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20.07.2014

Chris Pichler: "Nichts tun kann ich nicht"

Selbst im Kurzurlaub in Kärnten ist die Schauspielerin stets in Action.

Sie schwimmt und schwimmt und schwimmt. Hier, im Pool des Thermenhotels Ronacher, kann Chris Pichler abschalten – und dabei im Kopf ihren Text laufen lassen. "Wenn ich ihn beim Schwimmen kann, weiß ich, dass er sitzt", lacht die 45-Jährige.

Der Text saß. Zumindest bei den Kulturgastspielen im Kärntner Luxus-Hotel, wo die Schauspielerin ihr Solo-Programm "Molly Bloom" aufführte – und ein paar Urlaubstage anhängte. Ein "Ort der Begegnung" sei das Ronacher für sie. "Simone Ronacher ist unglaublich herzlich. Ich bin so viel unterwegs, da freue ich mich immer, wenn ich Menschen treffe, die ich kenne." Ein Kaffeeplausch mit Ottfried Fischer, der ebenfalls im Hotel urlaubt, kommt da gerade recht.

Unterwegs mit Chris Pichler im Hotel Ronacher

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Chris Pichler Hotel Ronacher…

Chris Pichler Hotel Ronacher…

Chris Pichler Hotel Ronacher…

Chris Pichler Hotel Ronacher

Chris Pichler Hotel Ronacher

Chris Pichler Hotel Ronacher

Chris Pichler Hotel Ronacher

Faible für Ikonen

Für einen längeren Urlaub hat die Vielbeschäftigte keine Zeit, steht sie doch den ganzen Sommer auf der Bühne – zum Beispiel bei den Festspielen Reichenau in Schnitzlers "Das weite Land". Chris, die eigentlich Christa heißt – "aber das passt nicht zu mir" –, schlüpfte bereits in die Rollen von Marilyn Monroe und Jackie O. Ihr Programm "Romy Schneider – Zwei Gesichter einer Frau" war schon in halb Europa zu sehen. Die äußere und innere Schönheit fasziniere sie so an Romy, erzählt Pichler während des Spaziergangs zum hoteleigenen Kräutergarten.

Die Städterin, die in einer Wohnung im achten Wiener Bezirk lebt, genießt die Ruhe in Bad Kleinkirchheim – genüsslich riecht sie an den Kräutern und springt vergnügt durch den pittoresken "Elfengarten" vor dem Hotel. Mag sein, dass die mädchenhaften Zöpfe dazu beitragen – die gertenschlanke Dunkelblonde wirkt jedenfalls zehn Jahre jünger. Das sei immer schon so gewesen. "Mit 22 sah ich aus wie ein Kind. Nur meine Hände waren damals schon alt", erzählt Chris lachend.

Wahlheimat Berlin

Pichler wuchs im oberösterreichischen Wels auf, wo ihre Eltern eine Autofirma hatten. Vom Dialekt ist nichts mehr zu hören – sie hat eine wunderbare Sprechstimme, spricht perfektes Hochdeutsch. "Sonst hätte ich in Deutschland keine Chance gehabt", sagt die Wahl-Berlinerin, die eine Zweitwohnung in der deutschen Hauptstadt hat. Dort spielt sie Theater und moderiert Radiosendungen. Eine Ehre für eine Österreicherin.

Doch die Leidenschaft für die Kunst kam spät. "Meine Oma erzählt zwar, dass ich mich als Kind so gerne verkleidet habe, aber ich glaube, das war nur im Fasching." Nach der Matura studierte Chris kurz Landschaftsökologie – "weil ich wissen will, wie etwas aufgebaut ist". Die Erfüllung fand sie trotz sehr guter Noten erst am Konservatorium. Beim Spielen, sagt sie, haut sie sich immer "voll rein". Wieder so eine Gemeinsamkeit mit Romy Schneider: " Romy hatte keine Grenzen. Für einen Film ist sie gegen eine Wand gelaufen, bis sie sich verletzt hat. So weit würde ich nicht gehen."

Kaffee als Ritual

Selbst im Urlaub im Hotel Ronacher fällt es Pichler schwer, nichts zu tun. Entweder zieht sie ihre Längen im Pool, radelt im Fitnessbereich oder liest ein Buch. Von leichter Strandlektüre kann keine Rede sein. "Ich lese gerade ein Buch von Heinz von Förster. Ein Kybernetiker, total spannend!"

So rastlos die leidenschaftliche Radfahrerin ist, so wichtig sind ihr Rituale. Das Kaffeetrinken etwa. "Das war immer so ein Heimatgefühl", sagt sie und erzählt von der verstorbenen Mutter, mit der sie jeden Tag eine Tasse trank. Mittlerweile sind es fünf pro Tag – eine mögliche Erklärung für ihre quirlige Art.

Eigene Kinder hätten sich nie ergeben, obwohl Chris seit 13 Jahren mit ihrem Freund zusammen ist. Viel wird über ihn nicht verraten. Nur: "Er ist kein Künstler, wird aber ständig für einen gehalten. Viele verwechseln ihn mit Tobias Moretti." Noch einmal lacht Chris herzlich, bevor sie wieder im Pool abtaucht und weiter ihre Längen zieht.

Info: "Das weite Land" mit Chris Pichler, Julia Stemberger u.v.m., Festspiele Reichenau, täglich von 21. 7. bis 4. 8., www.festspiele-reichenau.com

Sonntagsfragen

Humor ist, wenn die Seele lacht.

Wütend macht mich Ignoranz. Nicht hinhören und nicht hinschauen.

Tränen fließen oft. Ich bin eine richtige Sentimental-Nudel. Kürzlich weinte ich bei einer Doku über Martin Luther King. Wenn so eine Weltgröße nicht mehr ist, werde ich traurig. Auch bei Musik weine ich, z. B. beim Requiem von Mozart.

Ich bewundere Könnerschaft – wenn jemand sein Metier beherrscht, sei es als Koch oder Schauspieler.

Mein Talisman ist ein Original- Programmheft von Romy Schneider. Eine Frau schenkte es mir nach einer Vorstellung.