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08.03.2012

Skispringen: Schuld ist der Zipp

Im Kampf um den Gesamtweltcup rächt sich bei Gregor Schlierenzauer die Panne mit dem kaputten Reißverschluss.

Der Reißverschluss ist schuld. Wer sonst. Der Reißverschluss ist dafür verantwortlich, dass Gregor Schlierenzauer noch immer nicht im gelben Trikot des Weltcup-Führenden herumlaufen darf. Hätte er nicht den Geist aufgegeben, damals im Jänner beim Skifliegen am Kulm, Gregor Schlierenzauer wäre vier Bewerbe vor Saisonende wohl nur noch einen Katzensprung vom Gewinn der großen Kristallkugel entfernt.

Malheur

Aber nein, dieser hinterhältige Reißverschluss am Sprunganzug musste ja seinem Namen alle Ehre machen – er riss also, und riss damit auch eine kleine Lücke zwischen Schlierenzauer und seine Konkurrenz. Der Materialdefekt warf den Tiroler, der den Bewerb souverän gewonnen hätte, ans Ende des Klassements zurück. Und genau diese hundert Punkte gehen ihm nun bitter ab: Vor dem Springen in Trondheim (16.50 Uhr, live in ORFeins) liegt Schlierenzauer 84 Zähler hinter dem Norweger Anders Bardal.84 Zähler – man möchte meinen, das sollte eigentlich machbar sein für den erfolgreichsten Skispringer der Gegenwart (40 Weltcupsiege). "Ich gratuliere Bardal jedenfalls noch nicht", sagt Schlierenzauer.Irgendwo auf dem Weg von Val di Fiemme zur Deutschland-Tour sind ihm aber Form und Leichtigkeit abhanden gekommen. Bei der WM-Generalprobe in Predazzo Anfang Februar hatte der 22-Jährige die Konkurrenz dermaßen degradiert, dass alles für den Rest der Saison mit einer One-Man-Show gerechnet hatte. Doch seither plagt sich der Tournee-Sieger permanent mit Problemen herum. Einmal stimmt die Anfahrtshocke nicht, einmal experimentiert er mit dem Material, einmal wird er vom Wind verblasen – ständig kommt irgendwas dazwischen.

Konstanz

Anders Bardal nützte die Schwächen und Probleme seiner Gegner eiskalt aus. Erst entriss er Andreas Kofler, dem mit Fortdauer des Winters die Luft ausging, das gelbe Trikot, nun hält er Schlierenzauer auf Distanz. Der Norweger hat zwar nicht unbedingt das Zeug zum Seriensieger und in diesem Winter auch erst drei Weltcupbewerbe gewonnen – Schlierenzauer immerhin fünf –, aber Bardal ist ein Muster an Beständigkeit. Genau das Holz, aus dem Weltcupgesamtsieger geschnitzt sind.Der Vergleich spricht für Bardal: Der Norweger landete in diesem Winter bereits zwölf Mal auf dem Podest, Schlierenzauer nur neun Mal.Schuld ist aber nicht nur der Reißverschluss. Sollte Schlierenzauer den Weltcup nicht gewinnen, muss auch er sich einen kleinen Vorwurf gefallen lassen. Der Tiroler verzichtete auf die weite Reise zu den Springen in Sapporo. Ebendort sammelte Bardal 98 Punkte.

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Programm

Nach dem Bewerb in Trondheim, wo Schlierenzauer den Schanzenrekord hält, übersiedelt der Springer-Zirkus auf den Holmenkollen von Oslo (11. März). Das Finale steigt dann traditionell auf der Flugschanze in Planica (Slowenien), wo am 16. und am 18. März zwei Flugbewerbe auf dem Programm stehen.

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