Slalom-Kristallkugel an Marcel Hirscher

Marcel Hirscher sichert sich vorzeitig seine erste Kugel in dieser Saison. © Bild: Reuters/SRDJAN ZIVULOVIC

Den Tagessieg sichert sich der Kroate Ivica Kostelic vor Hirscher und Mario Matt.

Eine turbulente Aufholjagd gestartet, hinter Kranjska-Gora-Sieger Ivica Kostelic Zweiter geworden, die kleine Slalom-Kristallkugel vorzeitig gesichert, einen Slalom-Weltcup-Rekord aufgestellt, die Führung im Gesamtweltcup ausgebaut!

Marcel Hirscher hat wieder einmal Skigeschichte geschrieben. In einem Rennen, dessen Durchführung auf slowenischem Nassschnee für unmöglich gehalten wurde.

Mit dem Ziel, seinen Weltcup-Führung auf 100 Punkte auszubauen, war Marcel Hirscher nach Kranjska Gora gereist. 159 Punkte sind es geworden. Sie sollten dem Salzburger reichen, um Aksel Lund Svindal beim Weltcup-Finale in Lenzerheide auf Distanz zu halten und neuerlich Gewinner des Gesamtweltcups zu werden.

Dabei schienen Hirschers große Chancen im Schnürlregen von Kranjska Gora gestern Vormittag schon davon zu schwimmen. Hirscher drohte bei seinem Slalom-Ritt ein Tor zu verfehlen, musste stoppen, wieder antauchen und im Ziel einen (für Favoriten) deprimierenden Rückstand von 2,11-Sekunden gegenüber Bestzeithalter Alexis Pinturault zur Kenntnis nehmen.

Vorzeitiger Triumph

In der ersten Enttäuschung ging unter, dass Hirscher schon wenige Minuten später zum Gewinn des Slalom-Disziplinen-Weltcups gratulieren werden konnte. Denn sein bayrischer Rivale (und Freund) im Duell um die kleine Glaskugel, Felix Neureuther, war ausgeschieden.

Premiere

Zwei fürs Podest: Matt (li) und Hirscher
Second placed Marcel Hirscher (R) of Austria congratulates third placed compatriot Mario Matt after the men's slalom event at th… © Bild: Reuters/SRDJAN ZIVULOVIC

Diese kleine Glaskugel, sagt Hirscher, verlieh ihm wieder Auftrieb. Zumal sie ihm zum ersten Mal in seiner Karriere überreicht werden wird und ihn darüber hinaus auch die Tatsache moralisch aufbaute, dass viele Topläufer nicht schneller waren als er, der Halbzeit-Achte, trotz eines Stehers.

Völlig durchnässt flüchteten die Rennläufer zum Pausentee. Mit Haarföns trockneten sie ihre Skischuhe. Aber er sei schon bei viel, viel schlimmeren Bedingungen gefahren, meinte Hirscher. Und: „Das Salz, das die Slowenen in die Piste gestreut haben, hat sich sehr gut bewährt.“

Der anfängliche Verlauf des zweiten Durchgangs ließ anderes befürchten. Ein Nummern-Rennen zeichnete sich ab, als der krasse Außenseiter aus der Schweiz (und erster Starter des zweiten Laufes), Luca Aerni, nicht eingeholt werden konnte. Erst Reinfried Herbst brach den Bann, worauf auch Hirscher alles riskierte, wofür er mit 80 unerwarteten Punkten belohnt werden sollte.

Nur noch Ivica Kostelic konnte seinen österreichischen „Raiffeisen-Kollegen“ Hirscher übertreffen. Der Franzose Pinturault hingegen scheiterte als letzter Läufer am Matsch und seinem jugendlichen Übermut.

Entspannung

Der Sieger: Kostelic ging an seine Grenzen
Winner Ivica Kostelic of Croatia listens to the national anthem after the men's slalom event at the Alpine Skiing World Cup in K… © Bild: Reuters/SRDJAN ZIVULOVIC

Damit durfte Hirscher als Slalomzweiter neben Sieger Kostelic und Mario Matt nach dem zehnten Slalom (inklusive der Städte-Derbys in München und Moskau) zum zehnten Mal vom Podest winken. Eine Konstanz, die einmalig ist in der Alpin-Geschichte und die Hirscher im Hinblick auf den Gesamtweltcup ein „Beine-Hochlagern“ auf einem Punktepolster erlaubt.

Entgegen ursprünglich Absichten lässt sich Hirscher am Mittwoch auf kein Abfahrtsabenteuer in Lenzerheide ein. Ob er Donnerstag im Super-G startet, weiß er noch nicht. „Ich weiß nur, dass ich jetzt einmal duschen will. Und dass Sonntag der letzte Slalom ist.“

1. Lauf 2. Lauf
1. Ivica Kostelic CRO 1:45,81 52,30 53,51
2. Marcel Hirscher AUT 1:46,00 0,19 52,90 53,10
3. Mario Matt AUT 1:46,15 0,34 52,74 53,41
4. Jens Byggmark SWE 1:46,18 0,37 52,42 53,76
5. Reinfried Herbst AUT 1:46,38 0,57 53,42 52,96
6. Andre Myhrer SWE 1:46,73 0,92 52,24 54,49
7. Markus Larsson SWE 1:47,08 1,27 53,74 53,34
8. Naoki Yuasa JPN 1:47,22 1,41 52,93 54,29
9. Manfred Mölgg ITA 1:47,38 1,57 53,01 54,37
10. Fritz Dopfer GER 1:47,40 1,59 53,08 54,32
11. Patrick Thaler ITA 1:47,63 1,82 53,26 54,37
12. Luca Aerni SUI 1:47,72 1,91 55,61 52,11
13. Mattias Hargin SWE 1:47,81 2,00 53,72 54,09
14. Steve Missillier FRA 1:47,99 2,18 53,22 54,77
15. Michael Janyk CAN 1:48,11 2,30 54,90 53,21

Ausgeschieden im 1. Durchgang u.a.: Manfred Pranger, Benjamin Raich, Wolfgang Hörl, Marc Digruber, Manuel Feller (alle AUT), Felix Neureuther (GER), Mitja Valencic (SLO), Cristian Deville (ITA), David Chodounsky (USA), Jean-Baptiste Grange (FRA)Ausgeschieden im 2. Durchgang: Markus Vogel (SUI), Truls Johansen (NOR), Giuliano Razzoli (ITA), Alexis Pinturault (FRA)

Nicht am Start u.a.: Christoph Nösig (AUT)

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SKI WELTCUP FINALE: HIRSCHER MIT FREUNDIN LAURA

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AUSTRIA ALPINE SKIING WORLD CHAMPIONSHIPS

©APA/BARBARA GINDL

EMPFANG FÜR WELTCUPSIEGER HIRSCHER (AUT)

©APA/EXPA/ JOHANN GRODER

SKI ALPIN: ÖSV-TRAINING AM HINTERTUXER GLETSCHER /

©Reuters/DOMINIC EBENBICHLER

Hirscher of Austria clears a gate during his first

©Reuters/LEONHARD FOEGER

Austria's Alpine ski overall World Cup winner Hirs

Genugtuung für Polizist Herbst

Die Mutter des Siegers weinte, als ihr Ivo dort, wo er vor zehn Jahren gewonnen hatte, wieder auftrumpfte. Ivica Kostelic plagen permanente Knieschmerzen. Nach Saisonende wird er sich wieder unters Messer begeben müssen.

Wie Kostelic, 33, wird vermutlich auch der gleich alte Mario Matt noch im nächsten (Olympia-)Winter den Rennzirkus durch seine Anwesenheit aufwerten. Seit er die richtige Materialabstimmung fand, ist der Arlberger hinter Hirscher die unumstrittene Nummer 2 im ÖSVSlalom-Team, während sich Manfred Pranger und Benjamin Raich wieder einmal über ihr Ausscheiden ärgern.

WM-Zuseher Reinfried Herbst gelang mit Platz 5 ein Lebenszeichen. „Das ist eine Genugtuung für einen, der in den letzten sechs Wochen nur Hausmeister und Exekutivmeister gewesen ist.“ Inspektor Herbst war während der WM-Zeit in Lackenhof Polizei-Meister geworden.

SLOVENIA ALPINE SKIING WORLD CUP
© Bild: APA/ANTONIO BAT

Marcel Hirscher

Geboren am 2. März 1989 in Hallein/ Salzburg Wohnort: Annaberg/Salzburg Größe/Gewicht: 1,73 m/70 kg Familienstand: ledig, Freundin Laura Ski: Atomic Schuhe: Atomic Verein: Skiclub Annaberg Hobbys: Motocross, Kajak, Musik Homepage: http://www.marcelhirscher.at/Größte Erfolge:Weltcup: Gesamtsieger 2011/12, Riesentorlauf-Weltcupsieger 2011/12, Slalom-Weltcupsieger 2012/13, 18 Siege (10 Slalom, 7 Riesentorlauf, 1 Parallelbewerb)Olympia: 4. Riesentorlauf 2010, 5. Slalom 2010WM (3 Medaillen - 2 Gold/1 Silber): Gold Slalom und Teambewerb sowie Silber Riesentorlauf 2013 in Schladming, 4. Riesentorlauf 2009 in Val d'Isere, Teilnahmen 2009, 2013Junioren-WM: Gold Riesentorlauf 2007 und 2008 sowie Slalom 2008, Silber Slalom 2007 und Super-G 2009, Bronze Riesentorlauf 2009Europacup: Gesamt- und Slalom-Sieger 2007/08Sonstiges: Österreichs "Sportler des Jahres 2012"

Erstellt am 10.03.2013