Martin Fourcade ist im Biathlon das, was Marcel Hirscher bei den Alpinen ist.

© APA/AFP/CHRISTOF STACHE

Sport Wintersport
02/08/2017

Biathlon vs. Ski: "Nichts gegen das Skifahren ..."

Warum die WM in Hochfilzen den Vergleich mit St. Moritz nicht scheuen muss.

von Christoph Geiler

Der Kontrast k√∂nnte gr√∂√üer kaum sein: Auf der einen Seite St. Moritz, das Zentrum der High Snowciety, edel, elit√§r, weltbekannt als Wintersport-Dorado. Auf der anderen Seite Hochfilzen, die Heimat der Biathleten, beschaulich, bescheiden, hierzulande bekannt durch seinen Truppen√ľbungsplatz und den Magnesitabbau.

Kann man diese so unterschiedlichen Orte √ľberhaupt miteinander vergleichen?

Man kann. Gerade jetzt, da zwei Wochen lang die Blicke auf St. Moritz und Hochfilzen gerichtet sind, auf die gro√üe Ski-Party im Engadin und das Sch√ľtzenfest in Tirol.

Es gibt viele Athleten und Sportfans, die nicht nachvollziehen k√∂nnen, dass die beiden Gro√üveranstaltungen zur gleichen Zeit angesetzt sind. "Ehrlich gesagt passt‚Äôs mir auch nicht", gesteht √ĖSV-Pr√§sident Peter Schr√∂cksnadel, der dieser Tage hin- und hergerissen ist und notgedrungen zum Pendler wird. Gestern feierte er in St. Moritz noch die Goldmedaille von Nicole Schmidhofer, heute ist er in Hochfilzen bei der Er√∂ffnung der Biathlon-WM. "F√ľr mich wird‚Äôs die n√§chsten Tage stressig, aber grunds√§tzlich ergibt es schon Sinn, dass die beiden Weltmeisterschaften gleichzeitig sind. Davon profitieren am Ende alle."

Massenphänomen

Vor allem die TV-Stationen erhoffen sich durch den WM-Doppelpack Top-Einschaltquoten. "Biathlon-Fans sollen bei den Ski-√úbertragungen aus St. Moritz dranbleiben. Und umgekehrt nat√ľrlich auch", sagt Schr√∂cksnadel.

Dass der Biathlon-Weltverband IBU den fr√ľhen Februar-Termin f√ľr seine Titelk√§mpfe gew√§hlt hat ‚Äď die WM 2005 in Hochfilzen hatte noch im M√§rz stattgefunden ‚Äď zeugt freilich auch vom Selbstvertrauen und Selbstverst√§ndnis der Waffenbr√ľder. International betrachtet brauchen die Biathleten den Vergleich mit den Alpinen l√§ngst nicht mehr zu scheuen. In diesem Jahrtausend hat sich der Sport mehr und mehr zu einem Massenph√§nomen entwickelt. "Man muss der IBU zu dieser Entwicklung gratulieren. Das war ein kleiner Haufen, der den Sport medientauglich gemacht hat. Biathlon ist f√ľr mich die Formel 1 des Winters", sagt Markus Gandler, der zust√§ndige Direktor beim √ĖSV.

Dabei hat sich die Eigenst√§ndigkeit des Weltverbandes als gr√∂√üter Trumpf herausgestellt. Jahrzehntelang hatten die Biathleten um Anerkennung und Aufnahme in die FIS gek√§mpft. Heute w√ľrden sie beim Weltverband den aufstrebenden Biathleten wohl den roten Teppich ausrollen.

Livespektakel

In Deutschland ist Biathlon mit gro√üem Abstand der Wintersport Nummer eins, nicht anders verh√§lt es sich in den osteurop√§ischen L√§ndern. So wurden heuer beim Biathlon-Weltcup im tschechischen Nove Mesto an einem Wochenende 140.000 Besucher begr√ľ√üt, zu den Hahnenkammrennen in Kitzb√ľhel, dem allj√§hrlichen Highlight im Skiweltcup, kamen 100.000 Fans.

Biathlon ist aber nicht nur ein Livespektakel, auch im TV wird der Sport perfekt ins Bild ger√ľckt. Der ORF √ľbertr√§gt die Heim-WM mit 49 Kameras, sie ist damit eine der gr√∂√üten Sport√ľbertragungen der Geschichte. "Unser Sport kommt auch deshalb so gut an, weil bei uns immer etwas passieren kann", sagt Lokalmatador Dominik Landertinger. "Nichts gegen das Skifahren, aber Biathlon ist mit Abstand der Wintersport mit der h√∂chsten Leistungsdichte. Bei uns k√∂nnen 30 Leute gewinnen."

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