Sport | Wintersport
30.03.2017

Dieter Kalt: "Verlieren ist beim KAC keine Option"

Sportdirektor Dieter Kalt spricht vor dem Finale über die mentale Stärke der Klagenfurter.

Den älteren Fans der Vienna Capitals sind die Bilder vom 12. April 2005 in Erinnerung, als der damalige Kapitän Dieter Kalt nach einem 6:2-Sieg im siebenten Finalspiel gegen den KAC den Pokal in die Höhe stemmte. Es war der einzige Titelgewinn für einen Eishockey-Klub aus Wien seit 1962. Ab Freitag stehen die Wiener wieder im Finale gegen den KAC. Diesmal hat Dieter Kalt bei den Klagenfurtern als Sportdirektor seinen Anteil am Erfolg.

KURIER: Der KAC hat im Semifinale gegen Salzburg beeindruckende Leistungen gezeigt und vier Spiele in Folge gewonnen. Welche waren die Gründe für das 4:2?

Dieter Kalt: Die Leistungen waren in den letzten Wochen immer sehr konstant und gut. Die Geduld hat sich ausgezahlt. Die Mannschaft hat sich das gesamte Jahr zu einer sehr guten Einheit entwickelt. Jeder hat dazu beigetragen, dass die Sportler in einem ruhigen Umfeld arbeiten konnten. Das haben sie uns jetzt mit Einsatz und Leidenschaft zurückgezahlt. Der Gegenwind über Monate hat das Team stark gemacht.

Die nicht so guten Leistungen im Grunddurchgang lagen aber auch an den vielen Verletzten, oder?

Natürlich. Aber unser Team im Hintergrund schaut sich die Fakten an und lässt sich nicht von ersten Emotionen leiten. Die Emotionen sind den Fans überlassen.

Mit ruhig bleiben meinen Sie, dass nicht wie traditionell üblich im November über den Trainer diskutiert wurde?

Wir haben jetzt Leute im Verein, die direkt aus dem Sport kommen, und die es über Jahrzehnte miterlebt haben, wie das Geschäft funktioniert. Diese Erfahrung kann man sich nicht anlernen. Das hilft, wenn es einmal zäh wird und man den Leuten vertrauen muss. Es ist schön, dass es gefruchtet hat, wie wir auf unsere Leute gesetzt haben. Aber es gibt keine Garantie dafür.

Der KAC ist bekannt für starke Leistungen in den Play-offs. Gibt es eine eigene Play-off-Mentalität in Klagenfurt?

Natürlich ist das im Klub über Jahrzehnte gewachsen. Das fängt schon im Nachwuchs an. Verlieren ist beim KAC keine Option. Ich war es von klein auf gewohnt, dass es nichts anderes gibt als am Ende um den Titel zu kämpfen. Es gibt einen Grund, warum gewisse Klubs, auch international, immer ganz vorne mitspielen. Das hat mit den handelnden Leuten zu tun. Es gibt in Klagenfurt einen gewissen Druck. Vielleicht setzten sich über Jahre nur die durch, die mit diesem Druck umgehen können.

Sie waren beim letzten Finalduell 2013 gegen die Capitals Co-Trainer des KAC. Hat der 4:0-Erfolg noch eine Bedeutung?

Das ist Statistik. Aber wir haben Spieler, die wissen, was es heißt, zu gewinnen. Und wir haben Spieler, die schon schmerzhafte Niederlagen in solchen Situationen erlitten haben. Auch das ist wichtig. Wenn du das Gefühl des Gewinnens erlebt hast und weißt, was du dafür machen musst, dann willst du das immer wieder erfahren. Schwierig sind nur die Monate nach einem Titel, weil dann der Schlendrian einkehrt.

Der KAC hat das Mannschaftsbudget reduziert und erreicht dennoch das erste Finale seit 2013. Ist Geld nicht so wichtig?

Man braucht ein gewisses Budget, um konkurrenzfähig zu sein. Unsere Voraussetzungen haben sich vor der Saison geändert. Das war eine Herausforderung, aber auch sehr lehrreich. Ich glaube, dass wir immer noch fair sind zu allen Mitarbeitern und niemand am Hungertuch nagen muss.

Der KAC hat einige Vertragsverlängerungen wie von Lundmark, Bischofberger, Strong oder zum Beispiel Ganahl bereits bekannt gegeben. Ist das nicht unüblich während des Play-offs?

Manche Vereine machen es nachher, manche entscheiden erst nach den Play-offs, wer bleiben soll. Es geht darum, dass wir glauben, dass die Spieler gut zu unserer Philosophie passen. Dann gibt es keinen Grund, ihnen nicht eine gewisse Sicherheit zu geben. Du musst eben wissen, welchen Typen du die Sicherheit geben kannst. Andere brauchen vielleicht den angesetzten Dolch, damit sie ihre Top-Leistung bringen.

Trauen Sie sich eine Vorhersage über das Finale zu?

Nein. Wien hat extrem konstant gespielt und einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Sie waren die dominante Mannschaft. Wir haben uns dorthin entwickelt. Die Frage ist, wer gesund ist und wer die Nerven behält. Ich würde mich freuen, wenn es der KAC wird. Aber wir haben auch einen Gegner, der es sich verdient hätte.