Super-G-Gold für Kanadier Guay, ÖSV geht leer aus

Goldjunge: Mit Erik Guay haben nicht viele gerechnet. © Bild: APA/AFP/JOE KLAMAR

Der norwegische Topfavorit Jansrud gewinnt Silber vor dem anderen Kanadier Osborne-Paradis. Kriechmayr wird als Fünfter bester Österreicher.

Österreichs Herren sind am Mittwoch im WM-Super-G in St. Moritz ohne Medaille geblieben. Gold sicherte sich Abfahrts-Ex-Weltmeister Erik Guay. Der 35-jährige Kanadier siegte klar vor dem norwegischen Topfavoriten und Olympiasieger Kjetil Jansrud (+0,45 Sek.). Bronze ging an das kanadische Geburtstagkind Manuel Osborne-Paradis (0,51/33 Jahre). Bester Österreicher war Vincent Kriechmayr als Fünfter.

Guay löste Hannes Reichelt nicht nur als Champion, sondern auch als Rekordmann ab: Er ist nun mit 35 Jahren und 187 Tagen auch der älteste Skirennläufer, der jemals WM-Gold geholt hat.

Dem 25-jährigen Oberösterreicher, der das Rennen eröffnet hatte, fehlten 24 Stunden nach dem Super-G-Sensationstriumph der Steirerin Nicole Schmidhofer 37 Hundertstel auf das Podest. "Mit Nummer eins ist es schwierig. Ich wusste, dass es keine schlechte Fahrt war, aber der eine Schwung oben tut ein bisschen weh, sonst wäre es eine Superfahrt gewesen", wusste Kriechmayr, dass er Edelmetall mit einem Fehler im oberen Streckenabschnitt liegen gelassen hatte.

Das Rennen in Bildern:

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Geschlagene ÖSV-Asse

Die anderen vier ÖSV-Herren waren dagegen weit weg von einer Medaille. Abfahrts-Olympiasieger Matthias Mayer schied bereits im oberen Teil aus, Titelverteidiger Hannes Reichelt verlor 1,09 Sekunden auf Guay und musste sich mit Platz zehn begnügen. Max Franz (1,37 Sek.) wurde 13., Gesamt-Weltcup-Seriensieger Marcel Hirscher (2,05) landete sogar außerhalb der Top 20.

"Schade. Ich habe mich ganz gut gefühlt", sagte Mayer. "Aber so ist das eben im Super-G. Es ist oben ein blindes Tor, man muss riskieren, wenn man schnell sein will. Ich bin sicherlich zu gerade reingefahren und dann ist vorbei", erklärte der Kärntner.

Reichelt hatte seine Fahrt rasch analysiert. "Ich habe über die vielen Wellen zu viele Fehler gemacht", gestand der nun von Guay auch als ältester Weltmeister "entthronte" Salzburger ein. "Das ist beruhigend, jetzt fühle ich mich gleich wieder viel jünger", scherzte der 36-Jährige aus Radstadt. "Eric hat gezeigt, dass man hier mit Köpfchen fahren muss", lobte Reichelt den 35-jährigen Sieger, der wie er selbst schon 2003 in St. Moritz dabei gewesen war.

Auch für Max Franz (13.) lief es nicht optimal. "Ich habe gestern schon den gleichen Blödsinn gemacht", ärgerte sich Franz über eine haarige Situation. "Zum Glück ist alles gut gegangen, im letzten Teil hatte ich aber weiche Knie", gestand er.

Auch Hirscher (21.) hatte ein Mal einen ordentlichen Luftstand, nahm es aber insgesamt gelassen. "Das war ein sehr gutes Training für das morgige Abfahrts-Training", scherzte der Salzburger. "Das war sicher nicht das, was wir uns in Österreich erwartet haben. Für mich war heute nichts zu holen."


ZUM KURIER-WM-CENTER

Guay fand die Mischung

Für Guay war es nach Abfahrtsgold 2011 in Garmisch-Partenkirchen die zweite WM-Goldene. "Ich habe beides versucht, kontrolliert und mit Risiko zu fahren. Das war eine gute Mischung. Du musst Gas geben, aber auch wissen, wo du das tust", erklärte Kanadas erster Super-G-Weltmeister sein Erfolgsrezept, das er mit seinem steirischen Trainer Burkhard Schaffer ausgetüftelt hatte.

Der Sieg von Guay war vor allem nach seinem spektakulären Sturz in Garmisch doppelt bemerkenswert. "Es ist unglaublich. Die ganze Sache mit Garmisch ist mir wieder in den Sinn gekommen. Aber ich wollte das alles vergessen", sagte der Sieger. "Es ist etwas Besonderes, mit Kjetil und Manny auf dem Podest zu stehen", erklärte Guay, der nach 2011 (Abfahrt) und einer langen Verletzungsphase sein zweites WM-Gold holte. Vor dem Start hatten die beiden Kanadier noch telefoniert.

Osborne-Paradis raste an seinem 33. Geburtstag mit Startnummer 26 noch auf Platz drei und damit mitten ins Paradies. "Nach meinem Fehler dachte ich, das wird nichts mehr. Aber im Super-G ist immer alles möglich", freute sich der Routinier. Bronze ist das drittgrößte Geschenk."

Der schwer verkühlte Topfavorit Jansrud war letztlich mit Platz zwei zufrieden. "Bei einer WM ist es immer schwierig, eine Medaille zu holen. Erik als Sieger kann ich leicht akzeptieren", sagte Jansrud. Er hat uns heute gezeigt, wie man hier fahren muss. Dass ich krank bin, darf keine Entschuldigung sein."

Reichelt: "Es ist halt Super-G, einmal geht's, einmal nicht"

Erik Guay (CAN/Gold): "Ich habe beides versucht, kontrolliert und mit Risiko zu fahren. Es war eine gute Mischung. Man muss es hier ruhig, aber auch mit viel Intensität angehen. Du musst Gas geben, aber auch wissen, wo du das tust. Es gibt da diesen einen Rechtsschwung, unser Coach Burkhard Schaffer hat uns da gut vorbereitet. Wir werden es heute partymäßig sehr ruhig angehen, wir haben am Samstag (Abfahrt, Anm.) auch noch einen Job zu erledigen."

Kjetil Jansrud (Olympiasieger/NOR/Silber), der durch eine Verkühlung gehandicapt war: "Ich bin total happy. Erik ist 45 Hundertstel vorne und hat das richtig verdient. Die Rechtskurve nach dem technischen Teil ist er richtig gut gefahren, da war ich vielleicht ein bisschen zu rund."

Manuel Osborne-Paradis (CAN/Bronze), der am Mittwoch 33 Jahre alt wurde: "Es fühlt sich großartig an. Das ist ja gar nicht meine Spezialdisziplin, ich bin für die Abfahrt hier. Ich habe die Saison weit außerhalb der 30 begonnen. Niemand wusste so recht, wie man das angehen muss, ich bin daher ohne Druck gefahren. Ich wusste, dass ich eine Chance habe, es hat schon im Training sehr gut funktioniert."

Vincent Kriechmayr (AUT/Fünfter): "Mit Nummer eins ist es schwierig. Ich wusste, dass es keine schlechte Fahrt war. Es war sicher die beste Fahrt heuer, aber der eine Schwung oben tut ein bisschen weh, sonst wäre es eine Superfahrt gewesen. Ich habe es heuer immer mit höheren Nummern vergeigt, deswegen habe ich mir gedacht, eins liegt mir sicher besser."

Hannes Reichelt (Titelverteidiger/AUT/Zehnter): "Über die vielen Wellen und Sprünge hat oft die Richtung nicht gepasst. Das darf nicht passieren. Es ist einfach ein Super-G, wo man erbarmungslos am Limit fahren muss. Es ist halt Super-G, einmal geht's, einmal nicht. Ich habe einfach zu viele Fehler gemacht."

Max Franz (AUT/13.): "Blöd gegangen! Oben vor dem Felsen bin ich auf Zug gegangen und habe dann eine Kante erwischt. Ich habe gestern schon den gleichen Blödsinn gemacht. Schade, zum Glück ist alles gut gegangen. Im letzten Teil habe ich dann noch weiche Knie gehabt, aber Gott sei Dank bin ich gesund herunten."

Marcel Hirscher (AUT/21.): "Es war sicherlich sehr gut, ich habe sehr viel probiert. Ich muss mich bei meiner 'Mom' entschuldigen, die war sicher sehr angespannt bei diesem Rennen. Die Befürchtungen haben sich bestätigt, dieser Super-G ist sehr spektakulär. Erik und Kjetil sind beeindruckend gefahren. Manuel ist heuer immer besser ins Fahren gekommen, vor allem technisch ist bei ihm viel weitergegangen. Deshalb war er für mich auf der Speed-Medaillenliste."

Matthias Mayer (AUT/out): "Ich bin sicherlich zu gerade hineingefahren. Trotzdem wäre es sich fast noch ausgegangen, schade. Es zipft mich brutal an."

( Agenturen , kurier.at , mod ) Erstellt am 08.02.2017