Wie viel Maier steckt in Hirscher?

Marcel Hirscher und seine Freundin  Laura.
Foto: APA/BARBARA GINDL Jungstar: Marcel Hirscher hat auch abseits der Piste alles, was einen Star ausmacht. Nämlich einen guten Look, lukrative Werbeverträge und eine Modelfreundin, die 23-jährige Laura.

Marcel Hirscher ist der legitime Erbe von Hermann Maier. Was die Stars gemeinsam haben und was sie trennt.

Diese kollektive Begeisterung, dieser fast schon hysterische Hype, diese faszinierende One-Man-Show. Und dann noch dieser knallgelbe Helm. Das kommt einem doch irgendwie bekannt vor.

Alles schon einmal da gewesen, alles schon einmal erlebt. Hermann Maier war der letzte heimische Skistar, der die Österreicher so in seinen Bann ziehen konnte wie nun der Gesamtweltcup-Sieger Marcel Hirscher.

Beide besitzen das Sieger-Gen, beide sind Publikumslieblinge, und beide heben sich aus der Masse der Otto Normalrennläufer ab. Der Vergleich macht sicher: Marcel Hirscher hat das Zeug, in die großen Fußstapfen von Hermann Maier zu treten – ohne aber dabei auf seinen Spuren zu wandeln.

Die Karriere

In dem Alter, in dem Marcel Hirscher das erste Mal im Weltcup so richtig auf den Putz haute, arbeitete Hermann Maier noch auf dem Bau. Während Frühstarter Hirscher bereits mit 20 seinen ersten Weltcupsieg feierte (2009), gelang dem Spätzünder Maier nach überstandenen Wachstumsstörungen und absolvierter Maurerlehre erst mit 24 der Durchbruch.

Der Rest der Erfolgsstory ist bekannt: 54 Weltcupsiege, vier Weltcup-Gesamtsiege, zwei Mal Olympia-Gold, drei WM-Titel. Unerreicht in Österreich? Experten trauen Marcel Hirscher alles zu: "Er ist nicht ein Jahrhunderttalent, er ist ein Jahrtausendtalent", sagt etwa die Schweizer Ski-Legende Bernhard Russi.

Die Technik

Hermann Maier war ein echter Grenz- und Draufgänger. Vor seinem Motorradunfall fuhr er Linien, wie sie die Ski-Welt bis dahin noch nicht gesehen hatte. Extrem direkt, immer am Limit, manchmal, wie in Nagano, schoss er sogar übers Ziel hinaus.

Auch Marcel Hirscher lotet mit seinem Slalom-Stil die Grenzen des gerade noch Fahrbaren aus. Auf der Piste ist er ein schräger Typ, er hat einen Hang zu extremen Innenlagen. Dabei passt im Slalom kaum ein Blatt Papier zwischen Torstangen und Skispitzen.

Der Werbestar

Chic mag anders sein, aber die grüne Haube des Marcel Hirscher hat das Zeug zum Kultobjekt. Wie es dazu kam? "Bei der Einkleidung wollte ich etwas haben, das nur ich trage. Da war leider nur die grüne Haube übrig – aber einen schönen Menschen kann ja bekanntlich nichts entstellen", sagt der Jungstar.

Wie Hermann Maier hat sich der Annaberger mit seinen Kamikaze-Ritten bereits einen Rennsau-Status erarbeitet. Das macht ihn nicht nur für die Skifans, sondern auch für Werbekunden interessant. Bereits jetzt ist Hirscher Hauptdarsteller in einem Fernsehspot.

Auch gegen weitere Aufträge hätte der Jungstar nichts einzuwenden: "Ich hab’ jetzt Zeit. Wer will, soll sich melden." Nur mit dem Künstlernamen gibt’s noch kleine Probleme: Hirschinator hat nicht wirklich Kultcharakter.

Der Après-Ski

Hier eine Telefonzelle zertrümmert oder eine Kloschüssel aus der Verankerung gerissen; dort einen Bagger kurzgeschlossen und mit einem geborgten Fahrrad geflohen – Hermann Maier war auch abseits der Piste immer für einen Aufreger gut.

Hirscher hingegen blieb von Affären bisher verschont. Auch das Intermezzo mit Ivica Kostelic in Kitzbühel – Stichwort: Einfädler-Affäre – war dem Salzburger eher unangenehm. Hirscher löste das Problem diplomatisch und suchte das direkte Gespräch mit Kostelic ("diese Sache gehört ausgeredet"). Außerdem geht er zur Nachhilfe: "Ich werde über den Sommer das Nicht-Einfädeln trainieren."

Das Umfeld

Vater Ferdinand, dem eine Skischule in Annaberg gehört, hat großen Anteil am Erfolgsprojekt "Marcel Hirscher". Er begleitet seinen Sohn zu den Rennen, ist Trainer und Vertrauensperson zugleich. Auch Hermann Maiers Vater besaß in Flachau eine Skischule. Zu ÖSV-Speedtrainer Andreas Evers, der Maier früher privat betreut hatte, pflegt dieser ein langjähriges, freundschaftliches Verhältnis.

Der Sympathie-Faktor Marcel Hirscher bewegt die Massen, das haben die Zuschauerzahlen (15.000 pro Tag) beim Weltcup-Finale in Schladming bestätigt. Der 23-Jährige ist kein Exzentriker wie Maier, der Zeit seines aktiven Sportlerlebens als Einzelgänger galt, und er ist nicht nur im eigenen Team beliebt. So sagte der Schweizer Beat Feuz, dem Hirscher die große Kristallkugel wegschnappte: "Ich schätze ihn sehr, er hat es sich nach dieser Saison verdient."

Die Eitelkeit


Maier stand zur Glatze. Hirscher erscheint stets modisch gekleidet, mit lässigem Spruch und stylischem Haar zu Medienterminen.

Dass es dem Ski-Star eben nicht egal ist, wie er aussieht, mag auch ein Einfluss der Frau an seiner Seite sein – die 23-jährige Studentin Laura arbeitet als Model.

Die Herausforderung

Maier durfte 2001 in St. Anton eine Heim-WM erleben, bei der sich alles nur um ihn drehte – in Maier’schen Dimensionen war das Spektakel ein Fiasko, weil das geforderte Gold ausblieb. 2013 wird nun Marcel Hirscher bei der Heim-WM in Schladming im Mittelpunkt stehen: Österreichs Herren-Cheftrainer

Mathias Berthold ist davon überzeugt, dass der erst 23-Jährige der Favoritenrolle gewachsen ist: "Seine unheimliche Nervenstärke hat er ja bereits beim Nightrace und jetzt beim Weltcup-Finale unter Beweis gestellt."

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(kurier / Christina Leitner, Christoph Geiler, Stefan Sigwarth ) Erstellt am
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