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19.01.2012

Tag 5: Kanada im Goldrausch

Das kanadische Team gewinnt die zwölfte Fulda Challenge. Die Österreicher Angelika Hohenwarter und Martin Zach landen auf Platz 4. Die Entscheidung fiel in der letzten Challenge.

Temperaturen bis minus 47 Grad, 10 Sportbewerbe, 1500 Kilometer auf spiegelglatten Highways - die Fulda Challenge brachte die Teilnehmer auch 2012 an ihre Grenzen. Sieben Teams kämpften in den vergangenen fünf Tagen im kanadischen Yukon um die krisensicheren Gold Nuggets. Bis gestern hatten drei Duos realistische Chancen zu gewinnen.

Die Entscheidung sollte im letzten Wettbewerb, dem Miles Canyon Crossing, bei Whitehorse fallen. Dafür mussten von Dawson City allerdings wieder 532 Kilometer auf dem North Klondike Highway zurückgelegt werden. Eine anstrengende Fahrt, denn der Highway war glatter als auf der Hinfahrt. Das wichtigste, neben einer vorsichtigen Fahrweise: niemals hinter dem "Besenwagen" starten. Das "Sweeper Car" ist das letzte Auto im Konvoi und die Lebensversicherung im Fall eines Unfalls oder einer Panne. Das Handynetz im Yukon ist löchrig wie ein Schweizer Käse und die Temperaturen lebensbedrohlich niedrig. Bleibt man liegen, fällt die Heizung aus und das Auto verwandelt sich in Minuten in einen Eisschrank. Wenige Stunden später ist man selbst tiefgefroren.

Doch auf dem Weg in die Yukoner Hauptstadt gab es weder eine Panne noch einen Unfall. Alle kamen nach rund sechs Stunden Fahrt entspannt beim Miles Canyon an. Das Thermometer im Kia Sorento zeigte minus 33 Grad. Doch aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit und des leichten Windes, der durch die Schlucht zog, waren es gefühlte 50 Grad unter Null. Harte Bedingungen für den letzten Event.

Balanceakt

Die Teilnehmer mussten auf einem Seil knapp 50 Meter von einem Ufer zur anderen Seite robben. Eine Aufgabe, die in zehn Meter Höhe und bei Frost Schmerzen verursacht. Das Seil war durchgefroren und stahlhart, die Kleidung blieb kleben, die Finger kühlten trotz Handschuhen in Sekunden aus. Und bekanntlich greift sich mit klammen Fingern nicht besonders fest. Das bekamen zwei Athletinnen besonders fies zu spüren: Profi Mountainbikerin Angie Hohenwarter und Kickbox-Weltmeisterin Christine Theiss ging ein halber Meter vor dem rettenden Ufer die Kraft aus. Sie stürzten ins Seil. Null Punkte, trotz minutenlanger Schinderei.

Am anderen Ufer angekommen sind: Chantal McKenzie, Lina van der Mars, Katja Beer-Wüstenfeld, Berit Diel und Jelena Maksimovic. Die Schlucht am schnellsten überquerte die Kanadiern McKenzie, gefolgt von den beiden Deutschen Diel und Beer. Der erste Platz beim Seilrobben sicherte Chantal McKenzie den Sieg in der Damenwertung.

Auch die Männer hatten zu kämpfen. Bis auf Jenke von Wilmsdorff überwanden alle, die aus der Goldrauschzeit berühmt-berüchtigte Schlucht. Der Schweizer Angelo Brack holte sich den Sieg bei den Männern. Und damit auch den ersten Platz in der Gesamtwertung der männlichen Teilnehmer. Martin Zach vom Team Österreich überwand die Schlucht in 3 Minuten, 15 Sekunden und war damit um 38 Sekunden langsamer als der zweitplatzierte Alexander Lang.

Premiere

Der Sieg in der Teamwertung und damit die Gold Nuggets gingen an die Kanadier Ryan Smith und Chantal McKenzie. Noch nie zuvor gewann ein Duo aus Kanada die Fulda Challenge. Platz 2 sicherten sich die beiden Ausdauer-Monster Berit Diel und Alexander Lang aus Deutschland. Der dritte Stockerlplatz geht an die Schweiz.

Endresultate

Platz 1: MacKenzie + Smith (Team Kanada) – 138 Punkte

Platz 2: Diel & Lang (Team Deutschland 3) – 137 Punkte

Platz 3: Maksimovic + Brack (Team Schweiz) – 129 Punkte

Platz 4: Hohenwarter / Zach (Team Österreich) – 105 Punkte

Platz 5: Beer / Mühle (Team Deutschland 2) – 105 Punkte

Platz 6: Theiss / Schönfelder (Team Deutschland 4) – 78 Punkte

Platz 7: van de Mars / von Wilmsdorff (Team Deutschland 1) – 52 Punkte

Goldige Zeiten

Während der Überquerung des Miles Canyon haben sich etliche Athleten leichte Erfrierungen geholt. Die werden verheilen. Von Dauer wird allerdings die Erinnerung an die Fulda Challenge bleiben. Martin Zach resümiert: "Eine unglaubliche Erfahrung. Was wir in den letzten Tagen gelacht haben. Ich bin mit dem Ergebnis zufrieden, aber der dritte Platz wäre vielleicht schon drin gewesen." Seine Teampartnerin Angelika Hohenwarter ergänzt: "Einmalig, ein superlustiges Erlebnis. Ich habe mein Ziel zwar nicht erreicht, aber der Spaß in den letzten Tagen gleicht die Enttäuschung aus."

Nicht nur für die Teilnehmer waren die vergangenen Tage eine Grenzerfahrung. Der Yukon fordert Sinne, Kraft und Willensstärke. Edelmetall lässt sich zwar in Geld aufwiegen, aber Erinnerungen und Erfahrungen sind Gold wert.

Die ersten vier Tage der Fulda Challenge 2012 im Yukon/ Kanada können Sie unter folgenden Links nachlesen:

Weiterführende Links