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Unterwegs mit
02/17/2013

Daniela Ziegler: "Ich bin nicht streng"

Die deutsche Schauspielerin über Habsburger-Rollen und die Anerkennung als Künstlerin.

von Franz Gruber, Sandra Lumetsberger

Der Schimmelhengst spitzt die Ohren, streckt seinen Kopf aus der Box und schnuppert an seiner Besucherin. „Na du“ – Daniela Ziegler belohnt den neugierigen Verehrer mit Streicheleinheiten. „Leider habe ich keine Zeit, um ein eigenes Pferd zu halten“, sagt die deutsche Schauspielerin und Musicaldarstellerin.

Ziegler trägt einen braunen Blazer, dazu Schal. Die Haare hat die 64-Jährige nach hinten gekämmt. Wenn sie durch die Wiener Stallgasse der spanischen Hofreitschule schreitet, geht sie als adelige Gutsbesitzerin durch. Schade findet sie, dass sie heute nicht auf einen Lipizzanerrücken steigen darf, wo doch „jetzt sogar Bereiterinnen zugelassen sind“. Auch in ihrer Rolle als Erzherzogin Sophie imMusical „Elisabeth“muss sie mit einer Pferde-Attrappe Vorlieb nehmen.
Musical ist das Stichwort. Die Deutsche ist zwar einem breiten Publikum durch ihre Fernsehrollen in Serien wie „Ein Fall für zwei“, „Tatort“, „SOKO Kitzbühel“, „Der Fürst und das Mädchen“ und aus Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen bekannt – will sich aber, wie sie sagt „anders fühlen und Grenzen ausloten“. Neben Film-, Fernsehen und Theater sind es Musical-Rollen, die sie erfüllen und die sie seit Beginn ihrer Karriere auf die Bühne ziehen. „Das Musical-begeisterte Publikum kennt mich schon aus vielen Rollen, die ich gesungen habe und es waren ja auch tolle Rollen“: „Evita“, „Chicago“, „Sunset Boulevard“, „Follies“, „Victor und Victoria“ und zuletzt als Mutter Oberin in „Sister Act“. Daniela Ziegler spricht leise und nippt an ihrer Tasse Tee. „Die Leute kennen mich meist vom Fernsehen, aber ich habe drei Standbeine – ich mache Musical, Theater und Fernsehen“, betont Ziegler, als ob sie nicht nur für ihre Rollen in Serien bekannt sein will. Ihre häufigste Figur: eine kühle oder adelige Frau. Parallelen sieht sie keine. „Ich spiele zwar oft strenge Rollen, bin aber im echten Leben natürlich nicht so. Man macht drei, vier Mal eine Sache gut im Fernsehen und dann wollen Macher immer wieder so besetzen.“ Reizvoller findet sie es, unterschiedliche Rollen zu spielen und „dass ich mit Musik zu tun habe – meine große Leidenschaft.“

Verbundenheit

Daniela Ziegler, in Offenbach am Main geboren, lebt in Berlin – alleine, aber mit „einem großen Bekanntenkreis und ein paar sehr guten Freunden“. 32 Jahre ist es her, dass sie zuletzt in Wien (als Evita) auf der Bühne stand. Mit der Stadt blieb sie all die Jahre verbunden – was Rollen betrifft. Fast alle Habsburger-Frauen hat sie gespielt – von Sisi über ihre Mutter Ludovika bis hin zur Erzherzogin Sophie. „Es gibt keine, die ich noch spielen könnte, außer Maria Theresia.“ Darüber muss sie lachen. Genervt reagiert sie hingegen, wenn man sie zu ihrem Liebesleben befragt. Über Privates will Daniela Ziegler nicht sprechen. Sie lehnt sich zurück und will doch eines dazu sagen: „Vielleicht heirate ich auch noch. Alles im Leben kann einem passieren, auch noch im höheren Alter.“ Und wenn wir schon über Liebe sprechen, dann fällt ihr wieder das Singen ein: „Schon als Kind wollte ich Sängerin werden. Meine Mutter war Sängerin, das hatte so eine Aura, die mir sehr gefallen hat.“
Als 15-Jährige wollte sie Gesangsunterricht nehmen, nachdem sie in einer Schultheateraufführung mitgemacht hat. Ihre Eltern waren ob dieser Ambitionen wenig erfreut. „Sie wollten, dass ich die Schule fertig mache, ein gutes Abitur hinlege und nach Möglichkeit studiere.“ Bis auf das Studium erfüllte sie den Wunsch. „Ich war aufsässig, habe opponiert, aber alles hinschmeißen und abhauen? Das habe ich nicht gebracht. Da war ich dann doch zu brav.“ Mit 30 ging Daniela Ziegler 1979 für die Musicalausbildung nach New York. Zur selben Zeit war auch der junge Wiener Christoph Waltz in der Stadt. „Wir haben zusammen im gleichen Jazz-Tanzstudio trainiert. Christoph hat mir damals in New York eine Wohnung besorgt“, sagt Ziegler. Dass der Christoph von damals 2010 einen Oscar gewonnen hat, findet sie im Nachhinein großartig. „Richtigen Kontakt haben wir heute keinen mehr.“

Anerkennung

Dass die Bühne ihr Leben ist, wird klar, wenn sie davon spricht: „Ich bin so gerne umgeben von Musik. Jetzt, in Elisabeth, gehe ich zwischen meinen Auftritten gar nicht von der Bühne ab – ich will mich nicht ablenken.“ Dass sie für ihre Leistung Anerkennung bekommt, freut sie. Zum einen vom Publikum – „denn sonst hätte ich ja in 40 Jahren Theaterleben was falsch gemacht“ – andererseits auch von ihrer Mutter: „Sie ist meine größte Bewunderin, aber auch Kritikerin.“ Toll findet Daniela Ziegler, wenn sie von den Menschen angesprochen wird. „Man spielt ja für das Publikum. Es ist schön, wenn man außerhalb der Rolle erkannt und einem Anerkennung Zuteil wird.“

Info: Musical „Elisabeth“ täglich im Raimundtheater, außer montags; Karten unter: 01 58885