Sport | Wintersport
05.12.2011

"Wintersport ist in Südkorea der pure Luxus"

Die bekannteste Südkoreanerin in Österreich, die Spitzenköchin Sohyi Kim, im Interview.

Sie ist die bekannteste Südkoreanerin in Österreich. Sohyi Kim, 46, verließ vor 28 Jahren ihre Heimat und ist heute eine der renommiertesten Köchinnen des Landes.

KURIER: Liegt Südkorea nun im Wintersport-Fieber?
Sohyi Kim: Skier habe ich noch keine. Als ich 1983 Südkorea verlassen habe, hatte ich zwei Mal in meinem Leben Schnee gesehen. Schnee war bei uns im Süden so selten, dass es hieß, er bringe Glück.

Welchen Bezug haben Südkoreaner zu Sport?
Sport wird zwar vom Staat gefördert, aber es gibt nicht diesen brutalen Drill wie etwa in China. Ich wurde in der Schule vor dem Mittagessen zu Sport verpflichtet - das war lästig. Und Wintersport ist in Südkorea noch immer der pure Luxus.

Im Gegensatz zu Japan und China weiß man über Südkorea eher wenig.
Jeder kennt Samsung, LG und Hyundai, nur niemand identifiziert das mit Südkorea. Für den Westen es ein kleines, unbekanntes Land - nach dem Motto: Asiate ist Asiate. Olympia wird deshalb als Chance gesehen.

Touristisch fällt einem bestenfalls Seoul ein.
Niemand fährt nach Südkorea, um sich Seoul anzusehen. Gestresste Leute in einer hypermodernen Stadt gibt es auch in Tokio oder New York. Südkorea hat viele Sehenswürdigkeiten und beeindruckende Landschaften. Die Küste im Süden, die hat etwas zu bieten.

Die ist aber ein wenig entfernt von Pyeongchang.
Schon, aber wer schon einmal in Südkorea ist, der bleibt vielleicht ein bisschen länger und schaut sich auch das übrige Land an. Das ist die große Hoffnung.

96 Prozent der Südkoreaner waren für die Spiele. Ein beeindruckender Wert.
Vielleicht für einen Europäer. Für jeden Südkoreaner ist es eine Freude, Olympische Spiele zu veranstalten. Auch für mich. Wir sind stolz, uns gegen München durchgesetzt zu haben.

Es herrscht die Meinung, der Kommerz (Pyeongchang) hätte über die Tradition (München) gesiegt.
Tradition ist gut, aber wenn man immer nur dorthin geht, wo es Tradition gibt, dann wird eine Sache bald aussterben.

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