Sport | Wintersport
09.12.2016

Störfeuer gegen Meisterschützin Lisa Hauser

Die Weltcup-Vierte Lisa Hauser geht im Training erfolgreich eigene Wege. Der ÖSV sieht das nicht gerne.

Das hätten sie beim ÖSV wohl auch nicht gedacht, dass die heimischen Biathletinnen den Herren einmal den Rang ablaufen könnten. Nach der ersten Weltcupstation in Östersund liegt das Herrenteam im Nationenranking an fünfter Position – und damit einen Platz hinter den starken österreichischen Damen.

Hauptverantwortlich für diesen Auftakt nach Übermaß ist Lisa-Theresa Hauser: Die 22-Jährige beendete alle vier Saisonrennen unter den ersten sieben und reist als Gesamtvierte zur zweiten Weltcupstation nach Pokljuka (SLO) wo heute zwei Sprintbewerbe (Herren 11.30 Uhr, live in ORFeins,Damen 14.15 Uhr, Eurosport, ZDF) warten. "Mit einer Top-Ten-Platzierung wäre ich schon zufrieden gewesen", berichtet Hauser, "wie es jetzt gekommen ist, ist es einfach ein Traum."

Nach ihrem erfolgreichen Start in den WM-Winter ist die Kitzbühelerin keineswegs euphorisch, sondern in erster Linie einmal erleichtert. Erleichtert darüber, dass der steinige Weg, den sie im Sommer eingeschlagen hat, der richtige war. Darüber, dass mit ihrer Abnabelung vom ÖSV der Schuss nicht nach hinten losgegangen ist. "Mir ist ein großer Stein vom Herzen gefallen. Es war ja doch eine mutige Entscheidung."

Vertrauensfrage

Nach der vergangenen Saison hat sich Lisa Hauser, die erst mit 17 zum Biathlonsport kam, vom ÖSV emanzipiert und sich der "Biathlonschmiede" angeschlossen. In dieser privaten Trainingsgemeinschaft rund um Simon Eder und dessen Vater Alfred ist auch Sandra Flunger engagiert, Hausers langjährige Betreuerin und Wegbegleiterin. Nachdem Flungers Dienste beim ÖSV nicht mehr gefragt waren, stand Hauser vor einem Dilemma: Sollte sie nach den Vorgaben des neuen Damenbetreuers Vegard Bitnes trainieren, oder doch ihre erfolgreiche Zusammenarbeit mit Sandra Flunger fortsetzen?

Hauser entschied sich für das vertraute Umfeld, außerhalb des Skiverbandes. "Bitnes hat ein komplett anderes Trainingssystem. Ich hätte alles umstellen müssen, obwohl ich mit dem, wie ich trainiert habe, immer gut gefahren bin", begründet die Tirolerin ihre Entscheidung. "Wer macht das schon, dass er vor einer Heim-WM alles umschmeißt?"

Eigentlich müsste man der 22-Jährigen für ihr hohes Maß an Eigenverantwortung und ihre Zielstrebigkeit größten Respekt zollen. Beim mächtigen ÖSV freilich hält man wenig von den professionellen Eigenbrötlereien der Vorzeige-Biathletin. "Ich war im Grunde komplett allein und habe mir das Training selbst finanzieren müssen", berichtet Hauser. "Mit dem ÖSV war’s einfach nicht möglich."

Beim Weltcup in Pokljuka werden Lisa Hauser und Simon Eder von ihren Trainern der Biathlonschmiede begleitet. Allerdings können Alfred Eder und Sandra Flunger ihre zwei Schützlinge nur von der Tribüne aus unterstützen. Mit der Bitte um Strecken-Akkreditierungen sind die beiden beim ÖSV abgeblitzt. "Die sträuben sich in allen Richtungen", sagt Sandra Flunger, "dabei sollte es doch um die Sache gehen. Und nicht darum, wer von wem trainiert wird."