Exlusiv: Auf einen Plausch mit Prinz Charles

Prinz Charles und Georg Markus…
Foto: /Bundeskanzler Christian Kern Prinz Charles und Georg Markus

KURIER-Journalist Georg Markus war zum Dinner mit Charles und Camilla geladen. Was er mit dem Prinzen zu bereden hatte.

Mittwoch Abend in der Wiener Hofburg. Rund 100 Personen sind geladen. Wie von Geisterhand öffnen sich die Türen zur Geheimen Ratsstube und der Bundespräsident geleitet seine hohen Gäste in den prunkvollen Raum. Alles erhebt sich von den Stühlen, ehe Prinz Charles und Herzogin Camilla an ihre Plätze geleitet werden. Man hat mich schon vor dem Empfang darauf aufmerksam gemacht, dass ich nicht als Journalist, sondern als Schriftsteller geladen bin. In der Tat war kein anderer Journalist anwesend.

Charles spricht Deutsch

Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Prinz Charles halten freundliche Ansprachen, der Thronfolger holt sein bestes Deutsch hervor, Wildsaibling und Marillenstrudel munden. Ich habe das Glück zwischen Danielle Spera und "Sacher"-Chefin Alexandra Winkler-Gürtler zu sitzen. Man spricht über England und den (in den offiziellen Reden nicht erwähnten) Brexit. Nach der Mehlspeis gibt’s Wiener Musik, Österreich zeigt sich von seiner schönsten Seite. Dann werden die Gäste zum Kaffee in einen Nebenraum gebeten.

BRITISCHER THRONFOLGER PRINZ CHARLES UND HERZOGIN Foto: APA/BUNDESHEER/PETER LECHNER

"Ihre königlichen Hoheiten werden sich mit den Anwesenden unterhalten", wurde uns schon im Vorfeld mitgeteilt. Und tatsächlich. Ich beobachte, wie das Paar locker mit Gästen plaudert und viel Charme zeigt. Ohne es auszusprechen, vermittelt der Thronfolger den Eindruck: "Auch wenn wir eines Tages nicht mehr in der EU sind, wir gehören zu Europa und auch zu Österreich."

Und dann geschieht das Unglaubliche: Ich wechsle gerade ein paar Worte mit Christian Kern, als sich uns der Prinz nähert. Der Bundeskanzler stellt mich Charles als einen Autor vor, der über historische Themen schreibt. Und schon bin ich mit dem Thronfolger in ein Gespräch vertieft (das übrigens von Kanzler Kern fotografiert wurde). Charles zeigt ehrliches Interesse für Österreichs Geschichte.

Beeindruckt

Zuletzt sage ich noch zum Prinzen, dass ich Großbritannien aufrichtig dankbar sei, weil meine Mutter in der Zeit des Nationalsozialismus dort überlebt hat, und dass ich ohne die Öffnung seines Landes womöglich nicht hier stehen würde. Charles stellt ein paar Fragen und erklärt, stolz zu sein, dass England damals helfen konnte. Das Gespräch hat vielleicht vier Minuten gedauert, ehe er sich – ganz britischer Gentleman – verabschiedet und ihm weitere Gäste vorgestellt werden.

Ich neige nicht zu sentimentaler Prinzenverehrung. Aber ich muss zugeben, dass mich dieser Mann in seiner ruhigen und liebenswürdigen Art beeindruckt hat.

Was der royale Besuch bringt

"It was wonderful": Highlights vom royalen Wien-Besuch

Die Charme-Offensive von Charles und Camilla ist in Wien geglückt.

Britain's Prince Charles and his wife Camilla, Duc
Foto: REUTERS/HEINZ-PETER BADER

Direkt vor den Schülern des Musikgymnasiums Neustiftgasse nahmen His Royal Highness Prinz Charles und Her Royal Highness Herzogin Camilla am Donnerstagvormittag im Musikverein Platz. Charles grinste und wirkte äußerst angetan, beiden lauschten den Proben des Orchesters aufmerksam.

Charles & Camilla im Musikverein:

Am Donnerstagvormittag wohnten Charles und Camilla einer Probe der Wiener Philharmoniker im Musikverein bei. Die Bilder:
  
  
  
  Britain's Prince Charles goes on stage to talks to musicians and conductor Christian Thielemann as he attends a rehearsal of the Vienna Philharmonic orchestra in the Golden Hall of the Musikverein in Vienna, Austria, April 6, 2017.  REUTERS/Leonhard Foeger 
  
  
  

  ABD0046_20170406 - WIEN - ÖSTERREICH: Der britische Thronfolger Prinz Charles am Donnerstag, 6. April 2017, vor Besuch einer Probe der Wiener Philharmoniker im Musikverein im Rahmen ihres Österreich-Besuches in Wien. - FOTO: APA/HERBERT PFARRHOFER 
  
  
 

Und nachdem Charles und Camilla ein paar Hände der Philharmoniker geschüttelt und mit Dirigent Christian Thielemann und Philharmoniker-Chef Andreas Großbauer geplaudert hatten, gesellten sich die königlichen Hoheiten wieder zu den Schülern. “I used to play the cello“, sagte  Prinz Charles zu Schülerin Tita Pesata, die Cello spielt. Nachsatz. „Very badly.“

Straffes Programm ohne einen Fauxpas

Eine Woche lang tourte das britische Thronfolger-Paar durch Europa. Mittwoch und Donnerstag weilten die Royals in Wien und absolvierten nach den offiziellen Terminen bei Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Bundeskanzler Christian Kern ein allzu klassisches Touristen-Programm.

Biowein für die Royals: Bilder vom Heurigen-Besuch

Bei strahlendem Sonnenschein wurden der britische Thronfolger und seine Gattin mit Bio Wein von Martin und Christine Obermann und heimischen Schmankerln beim Heurigen in Grinzing verköstigt. Alle Fotos: 
  
  
  

  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
 

Nach Tee (und Bäckerei) bei K&K Hofzuckerbäcker Demel am Kohlmarkt am Mittwoch, erhielten der Prince of Wales und die Duchess of Cornwall Donnerstagfrüh eine Führung im Jüdischen Museum.

Royals im jüdischen Museum:

Im Jüdischen Museum sprachen Charles und Camilla mit Flüchtlingen und Überlebenden des Holocausts. Alle Fotos:
  
  
  
  
  
  
  
  
  
 

Gleich danach ging‘s in den Musikverein und zu Mittag zum Heurigen: Charles und Camilla  probierten ein Achterl vom Wiener Gemischten Satz.  Nach dem Heurigenbesuch in Grinzing nahm Charles an einem Runden Tisch zum Thema „Moderne Sklaverei und Freiheit von Religion“ teil; die Herzogin besuchte die Spanische Hofreitschule.

Camilla in der Spanischen Hofreitschule:

In der Spanischen Hofreitschule durfte Herzogin Camilla im Beisein von Hofreitschul-Generaldirektorun Elisabeth Gürtler Lipizzaner streicheln - und schien viel Freude mit den Pferderln zu haben. 
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
 

Hier geht es zur Zusammenfassung des zweiten Tages

Gegen das Protokoll: Camilla ging auf Leute zu

Aber Ist die Charme-Offensive, die die Royals nach dem Brexit-Votum der Briten offenbar dringend notwendig haben, auch geglückt? „Auf jeden Fall“, sagt KURIER-Kolumnist und Adels-Experte Georg Markus. „Prinz Charles und Herzogin Camilla waren sehr herzlich und sympathisch, wie sie da am Ballhausplatz auf die Leute zugegangen sind.“

Das sah das Protokoll aufgrund der strengen Sicherheitsvorkehrungen ja eigentlich gar nicht vor. Mehr dazu hier: Camilla sagte mit zitternden Händen "Hello"

„Es war gut und wichtig, dass sie das gemacht haben“, sagt Markus. „Und es war sichtlich der Versuch zu sagen: Wir gehören noch immer zu Europa.“

BRITISCHER THRONFOLGER PRINZ CHARLES UND HERZOGIN Foto: APA/BUNDESHEER/PETER LECHNER

Auch Karl Hohenlohe, "Gault Millau"-Herausgeber und Vereins-Vorstand des "Kulinarischen Erbe Österreich", traf den Prinzen auch beim Heurigen und berichtet dem KURIER begeistert:

"Er war sehr nett, ist äußerst easy going und schafft es in kürzester Zeit, eine lockere Atmosphäre zu schaffen. Charles ist wirklich witzig und charmant, baut in den Gesprächen gerne Witze ein. Auch die Herzogin ist besonders nett und geht auf einen zu."

Freundlichkeit statt politische Probleme standen im Vordergrund des Besuchs. Charles versuchte die beherrschenden Themen wie Brexit, Gibraltar-Streit und drohende Schottland-Abspaltung wegzulächeln. Das gelang ihm großteils.
Also etwas zu viel Gemütlichkeit und zu wenig Interesse an ernsteren Themen (als Queen Elizabeth II. im Jahr 1969 Wien bereiste hatte, besuchte sie zumindest einen Gemeindebau, Anm.)? „Das würde ich nicht sagen“, sagt KURIER-Autor Georg Markus. „Erstens war der Aufenthalt sehr kurz, zweitens besuchten die Royals auch das Jüdische Museum und drittens nahm Prinz Charles ja an einem Runden Tisch der OSZE zum Thema Sklaverei teil.“

Was bleibt vom Besuch?

Was wird also bleiben vom Besuch der britischen Royals in Wien? Für ein paar Werbefotos in britischen Zeitungen mit einem Achterl Wein, Lipizzanern oder dem Besuch bei den Philharmonikern wird es reichen. Dass es Österreich mehr bringt als eine Handvoll Onlineberichte in britischen Medien, dafür gibt es keine Hinweise. Und auch, dass Wirtschaftskammer-Chef Christoph Leitl den britischen Thronfolger gleich zum „Schmankerl-Botschafter“ ernannte, mag wohl etwas zu euphorisch sein.

Prince Charles und Camilla in Wien Foto: KURIER/Gerhard Deutsch

Gut für’s Image

Und was sich die Briten jetzt wohl vom Besuch der Royals in Österreich erwarten? „Ihnen ist wohl wichtig, dass die Österreicher weiterhin nach England reisen“, sagt Georg Markus. „Sicherlich haben die Briten Angst, dass der Tourismus vom Brexit Schaden nimmt.“ Aber auch der Adels-Experte ist der Meinung, dass der Freundschaftsbesuch der britischen Royals allein nicht plötzlich die Österreicher scharenweise nach England und umgekehrt bringen wird. Aber: „Gut für das Image ist es allemal.“

Dass vielerorts über die angeblich mangelnde Volksnähe der Royals berichtet wird, gehört zur Folklore. Doch ein britischer Royal ist kein Rockstar und meist gibt es bei einem Besuch nicht mehr als einen Ort, wo Hände geschüttelt werden. Und in diesem Punkt kann sich Wien kaum beschweren: Charles winkte, als ihm zugejubelt wurde, Camilla fütterte einen Lippizaner mit einem Zuckerstück, beide tratschten  sie mit Schülern im Musikverein. Wie es ihnen dort gefallen hat? „It was wonderful“, sagte Charles. Finden wir auch.

(kurier) Erstellt am
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