Medaillengewinner sehen eigentlich anders aus. Sie zucken nicht resigniert mit den Achseln oder schütteln entnervt den Kopf. Sie machen auch keine wegwerfenden Gesten, und schon gar nicht kommen ihnen Wörter über die Lippen, die mit Sch anfangen und mit eiße aufhören.
Wer Vincent Kriechmayr zur Halbzeit der Team-Kombination erlebte, der hätte meinen können, dass das Rennen längst gelaufen ist. „Das war kacke“, fluchte der selbstkritische Oberösterreicher und sprach von einer bescheidenen Abfahrtsleistung. Und: „Mit so einem Rückstand wird das nichts mehr.“
Großer Irrtum
Selten einmal dürfte Vincent Kriechmayr so froh gewesen sein, dass er mit seiner Prognose so danebengelegen ist. Am Ende stand der Mann, der den Team-Bewerb voreilig bereits abgeschrieben hatte, auf dem Siegespodest und bejubelte mit Manuel Feller den Gewinn der Silbermedaille. „Ich weiß ehrlicherweise nicht, wie das hergegangen ist“, gab der 34-Jährige zu. "Danke Manu. Es war mir eine Ehre."
Auf dem Papier ist die Medaillenrechnung recht simpel: 7 (Abfahrt) + 2 (Slalom) macht 2 – und damit die erste österreichische Skimedaille bei diesen Winterspielen. Dahinter steckt freilich ein turbulenter Wettkampf, der mit einer Enttäuschung in der Abfahrt begann und in dem die Zweifel mit jedem Slalomläufer mehr in Hoffnung übergingen, um schließlich in einem unerwarteten Jubel zu enden
„Diese Medaille nehmen wir gerne“, sagte Manuel Feller.
Große Aufholjagd
Mit ihrem Überraschungs-Coup erwischten die beiden Routiniers auch das österreichische Olympia-Team auf dem falschen Fuß. In Windeseile wurde nach dem Rennen im Mannschaftshotel Derby eine spontane Medaillenfeier arrangiert, mit der niemand mehr gerechnet hatte.
Aber wer konnte diese Silbermedaille nach der Abfahrt auch schon noch auf dem Radar haben?
1,25 Sekunden verlor Vincent Kriechmayr auf die Bestzeit von Giovanni Franzoni (ITA), auf die Medaillenränge fehlte eine knappe Sekunde. dazu schickten alle Teams, die vor dem Duo Kriechmayr/Feller lagen, exzellente Slalomläufer ins Rennen.
Große Erfahrung
„Nach der Abfahrt war die Medaille nicht wirklich in Reichweite“, wusste auch Manuel Feller. „Aber so hatte ich auch keinen Druck.“ Und genau diese Ausgangslage war auf dem Weg zur Silbermedaille Goldes wert. Denn nachdem der Tiroler mit hauchdünner Slalom-Bestzeit im Ziel abgeschwungen hatte, strauchelte ein favorisierter Konkurrent nach dem anderen und landete hinter den beiden routinierten Österreichern.