Stars 05.12.2011

"Bei uns schätzt man Privatsphäre"

© Bild: ap

In Kates Heimatort lauern die Fotografen und Reporter. Die Bewohner betrachten den Trubel aus zunehmend skeptischer Distanz.

Bucklebury, was!", meint die Pfarrersfrau lachend: "Hat sich das nicht jeder noch vor ein paar Wochen gedacht?" Das aber hat sich nachhaltig geändert in dem elegant verschlafenen Dorf, 60 Kilometer westlich von London. In einem alten Gutshof, verborgen hinter riesigen Hecken, wohnen die Middletons, also jene Familie, deren Tochter Kate morgen geschätzte zwei Milliarden Menschen beim Hochzeitskuss zuschauen werden. Und vor diesen Hecken lauern gestaffelt die Fotografen. Jedes Auto, das aus der Einfahrt kommt, ertrinkt im Blitzlichtgewitter.

Doch es gibt eigentlich keinen Bewohner von Bucklebury, der sich in diesen Tagen auf die Straße wagen darf, ohne gleich von einigen Reportern verfolgt zu werden. Die Bilder des kleinen Spar-Markts sind inzwischen um die Welt gegangen. Immer wieder muss Hash, der stets aufgeregte Besitzer, seine Geschichten über Prinz Williams Lieblingseis erzählen, von dem er immer einen besonderen Vorrat eingelagert hat, falls das hohe Paar überraschend aufs Land kommt. Hash und seine Frau Chan sind zur Hochzeit eingeladen. Sie ist sogar eigens nach Indien geflogen, um sich einen Sari für die Zeremonie zu besorgen. Eingeladen ist auch der Besitzer des örtlichen Pubs, er empfängt inzwischen Bus-Touren, die Touristen aus aller Welt auf der "Kate-Middleton-Country-Tour" bringen.

Die Bewohner beobachten den Trubel aus zunehmend skeptischer Distanz. Hier, in der vornehmen Grafschaft Berkshire, pflegt man ein Landleben, das weniger mit Rustikalität, sondern eher mit landadeliger Noblesse zu tun hat. Man fährt lieber Range Rover als Traktor und geht abends nicht in Gummistiefeln, sondern in der Wachsjacke auf ein Bier. Wer sich hier niederlässt, hat, so wie auch die Middletons, Geld und daher wenig Sinn für einen groß angelegten Besucherzirkus.

Vornehme britische Zurückhaltung ist hier der Umgangston, umso mehr, wenn es in diesen Tagen um die berühmteste Familie des Ortes und deren Tochter geht. Ja, sie wären ganz normale freundliche Leute, würden sich in der Kirche wie auch im Pub blicken lassen, ansonsten aber, auch die Pfarrersfrau betont es, "schätzt man bei uns Privatsphäre".
Auf dem "Farm-Park", einer Art Musterbauernhof, wird am Freitag gefeiert. Ein Shuttle-Service ist eingerichtet, das alle Gäste aus dem Ort dorthin bringen wird. An diesem Feiertag fährt man in Bucklebury nämlich nicht mit dem eigenen Geländewagen, sondern ausnahmsweise wirklich mit dem Traktor.

Erstellt am 05.12.2011