"Südkorea? Das ist wie Sommerspiele in Grönland"

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Biathlet Christoph Sumann ist froh, 2018 in Pyeongchang nicht am Start sein zu müssen.

Nur gut, dass Christoph Sumann im nächsten Winter 36 wird. Nicht auszudenken, der steirische Biathlet müsste noch einmal in Südkorea Gewehr bei Fuß stehen.

"Gott sei Dank bin ich 2018 nicht mehr dabei", sagt Sumann, der 2009 bei der WM in Pyeongchang zwei Silbermedaillen holen konnte. Und trotzdem ist der wortgewaltige Routinier nicht verschossen in diesen südkoreanischen Wintersportort aus der Retorte. "Ich muss ja schmunzeln. Südkorea und Winterspiele, das ist doch wie Sommerspiele in Grönland", meint Sumann nur.

Pannenserie

Die Biathleten waren so etwas wie die olympischen Versuchskaninchen. Mit der WM 2009 wollten die Südkoreaner nach zwei gescheiterten Kandidaturen ihre Olympia-Tauglichkeit unter Beweis stellen. Heraus kam eine weltmeisterliche Blamage: mit etlichen Pannen, mit leeren Tribünen und vielen skurrilen Anekdoten. In den drastischen Worten von Christoph Sumann: "Die hatten von Tuten und Blasen keine Ahnung."

Bereits bei der Ankunft im Winter-Resort machten die Biathleten die erste unliebsame Erfahrung. Die koreanischen Studenten, die den Sportlern beim Einchecken ins Hotel zur Seite stehen sollten, agierten ganz im Sinne der Völkerverständigung und mischten die Athleten durcheinander. "Auf einmal bist du mit einem Rumänen im Appartement", erinnert sich Sumann, "die haben gedacht, wir gehören alle zusammen."

Auf der Biathlon-Anlage stellten sich die Helfer dann ähnlich ungeschickt an. Etliche Damen stolzierten in Stöckelschuhen durch den Schneematsch, einige lebensmüde Freiwillige liefen den Biathleten mitten unter dem Schießtraining vor die Flinte, nicht wissend, dass im Biathlon mit scharfer Munition geschossen wird.

Dazu kamen die schlecht präparierten Loipen und verwaisten Tribünen. "Wir hatten null Komma null Zuschauer", erzählt Sumann, "in Wahrheit waren die froh, als wir wieder weg waren, weil sie dann den Golfplatz eröffnen konnten, auf dem die Biathlon-Anlage eigentlich ist."

Und noch eines ist Christoph Sumann in Erinnerung geblieben. Die 24-Stunden-Skipiste neben dem riesigen Hotelkomplex samt grellem Flutlicht. "Schon komisch. Die Koreaner sind um ein Uhr in der Früh Ski fahren gegangen. "

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Erstellt am 05.12.2011