Sport | Wintersport
14.12.2011

Talenteshow in Gröden

Joachim Puchner und Romed Baumann sind Österreichs Hoffnungsträger in der Abfahrt. Das zeigten sie in Gröden.

Die Gruppe-I-Läufer waren schon beim Mittagsschläfchen, als einige Jungpiloten noch immer vor dem Starthaus in 2250 Metern Höhe warteten. Das erste Training für die erste Europa-Abfahrt am Samstag in Gröden wurde wegen schlechter Sicht zu einem der längsten der Geschichte – 10.45 Uhr bis kurz vor 15 Uhr.

Eine Prognose aber kann gewagt werden: Mit den österreichischen Abfahrern wird es in der Saison 1 nach Michael Walchhofer bergauf gehen. Lichtet sich der Nebel, sind ihre Aussichten schon in Gröden alles andere als trübe.

Romed Baumann, 25, und Joachim Puchner, 24, gelten als die "Männer von morgen". Zwei Maturanten, die ihre alpine Reifeprüfung in Wahrheit schon im letzten (Puchner) bzw. vor- und vorvorletzten Winter (Baumann) abgelegt hatten. In Bälde sollte ihnen der ganz große Durchbruch gelingen.

Realisten

Der zurückhaltende Tiroler Baumann und der medienwirksame Salzburger Puchner sind klug genug, um mit Vorschusslorbeeren realistisch umzugehen. Dass ihnen die Saslong-Strecke aber liegt und sie sich ungleich bessere Chancen ausrechnen als bei der letzten US-Abfahrt in Beaver Creek, das streiten beide nicht ab.

Baumann führte Mittwoch eine Stunde lang gemeinsam mit Beaver-Creek-Sieger Bode Miller das Feld der Trainingsschnellsten an. Just in dem Augenblick, in dem Medienvertreter Baumann zur Bestzeit gratulierten, wurde er vom Schweden Hans Olsson übertroffen.

Olsson war bei der gleichen Junioren-WM, bei der Baumann im Jahr 2004 in Marburg Abfahrtsgold erobert hatte, Weltmeister im Super-G geworden.

Kein Zufall

Die Trainingsbestzeit des schwedischen Gleitspezialisten in Gröden ist kein Zufall. Ebenso wenig wie der sechste Trainingsrang des 1,90 Meter großen Puchner. Der Sohn eines Meteorologen gilt als Allwetter-Spezialist, der selbst im Nebel den Durchblick hat.

Auch ein Kärntner Nachwuchspilot (und Neffe des früheren Weltcup-Haudegen Werner Franz) und zwei rekonvaleszente Routiniers strahlten am grauen Dezember-Tag: Rückkehrer Max Franz, weil er mit Nummer 41 auf Platz neun raste; und Georg Streitberger sowie Mario Scheiber, weil die beiden auf der Weichschneepiste, die zur Materialschlacht herausfordert, statt Schmerzen ein "geiles Gefühl" verspürten.

Obwohl am Start von Nervosität geplagt ("Schließlich war’s mei erste Fahrt seit Jänner") zählte Scheiber im anspruchsvollen Mittelteil (Mauer plus Kamelbuckeln) sogar schon wieder zu den Schnellsten. Favorit Klaus Kröll wurde an den Buckeln abgewinkt, nachdem der Franzose Johan Clarey vor ihm gestürzt war.

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