Sport | Wintersport
25.12.2017

Zwischenbilanz: Starke Alpine, flügellahme Adler

Während die Skifahrer überzeugten, haben Springer, Kombinierer und Langläufer vor den Olympischen Spielen Aufholbedarf.

Die Basis für den siebenten Gesamtweltcupsieg von Marcel Hirscher ist gelegt. Trotz eines kapitalen Fehlers im zweiten Lauf gewann er am Freitag den Slalom von Madonna und jagte Henrik Kristoffersen die Gesamtführung ab. "Das ist eigentlich unglaublich", sagte ein emotionaler Hirscher danach. Weniger gut lief es bisher für die nordischen Skisportler. Ein Resümee nach dem ersten Saisondrittel.

Strahlende Alpine

Die eine war selbst im Skiverband von vielen schon abgeschrieben worden. Die andere hatte eine schwere Knieoperation hinter sich. Und wieder ein anderer hatte in der wichtigsten Phase der Vorbereitung eine mehrwöchige Zwangspause einlegen müssen. Auch und vor allem wegen dieser Vor- und Krankengeschichten hatten die Erfolgsstorys so einen emotionalen Touch und bewegten die österreichischen Skifans.

Die Tränen von Anna Veith in Val d'Isère nach ihrem ersten Sieg seit ihren beiden komplizierten Knieoperationen; die Freudenschreie von Cornelia Hütter in Lake Louise über ihren ersten Abfahrtssieg nach einem Kreuzbandriss; die Glücksgefühle und die Erleichterung bei Marcel Hirscher, weil ihn weder der Außenknöchelbruch noch die Materialreform aus der Spur bringen konnten.

"Im Großen und Ganzen sind wir sehr gut unterwegs", sagt Herren-Cheftrainer Andreas Puelacher. Vor allem der Aufschwung der ÖSV-Abfahrer ist augenscheinlich: Unter dem neuen Coach Sepp Brunner können die Speed-Spezialisten vor der Abfahrt in Bormio (28. Dezember) bereits sechs Podestplätze vorweisen. Zum Vergleich: Im gesamten letzten Winter waren die ÖSV-Abfahrer lediglich sieben Mal auf dem Stockerl zu finden.

Auch Damen-Chefcoach Jürgen Kriechbaum zieht vor den Technik-Rennen in Lienz (28. und 29. Dezember) ein positives Zwischenfazit: "Vor allem die Comeback-Siege von Anna und Conny haben mich sehr gefreut."

Matte Nordlichter

Möglicherweise war ja alles nur Taktik. Eine ausgeklügelte Strategie, um die Konkurrenz in Sicherheit zu wiegen und um dann plötzlich zuzuschlagen, wenn keiner damit rechnet. Es ist vermutlich das einzig Gute an diesem schwachen Saisonstart der österreichischen Skispringer: Die öffentliche Erwartungshaltung hält sich vor der Vierschanzentournee in Grenzen. Mit Ausnahme von Stefan Kraft (drei Podestplätze) hat in diesem Winter noch keiner der ÖSV-Adler überzeugen können.

Der Blick auf die Gesamtwertungen macht es deutlich, dass die Springer von Heinz Kuttin noch viel Luft nach oben haben. Mit Kraft (5.) und Manuel Fettner (15.) scheinen vor dem Tourneeauftakt in Oberstdorf (30.12.) gerade einmal zwei Österreicher unter den Top 20 auf. Gregor Schlierenzauer schaffte den Sprung ins sechsköpfige Tourneeaufgebot, obwohl er in dieser Saison noch keinen Weltcuppunkt gesammelt hat.

"Es fehlt bei allen nicht viel", sagt Stefan Kraft, auf dem wieder einmal die Hoffnungen ruhen. Der Doppelweltmeister spielt in diesem Winter den Alleinunterhalter, verspürt deshalb aber keinen Druck. "Ich bin sehr zufrieden mit der Form und den Leistungen. Wenn ich einmal in einem Wettkampf zwei perfekte Sprünge schaffe, dann ist alles möglich."

Während die Skispringer schon Podestplätze vorweisen können, springen und laufen die Kombinierer den Erfolgen noch hinterher. Auch aus diesem Grund legen die Österreicher über die Feiertage einen Trainingsblock ein, um wieder konkurrenzfähig zu werden. Zuletzt beim Heimweltcup war ein achter Platz die magere Ausbeute der Lokalmatadore, die zudem vom Verletzungspech geplagt werden.

Die größte Strahlkraft unter den rot-weiß-roten Nordlichtern hatte bislang Teresa Stadlober. Die Salzburgerin hat seit dem Saisonauftakt eine Erfolgsspur gezogen und sich im Langlauf mit regelmäßigen Platzierungen in den Top 6 etabliert. Beim ersten Saisonhöhepunkt, der prestigeträchtigen Tour de Ski, die am 30. Dezember in Lenzerheide (SUI) beginnt, will die 24-Jährige die norwegischen Dominatoren herausfordern.