Stars
21.07.2017

Ausgepackt: Wie Casting-Agenten Karrieren pushen

Casting-Chefs geben Einblicke bei ihrer Suche nach neuen Stars.

Ellen Lewis (verantwortlich für Castings für Filme wie "Forrest Gump", "Der Teufel trägt Prada" und zahlreiche Martin Scorsese-Streifen) und Lora Kennedy (Vice-Casting-Chefin von Warner Bros., die unter anderem nach Darstellern für "Man of Steel" und "Argo" gesucht hat) haben schon so manchen Nachwuchsstar entdeckt. Mit dem Magazin Vulture sprachen sie über das Business und verrieten, wie aus nahzu unbekannten Schauspielern oft binnen kurzer Zeit große Filmstars werden.

Aus klein mach groß

Wenn man als Casting-Agent von einem Darsteller überzeugt ist, ein Regisseur aber jemand anderen für die Hauptrolle vorgesehen hat, versuche man als Casting-Agent, den Wunschkandidaten zunächst so oft wie möglich in Nebenrollen unterzubringen.

"Das sind die Möglichkeiten, nach denen man Ausschau hält", so Kennedy. "Du versuchst, ihnen eine kleine Rolle in einem Film zu verschaffen, dann bringst du sie wieder rein und wieder – und baust sie dann langsam auf."

Die Jagd auf Nachwuchstalente

Der Kampf um spannende, neue Talente ist in der Filmfabrik groß. Ist ein Casting-Direktor von einem Darsteller begeistert, macht er es sich oftmals zu seiner persönlichen Aufgabe, dem Schauspieler zum Durchbruch zu verhelfen.

"Du denkst dir: Ich hab ihn oder sie zuerst entdeckt!" , verrät Kennedy. So sei es ihr auch mit der Austalierin Margot Robbie gegangen, die zunächst eine Rolle in der kurzlebigen Serie "Pan Am" hatte.

"Wir haben versucht, sie in einen Film reinzubringen, aber sie war noch nicht soweit." Dann sei ihr Robbie von Ellen Lewis für "The Wolf of Wallstreet" weggeschnappt worden.

Lewis hatte die Freiheit, auch eine unbekannte Darstellerin für die Rolle engagieren zu können, was Robbies Tür ins Business geöffnet habe. "Sie hat eine phänomenale Audition hingelegt", so die Casting-Expertin.

Erst ihre nächste Rolle in Will Smiths Komödie " Focus" wurde Robbie dann von Kennedy verschafft.

Begehrte Serien-Stars

Dass man als TV-Star in Hollywood keine Chance auf größere Rollen hat, ist längst nicht mehr der Fall. Tatsächlich fischen Casting-Direktoren oft Darsteller aus angesagten TV-Serien heraus, um sie dann zu Stars zu formen.

Auch wenn die Rolle schließlich an Jamie Dornan ging: So sei Charlie Hunnam als Hauptrolle für "50 Shades of Grey" laut Kennedy nur wegen seiner Leistung in der Serie " Sons of Anarchy" in Frage gekommen.

Generell gelten Serien heutzutage als großes Sprungbrett: "Die Leute wissen, wer Bryan Cranston ist - wegen 'Breaking Bad'. Jon Hamm ist wegen 'Mad Man' bekannt. TV verhilft vielen zum Ruhm."

Sympathie ist ausschlaggebend

"99 Prozent der Vorsprechenden werden abgewiesen", so Kennedy. Dennoch gibt sie zu: Wenn sie jemanden sympathisch findet, bekommt er bei verpatzen Vorsprechen von ihr schon mal eine zweite Chance.

Die Chemie muss stimmen

Doch Talent und Sympathie sind nicht alles. Auch die Chemie zwischen den Schauspielern muss stimmen. "Es ist sehr, sehr schwer, die richtige Chemie zu casten. Manchmal stimmt sie beim Vorsprechen, funktioniert aber nicht beim Dreh. Manchmal verstehen sich Schauspieler beim Casting nicht und machen dann etwas Magisches daraus", erzählt Kennedy.

Deswegen würde man sich zuerst auf eine kleine Anzahl von möglichen Darstellern einigen, bevor man sie einem Chemie-Test unterziehe. So hätte Anne Hathaway ihre Rolle in "Get Smart" zunächst nicht bekommen, weil sie den Produzenten als Partnerin von Steve Carell zu jung war. "Doch in dem Moment, als man sie zusammen gesehen hat, war sie nicht mehr jung", erinnert sich Lewis. "Sie war lustig und hat so gut zu ihm gepasst."

Mit Casting-Tricks zum guten Film

Oft steht der Hauptdarsteller eines Films jedoch schon fest, bevor Casting-Agenten eingeschaltet werden - selbst, wenn sich der oder die Schauspielerin gar nicht für die Rolle eignet.

Kennedys Trick: Sie engagiert "glaubwürdige, erprobte, vielseitige und beliebte Schauspieler", die sie dem vermeintlichen Star des Films zur Seite stellt, um ihn oder sie zu besseren Leistungen anzuspornen und die Qualität der Filmbesetzung allgemein zu steigern.

"Wenn ich rausgehe und Ball spiele mit meinem Sohn, werde ich okay spielen. Aber wenn Chris Evert (Anm. ehemalige Profi-Tennsspielerin) auf dem Feld ist, würde ich mich mehr bemühen", erklärt die Casting-Agentin.