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06.01.2018

Stoch schafft den Tournee-Grand-Slam

Kamil Stoch holte sich mit dem Sieg beim Dreikönigsspringen in Bischofshofen auch den vierten Tagessieg der Tournee.

Kamil Stoch hat am Dreikönigstag ein Stück Vierschanzentournee-Geschichte geschrieben. Der 30-jährige Pole schaffte als erst zweiter Skispringer und 16 Jahre nach Sven Hannawald den Grand Slam. Der Doppel-Olympiasieger gewann beim Finale in Bischofshofen auch den vierten Bewerb der 66. Auflage und entschied die Gesamtwertung wie im Vorjahr souverän für sich.

Stefan Kraft wurde Tages-Vierter. In der Gesamtwertung wurde Michael Hayböck als 14. der bestplatzierte Österreicher. Damit war erstmals seit 40 Jahren kein ÖSV-Adler in den Top Ten.

Lokalmatador Kraft bestätigte die am Vortag in Training und Qualifikation gezeigten Leistungen und rehabilitierte sich damit nach den Negativ-Erlebnissen von Garmisch (nicht im Finale) und Innsbruck (24. Platz). So wie in Oberstdorf flog der Pongauer aber als Vierter knapp am Podest vorbei, diesmal nach Sprüngen auf 130,5 und 135,5 Meter um 1,9 Punkte hinter den Deutschen Andreas Wellinger (129/139,5). Damit blieben die ÖSV-Springer erstmals seit 2005/06 ohne Tournee-Podestplatz.

Kraft freut sich auf den Kulm

Der 24-jährige Kraft bedauerte, dass er es nicht unter die besten drei geschafft hatte. "Das wäre für das gesamte Team sehr gut gewesen, aber es will nicht sein", meinte der Halbzeit-Dritte. Die Sprünge seien brav und sauber gewesen, sagte Kraft. Genau das hatte er sich nach der Verunsicherung der jüngsten Konkurrenzen auch vorgenommen. "Mit besserem Selbstvertrauen würde ich einen noch besseren Sprung rauslassen." Dem Skifliegen auf dem Kulm am kommenden Wochenende blickt Kraft aber voller Vorfreude entgegen. "Skifliegen ist das, was mir am besten liegt."

Stoch bewies als Halbzeit-Spitzenreiter Nervenstärke und setzte sich nach Weiten von 132,5 und 137 Metern 3,2 Punkte vor dem Norweger Anders Fannemel (130/139) durch und tat es dem Deutschen Hannawald gleich. "Unheimlich souverän, wie er das durchgezogen hat. Kamil ist sensationell drauf, ähnlich wie ich damals. Ich möchte es gar nicht anders haben und freue mich, dass er es auch geschafft hat. Es ist alles gut", erklärte Hannawald als Co-Kommentator auf Eurosport und gratulierte Stoch noch im Auslauf. Es werde noch dauern, bis dieser das Erreichte realisiert habe.

Stoch dankte seiner Gattin Ewa, seinen Eltern, die ihn in Bischofshofen angefeuert hatten und seinem vom Tiroler Stefan Horngacher angeführten Betreuerteam. "Die haben so hart gearbeitet", sagte der Ex-Weltmeister und Ex-Weltcupsieger nach seinem 26. Weltcupsieg. "Ich bin stolz auf das, was ich bisher geschafft habe. Aber ich glaube, es gibt noch immer Dinge, die ich besser machen kann", erklärte der aktuelle "Überflieger". Er hatte in der Gesamtwertung fast 70 Punkte Vorsprung auf den zweitplatzierten Wellinger.

König Kamil

Die Freude in der Heimat war entsprechend groß. "Heute bilden wir alle gemeinsam das Gefolge eines neuen Königs - Kamil!", sagte Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki.

Der letzte gefährliche Widersacher um den Gesamtsieg war Stoch in Innsbruck durch einen Sturz abhandengekommen. Der dreifache Saisonsieger Richard Freitag musste wegen einer Hüftblessur auf ein Antreten in Bischofshofen verzichten und die Weltcupführung abgeben. Stoch kommt nun mit dem Gelben Trikot und 12 Punkten Vorsprung zum Skifliegen auf dem Kulm.

Vier von zehn angetretenen Österreichern hatten sich für das Finale qualifiziert. Zweitbester ÖSV-Springer war der Vorjahres-Zweite Michael Hayböck mit 124,5 und 130,5 Metern und Rang elf, Manuel Poppinger wurde 21. und Manuel Fettner 24. Der 26-jährige Hayböck verbesserte sich im Finale vom 15. Rang um vier Plätze. "Ich konnte meinen Aufwärtstrend fortsetzen, ich bin auf dem richtigen Weg", sagte der Oberösterreicher.

Nicht geschafft hat es unter die besten 30 in Bischofshofen unter anderem der zweifache Sieger Gregor Schlierenzauer. Einen Tag vor seinem 28. Geburtstag zog er mit 118 Metern im Duell mit Manuel Fettner den Kürzeren und kam auch nicht als Lucky Loser weiter (33. Platz). "Ich tue mir einfach schwer, das war kein guter Sprung", meinte der Tiroler und hofft auf das Skifliegen.