seine Schriftsteller." Er möge die Filme und die Schauspieler, mit denen er gearbeitet habe, schwärmt Depardieu. "Ich liebe Ihre Kultur, Ihre Intelligenz." Der 64-Jährige sieht sich sogar in Russland verwurzelt: "Mein Vater war Kommunist und hat Radio Moskau gehört! Das ist ein Teil meiner Kultur." "Die Flüchtigen" (1986) - 
Zugleich droht auch Frankreichs einstige Filmlegende Brigitte Bardot damit, einen russischen Pass zu beantragen.Nach ihrem angedrohten Nationalitätenwechsel werde die Tierschützerin bald den russischen Präsidenten Putin besuchen. Bardot: "Ich meine das sehr ernst. Ich habe die Nase gestrichen voll und ertrage dieses Land nicht mehr." Bardot sagte, der russische Präsident sei "sehr human" und habe "mehr für den Tierschutz getan als alle unsere Präsidenten". Bardot will die russische Staatsbürgerschaft beantragen, wenn die beiden Zirkuselefanten "Baby" und "Nepal" in Lyon eingeschläfert würden, "um aus diesem Land zu fliehen, das nur noch ein Tierfriedhof ist". Bei den Tieren besteht Verdacht auf Tuberkulose. "Green Card - Schein-Ehe mit Hindernissen" (1990) - 
Am Samstag traf Depardieu zu einem "Privatbesuch" in Russland ein. Der 64-Jährige traf Putin in dessen Residenz im Badeort Sotschi am Schwarzen Meer und erhielt dann auch seinen neuen russischen Pass. "Ganz so schlimm ist er auch nicht" (1975) - 
Depardieu bezeichnete Putins Russland als "große Demokratie". Eine französische Journalistengewerkschaft hat den Filmstar daher zu einer kritischen Haltung gegenüber der Führung in Russland aufgefordert. Depardieu solle bei seinem "Freund" Putin einmal nachfragen, was aus den Ermittlungen zu den zahlreichen Journalistenmorden in Russland geworden sei. "Pakt des Schweigens" (2003) - 
Die Journalistengewerkschaft regte auch an, Depardieu solle Putin fragen, "weshalb die Fernsehsender vollständig unter seiner Kontrolle stehen, warum einige Journalistenkollegen inhaftiert sind und weshalb Nachrichtenseiten im Internet regelmäßig gestört werden, wenn sie unbequeme Informationen über unseren Freund und dessen Umfeld verbreiten". "Rasputin" (2011) -
"Der Präsident hat mit Herrn Depardieu über dessen weitere künstlerischen Pläne und eine Reihe weiterer Fragen gesprochen", sagte Putin-Sprecher Peskow. . "Beide haben auch über den Film 'Rasputin' gesprochen, der bisher nicht in Russland zu sehen war." "Die Ausgebufften" (1974) - 
Stolz winkte der "Neo-Russe" mit dem Pass, als er in die Stadt Saransk, rund 650 Kilometer südöstlich von Moskau, weitergereist ist. Der Schauspieler feierte dort mit Freunden das orthodoxe Weihnachtsfest. Die Einbürgerung gilt auch als PR-Coup von Putin. Genau vor einem Jahr befand sich Russlands starker Mann nach Massenprotesten in einem Stimmungstief. Die französische Oppositionspolitikerin Valerie Pecresse sagte, sie sorge sich um das internationale Ansehen des Landes. "Ich leide, dass Frankreich zum Gespött der Welt wird." Kritik an Bardot und Depardieu kam auch vom Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit. Er nannte die beiden "ausgesprochene Dummköpfe". "Wenn sie sich zu Putin ins Bett legen wollen, dann sollen sie es tun, damit ist die Angelegenheit geregelt", sagte er im TV. Die Pariser Steuerpläne haben mittlerweile einen Rückschlag erlitten. Der französische Verfassungsrat erklärte den Höchststeuersatz von 75 Prozent für Jahreseinkommen von mehr als einer Million Euro für nicht verfassungskonform. Der sozialistische Präsident Francois Hollande, der die Reichensteuer im Wahlkampf versprochen hatte, reagierte nach Angaben seines Umfelds "gelassen".

(apa / cs) Erstellt am
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