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06.02.2017

Anna Veith: "Es geht jetzt alles viel, viel schwerer"

Veith: "Im Moment hängt viel von der Tagesverfassung ab". © Bild: APA/HELMUT FOHRINGER

Nach ihrer schweren Verletzung musste die Titelverteidigerin im Super-G ihren Körper erst neu kennenlernen.

Er erwarte sich von den österreichischen Damen im Grunde wenig bis nichts, hatte Peter Schröcksnadel vor dem Super-G am Dienstag (12 Uhr, live in ORFeins) sinngemäß gemeint. Der ÖSV-Präsident spielte dabei auf die lange Verletztenliste (Eva-Maria Brem, Cornelia Hütter, Carmen Thalmann) und die vielen WM-Debütantinnen an. "Es ist kein Beinbruch, wenn wir hier nichts gewinnen. Das Leben geht weiter."

Und trotzdem liebäugelt der wortgewaltige ÖSV-Boss insgeheim mit einem glänzenden Start in diese Weltmeisterschaft. "Wenn’s nicht zu eisig und hart wird, dann traue ich der Anna alles zu", sagte Peter Schröcksnadel vor dem ersten Bewerb.

Besagte Anna ist die Titelverteidigerin im Super-G. Vor zwei Jahren hatte die Salzburgerin noch unter ihrem Mädchennamen Fenninger in Vail/Beaver Creek die Goldmedaille gewonnen. Zwei Jahre später kämpft die zweifache Weltcup-Gesamtsiegerin nach einer schweren Knieverletzung mit neuem Namen und unter neuen Vorzeichen um die Rückkehr zu alter Stärke und Sicherheit: Anna Veith über....

Ihre Erwartungen

"Ich erwarte von mir eigentlich nur, dass ich mein Bestes gebe. Es ist sicher nicht so, dass ich in der Höchstform meiner Karriere hierhergekommen bin. Mit meiner Vorgeschichte ist das aber auch logisch. Zwar erwarten sich andere jetzt nicht mehr so viel von mir, aber es ist deswegen nichts leichter als früher. Es geht jetzt alles viel, viel schwerer. Grundsätzlich bin ich schon sehr froh darüber, dass ich überhaupt die Chance bekommen habe, in St. Moritz starten zu können."

Ihre Außenseiterrolle

"Mag sein, dass ich mich jetzt in einer anderen Situation befinde. Aber wenn ich auf die letzte WM in Beaver Creek zurückblicke, dann hätte ich dort auch nicht mit drei Medaillen gerechnet. Wenn es jetzt aber nicht so ausgehen sollte wie beim letzten Mal, dann ist die bisherige Saison für mich trotzdem schon ein Erfolg."

Ihren Gesundheitszustand

"Im Moment hängt viel von der Tagesverfassung ab. Den körperlichen Zustand kann ich nicht mehr so steuern wie früher. Da habe ich mir vorgenommen: ,Morgen zerreiße ich alles.‘ Das habe ich so nicht mehr im Griff. Wenn die Belastung zu hoch ist, stehe ich manchmal in der Früh auf, und es passt einfach nicht mit dem Knie. Da muss ich dann die Zähne zusammenbeißen und fühle mich fast so, als wäre ein Lastwagen über mich drübergefahren. Ich hoffe, dass ich es so erwische, dass ich meine beste Leistung abrufen kann, die ich draufhabe."

Den Super-G

"Die Ergebnisse haben gezeigt, dass der Super-G im Moment meine stärkste Disziplin ist. Ich hab’ zwar erst wenige Trainingstage in den Beinen, aber den Instinkt habe ich zum Glück nicht verloren. Auf den kann ich mich verlassen. Ich sage: Wenn ich einen guten Lauf erwische, kann alles passieren."

Einen Start in der Abfahrt

"Natürlich möchte ich Rennen fahren. Darauf arbeite ich auch hin. Aber ich weiß nicht, ob mein Körper die Belastung verkraften wird. Die Kombination ist für mich hier bei der WM aber kein Thema."

Ihren Nachholbedarf

"In meiner Situation hilft mir jede einzelne Fahrt. Generell habe ich das Gefühl, dass ich nach meiner Verletzung alles wieder mehr spüren und aufnehmen muss. Ich brauch’ jetzt ein bisschen länger, bis ich mich auf die Verhältnisse und die Piste einstellen kann. Früher hätte ich vor den Rennen im Prinzip oft gar nicht einfahren müssen. Heute ist es so, dass ich mich extrem warmfahren muss. Ich muss fahren, damit mein Körper die Belastung annimmt. Bei den ersten Schwüngen denke ich mir im Moment oft: ,Scheiße, heut geht’s zach.‘ Das kostet viel Energie."

Ihren neuen Fahrstil

"In Garmisch habe ich bewusst probiert, es wieder einmal so anzulegen, wie ich es früher gemacht habe. Ich habe dabei aber die Erfahrung gemacht, dass es eng wird, wenn ich so bedingungslos fahren will wie vor meiner Verletzung. Im Grunde kann man das, was vorher war, mit dem jetzt nicht vergleichen. Ich kann nur aus meinem Ist-Zustand das Beste machen. Ich habe jetzt zwar nicht direkt den Fahrstil ändern müssen, aber sehr wohl die Taktik, mit der ich ins Rennen gehe. In gewisse Passagen und Kurven muss ich heute mehr investieren, ich muss sie anders fahren. Das heißt deshalb aber nicht, dass es so langsamer ist."

Eine Medaille

"Das wäre eine Sensation. Jede Medaille, ganz egal, was für eine Farbe sie hat, ist mehr, als ich mir eigentlich erwarten würde. Ich will jetzt aber nicht zu viel darüber nachdenken, denn das würde mich nur blockieren, und ich würde Energie verschwenden.