Verdrängungswettbewerb in Chamonix

Abfahrtsdoppel: Die Chamonix-Opfer Mario Scheiber und Georg Streitberger rasen gleich zwei Mal auf ihrer Unglückspiste um Weltcup-Punkte.

Sechs Österreicher im ersten und einzigen Training unter den schnellsten Zehn! Die Aussichten sind gut, dass in Chamonix der erste ÖSV-Abfahrtssieg der Saison gelingt. Denn auf der französischen Hochgeschwindigkeitsstrecke sollen gleich zwei Abfahrten stattfinden: Heute, Freitag, und Samstag (jeweils ab 11.55 in ORF eins ).

Die Abfahrt am Freitag gilt als Ersatz für Gröden. Dort wurde im Dezember nach 21 Läufern wegen des Windes abgebrochen. Zu einem Zeitpunkt, da mit Johan Clarey und Adrien Théaux zwei Franzosen führten.

Wiedergutmachung

Die Wut der Franzosen war groß. Zwecks Beruhigung wurden ihnen mit etwas schlechtem Gewissen gleich zwei Heim- (Abfahrts-)Rennen zugestanden. Vor denen gestern freilich – wie schon am Hahnenkamm und in Garmisch – der älteste Schweizer demonstrierte, wer der Herr im Haus ist. Immerhin ist Französisch die Muttersprache des Trainingsschnellsten Didier Cuche.

Romed Baumann, der in Kitzbühel neben Cuche vom Podest hatten winken dürfen, erzielte die zweitbeste Zeit. Sportpsychologen (und nicht nur sie) interessiert vor allem, wie Chamonix-Opfer mit der Piste Verte zurechtkommen. Im Vorjahr waren Blaulicht-Fahrzeuge zwischen der „grünen Piste“ und dem Krankenhaus in Sallanches gependelt.

Wiedersehen

Mario Scheiber und Georg Streitberger hatte es besonders schlimm erwischt. Noch dazu an der gleichen – vermeintlich – harmlosen Stelle. Aber völlig unterschiedliche Pistenverhältnisse hatten die Verte gemeingefährlich gemacht.

Streitberger schnallte nach seinem Sturz wieder die Skier an, rutschte selbst zu Tal. Chirurgen schüttelten später darüber den Kopf, hatte sich der Salzburger doch einen Bruch des Schienbeinkopfes zugezogen. Mario Scheiber bekam seinen Abtransport nicht mit – bewusstlos, schwere

Gehirnerschütterung, gebrochene Schulter. Der Osttiroler, der bis dahin als Hermann Maiers WM-Goldfavorit gegolten hatte, sprach vom Rücktritt – und er fühlt sich heute „noch nicht ganz frei im Kopf“. Am Freitag belegten Streitberger und Scheiber in ihrem Verdrängungswettbewerb die Plätze sechs und 19.

 

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( Kurier ) Erstellt am 03.02.2012