Sport | Wintersport
06.11.2017

Eishockey: So soll Österreich in die Top 12

Österreichs Verbandspräsident Gernot Mittendorfer spricht über Talente, Trainer und Turniere.

Norwegen, Südkorea und Dänemark sind von Donnerstag bis Samstag in Innsbruck die ersten Saisongegner der österreichischen Eishockey-Nationalmannschaft. Das Team um Headcoach Roger Bader schaffte im April in Kiew den Aufstieg in die A-WM, wo Österreich im Mai 2018 um den ersten Klassenerhalt seit 2004 kämpfen wird. Verbandspräsident Gernot Mittendorfer erklärt, warum er optimistisch ist.

KURIER: Wie wichtig sind Turniere wie jenes in Innsbruck für die WM-Vorbereitung?
Gernot Mittendorfer:
Wir müssen die Liga-Pausen für solche Turniere nutzen und gegen A-Nationen spielen. In den letzten zehn Jahren sind immer die Aufsteiger wieder abgestiegen. Aber sie haben auch das härteste Programm, weil sie als einzige sieben Spiele in zehn Tagen haben. Das Ziel muss sein, dass wir diesen Trend brechen. Und das wird nur gehen, wenn die Vorbereitung optimal funktioniert. Roger Bader hat es einmal positiv formuliert und gesagt, dann haben wir einen Tag länger Pause vor dem Viertelfinale.

Was bedeutet der Aufstieg für einen kleinen Verband wie den österreichischen?
Finanziell einen höheren Aufwand, weil die WM und die Vorbereitung auch länger sind. Aber es ist natürlich gut für die Spieler und das gesamte Eishockey in Österreich. Wir wollen uns als Top-12-Nation etablieren und da muss es natürlich das Ziel sein, dass wir dort spielen.

Im sportlichen Bereich hat es Änderungen gegeben. Welche waren die Beweggründe?
Wir haben lange diskutiert, wie wir das optimale Setup für Österreich gestalten. Wir haben uns für einen hauptamtlichen Headcoach Roger Bader entschieden, der auch mit der Gesamtkoordination der sportlichen Aktivitäten und der Nachwuchsarbeit betraut wird. Wir haben zusätzlich noch im Bereich Trainerkoordination und Ausbildung Gregor Baumgartner für den Verband gewinnen können. Wir setzen bewusst ein Signal, dass wir Bader einen sportlich Verantwortlichen aus der Schweiz haben, aber der Rest ist mit Österreichern besetzt. Das reflektiert auch die Ausbildung und die Investitionen, die wir in den letzten Jahren gemacht haben, um die österreichische Identität im Trainerbereich zu etablieren. Gregor Baumgartner hat mit seinen Kollegen in Vierumäki den Trainerkurs gemacht. Wir haben dort dank Alpo Suhonen (ehemaliger Sportdirektor Anm.) die bestmögliche Ausbildung.

Diesen Kurs haben 20 Ex- und noch aktive Spieler absolviert. Wo werden die alle arbeiten?
Einige haben schon Nebentätigkeiten bei Nachwuchsnationalteams und sind auch bei Vereinen im Nachwuchs tätig. Es bleiben fast alle dem Eishockey in irgendeiner Funktion erhalten. Gleichzeitig etablieren wir eine permanente Aus- und Weiterbildung. Damit wollen wir sicherstellen, dass wir einen Stamm an sehr, sehr gut ausgebildeten Trainern aus Österreich haben, die einmal auch Mannschaften in der Erste Bank Eishockeyliga trainieren werden.

Ein Problem ist die hohe Legionärszahl in der EBEL von 10,75 pro Team.
Die Frage der Qualität des österreichischen Eishockeys lässt sich nicht an der Anzahl der Legionäre fest machen. Unser Ziel ist es, so viele gute Österreicher zu entwickeln, dass sich die Frage der Legionärszahl nicht mehr stellen wird. Das kann nur funktionieren, wenn man in den Nachwuchs investiert. Da passiert die Hauptarbeit bei den Vereinen. Man muss ehrlich sagen: Was in den letzten zwei Jahren passiert ist, gab es im österreichischen Eishockey seit 20 Jahren nicht. Es wurden Nachwuchsprogramme bei Vereinen entwickelt, die jetzt schon Ergebnisse liefern. Wir haben Nachwuchsligen und die Alps Hockey League etabliert, die als hochstehende zweite Liga den Talenten als Zwischenschritt auf dem Weg in die EBEL dienen soll. Speziell die Entwicklung auf der Torhüterposition ist erfreulich. Im letzten Finalspiel der vergangenen Saison standen mit David Kickert und David Madlener zwei österreichische Torhüter auf dem Eis. Ich kann mich nicht erinnern, wann das zuvor der Fall gewesen war.