Sport | Wintersport
05.12.2011

Wer wird der neue Walchhofer?

2006 hat zum letzten Mal ein Österreicher eine Weltcup-Abfahrt gewonnen, der nicht Walchhofer oder Kröll heißt: Hermann Maier.

Wenn sich am Samstag der erste Herr aus dem Starthaus von Lake Louise zur ersten Abfahrt der neuen Weltcupsaison abstößt (19.30 MEZ, live ORFeins, Eurosport,KURIER-Ticker), ist das der Start in eine neue Ära: Denn mit Michael Walchhofer hat das österreichische Herren-Skiteam seinen Vorzeige-Downhiller verloren.

Der 36-jährige Zauchenseer hat seine Karriere nach einem WM-Titel (2003) und drei weiteren WM-Medaillen, einer Olympia-Silbernen (2006), drei Siegen im Disziplinweltcup (2004/'05, 2005/'06, 2008/'09) und 19 Weltcup-Erfolgen (davon 14 in der Abfahrt) im Frühjahr beendet.

Wer wird die Lücke schließen?

Der neue König

Rein altersmäßig ist Klaus Kröll als Nachfolger in der schnellsten Alpin-Disziplin prädestiniert. Doch nicht nur das: Das 31-jährige Kraftpaket (1,86 Meter, 95 Kilo) aus dem steirischen Öblarn beendete den letzten Winter als Dritter im Abfahrtsweltcup, hinter dem unverwüstlichen Schweizer Didier Cuche, 37, und Walchhofer. "Er hat das Alter, er hat sich konditionell weiterentwickelt und fährt realistisch um den Abfahrtsweltcup mit", sagt Walchhofer.

Klaus Kröll ist übrigens auch der einzige österreichische Abfahrtssieger seit dem 28. Jänner 2006, der nicht Walchhofer heißt. Vor bald sechs Jahren gewann ein gewisser Hermann Maier in Garmisch-Partenkirchen ...

Die Kronprinzen

Mit Romed Baumann, 25, und Joachim Puchner, 24, haben im vergangenen Winter zwei Herren im für Abfahrer eher jungen Alter mit Stockerlplätzen aufgezeigt.

"Und die sind sicher nicht schlechter geworden", sagt ÖSV-Abfahrtstrainer Andreas Evers voll Überzeugung. Drei Muskeltiere also?

Die Pechvögel

Es wären sogar noch mehr Muskeltiere im rot-weiß-roten Abfahrtsteam, wenn diese unselige Verletzungsserie im österreichischen Abfahrtsteam endlich einmal aufhören würde. Immerhin kehrt nun Georg Streitberger, 30, zurück, der nur wegen eines gebrochenen Schienbeinkopfs die WM und die Kristallkugel für den Super-G-Weltcup verpasst hat.

Immerhin konnte der Kärntner Max Franz, 22, nach seinem Kreuzbandriss vor zwei Jahren erstmals wieder die komplette Vorbereitung mitmachen und wurde zum Ausklang der letzten Saison prompt Staatsmeister in der Abfahrt.

Und immerhin gibt es da auch noch Mario Scheiber, der das Aufstehen zu seiner Dauerbeschäftigung gemacht hat. Das wird der 28-Jährige auch in (voraussichtlich) zwei Wochen wieder tun, wenn sich sein lädierter Rücken beruhigt hat. An einen Start bei den Übersee-Rennen ist aber nicht zu denken, weshalb der Osttiroler sich daheim bei seiner kleinen Familie auskuriert.

Perspektiven

ÖSV-Alpindirektor Hans Pum kann sie sowieso nicht hören, die Miesmacher, die neue Siegergesichter vermissen: Zu viele hoffnungsvolle Athleten hat er in der jüngeren Vergangenheit verloren.

Andreas Buder musste seine Karriere beenden, weil der Körper nicht mehr mitmachte. Hans Grugger stürzte aus dem Aufwärtstrend ins Spital - wenigstens kam er ohne Folgeschäden davon. Unnötig, auf die Scheibers und Franze und Streitbergers und wie sie alle heißen nochmals hinzuweisen.

Das Kernproblem, sagt Pum, sei, dass man Abfahrer nicht züchten kann. "Das Um und Auf in dieser Disziplin ist Erfahrung, und die zu sammeln, das kostet viel Zeit. Je älter die Athleten werden, umso besser können sie abschätzen, wo sie riskieren können und wo sie drosseln müssen."

Aufwand

Eine andere Ursache ist der Aufwand: "Du musst eine Strecke längere Zeit sperren, um sie vorzubereiten", weiß Pum, das wollen (können) sich immer weniger Veranstalter antun. Für die 3005 Meter lange Weltcupstrecke in Zauchensee etwa werden 19 Kilometer Fangnetze benötigt, von den zahllosen Helfern ganz zu schweigen.

Ein Aufwand, der sich schon im Europacup kaum mehr rechnet - von FIS-Rennen für den Nachwuchs ganz zu schweigen. Weniger Abfahrten = weniger Abfahrer. Eine einfache Rechnung - aber längst kein Grund, die Hoffnung fahren zu lassen.

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