Rivalinnen der Skipiste: Anna Fenninger (li.): 25 Jahre, 9 Weltcupsiege, Olympiasiegerin und Weltmeisterin vs. Mikaela Shiffrin (re.): 19 Jahre, 10 Weltcupsiege, Olympiasiegerin und Weltmeisterin.

© APA/EPA/JEAN-CHRISTOPHE BOTT

Zwei Siegerinnen beim Weltcupauftakt in Sölden
10/25/2014

Zwei Siegerinnen beim Weltcupauftakt in Sölden

Anna Fenninger und Mikaela Shiffrin gewinnen ex aequo den Riesentorlauf. Das Duell könnte den Winter prägen.

von Christina Pertl, Christoph Geiler

Anna Fenninger wusste nicht, welche Hundertstelsekunde ihr geschlagen hatte. Als Mikaela Shiffrin ins Ziel geflitzt kam, starrte die Salzburgerin ungläubig auf die Anzeigetafel. "Ich musste zwei Mal hinschauen", erzählte Fenninger, nachdem gleich vor zwei Läuferinnen groß der Einser aufblinkte.

Einmal vor Mikaela Shiffrin, dem 19-jährigen Slalom-Wunderkind aus den USA, das in Sölden nun auch den ersten Riesentorlauf gewonnen hat.

Und eben vor Anna Fenninger, dem zum Superstar gereiften ehemaligen Wunderkind, das beim Heimrennen den fünften Riesentorlauf in Folge gewann – die letzte Österreicherin, der so eine Erfolgsserie gelungen ist, war Annemarie Moser-Pröll.

Mit Fenninger und Shiffrin dominierten in Sölden die besten Skifahrerinnen der Gegenwart. Beide sind Olympiasiegerinnen, beide verkörpern die neue Generation, beide haben die besten Jahre noch vor sich. Das Duell Fenninger vs. Shiffrin könnte den Winter prägen.

Anna Fenninger – neue Leichtigkeit, alte Erfolge

Auf ihr Bauchgefühl konnte sich Anna Fenninger am Samstag nicht verlassen. Während der Fahrt kämpfte sie mit den vielen Schlägen auf der Gletscherpiste von Sölden und war sich des Sieges ganz und gar nicht sicher. "Es hat sich nicht gut angefühlt", sagte die 25-jährige Gesamtweltcupsiegerin nach dem fünften Riesentorlauf-Erfolg in Serie. "Im zweiten Lauf war das Gefühl sogar noch schlechter." Sprach’s und packte ihr breitestes Grinsen aus – mittlerweile eines ihrer Markenzeichen.

Die Salzburgerin Anna Fenninger hat mit dem Ex-aequo-Sieg in Sölden nahtlos an die Erfolge der vergangenen Saison angeschlossen. Trotz des anhaltenden sportlichen Höhenflugs ist die Super-G-Olympiasiegerin auf dem Boden geblieben. "Eigentlich stehe ich nicht gerne im Mittelpunkt. Aber ich habe gelernt, damit umzugehen", sagt sie. Mit den Erfolgen im Rücken fällt der hübschen Sportlerin vieles leichter. "Sicher merke ich, dass der Druck von außen stärker wird, aber ich habe schon gezeigt, was ich kann. Im Endeffekt wäre es nicht mehr so schlimm, wenn es nicht mehr liefe. So fährt sich’s leichter."

Beeindruckt ist Fenninger von der Leichtigkeit, mit der jene Dame ans Werk geht, mit der sie sich am Samstag im Ötztal das oberste Treppchen des Podiums teilen durfte: Mikaela Shiffrin. "Als ich so alt war wie sie, war das sehr schwierig für mich ", sagt Fenninger und spricht von der Aufmerksam und dem Erwartungsdruck, der mit Erfolgen einhergeht. "Mikaela ist eine der größeren Sorte. Es ist unglaublich, wie erfolgreich sie in ihrem Alter schon ist. Sie hat auch den Killerinstinkt, den ich habe. Deshalb ist sie ja so erfolgreich", streut sie der Kontrahentin Rosen. Der neuen Konkurrenz im Riesentorlauf kann Österreichs Konstante im Damen-Team durchaus Positives abgewinnen: "Ich bin gerne in der Position, wo ich mich weiterentwickeln muss, weil jemand nachdrückt. Das ist cool!"

Mikaela Shiffrin – ihrer Zeit und der Konkurrenz voraus

Als Mikaela Shiffrin vor zwei Jahren ihren ersten Weltcupslalom gewann, da hatte sie noch keinen Führerschein.

Als Mikaela Shiffrin 2013 in Schladming WM-Gold im Slalom gewann, da ging sie noch zur Highschool.

Als Mikaela Shiffrin heuer in Sotschi Olympia-Gold im Slalom gewann, durfte sie daheim in den USA nicht auf ihren Erfolg anstoßen.

Auch bei einem Triumph bei der Heim-WM im Februar in Beaver Creek wird Mikaela Shiffrin das Bad in der Menge der Sektdusche vorziehen müssen. Denn auch wenn sich ihre Bilanz schon wie die Erfolgsstory eines Ski-Routiniers liest – Shiffrin ist noch keine 20 und steht damit eigentlich erst am Anfang ihrer Karriere.

Irgendwie verständlich, dass Mikaela Shiffrin sich manchmal selbst fast ein bisschen unheimlich ist. "Ich habe Herzklopfen, dass ich hier gewinne, ist einfach so speziell und unglaublich", gestand die 19-Jährige, "dieser Sieg in Sölden fühlt sich einfach gut an. Vor allem, wenn ich neben jemandem wie Anna Fenninger stehen darf."

Shiffrin hegt großen Respekt für die Weltcupgesamtsiegerin und outete sich in Sölden als Fenninger-Fan. "Mir gefällt ihr Stil, ich schaue ihr gerne beim Fahren zu, dazu ist sie tough wie ein Mann."

Dass die First Lady des Slaloms nun plötzlich auch im Riesentorlauf die Nummer eins ist, kommt nicht von ungefähr: Mikaela Shiffrin hat das Riesentorlauf-Training intensiviert und auch schon im Speedbereich Fahrt aufgenommen. Und dass mit der 19-Jährigen auch im Super-G zu rechnen sein muss, bewies sie im flachen Schlussabschnitt, wo sie in beiden Durchgängen schneller war als die ausgewiesene Speed-Spezialistin Fenninger.

In dieser Verfassung ist diese Mikaela Shiffrin auch eine ernsthafte Anwärterin für die große Kristallkugel. Zumal die 19-Jährige Lust auf mehr hat: "Ich sehe weitere Disziplinen, in denen ich gewinnen kann. Ich liebe den Slalom, aber ich hoffe sehr, dass ich meinen Horizont erweitern kann."

Brem blieb auch in Sölden auf Podest-Kurs

Für einen Moment herrschte Ruhe im Stadion am Rettenbachferner. Sogar die 20-köpfige Blasmusik-Combo auf der Tribüne schnappte kurz Luft und konzentrierte sich auf das, was auf dem Gletscherschnee geschah: Da riss Eva-Maria Brem gerade die Skistöcke in die Luft und ließ ihrer Freude freien Lauf.

Auch wenn noch sechs Läuferinnen am Start standen, wusste die 26-jährige Tirolerin bereits, dass ihr ein gutes Rennen gelungen war (Rang drei). Mit ihrem dritten Podestplatz setzte sie den positiven Trend der vergangenen Saison fort. "Ich habe mir gewünscht, in Sölden zu gewinnen, aber es mich nicht zu sagen getraut", sagte sie.

So hatte man Brem zu Jahresbeginn selten gesehen, haderte sie doch mit der Nicht-Nominierung für Olympia in Sotschi. "Ich finde es immer noch unfair. Aber wenn du das nicht abhaken kannst, musst du aufhören."

Guter Start

An die Renn-Pension hat Kathrin Zettel, die Sölden-Siegerin 2006, im Sommer tatsächlich auch gedacht, sich aber dagegen entschieden. Ihr vierter Platz beim Auftakt gibt ihr recht. "Das war ein sehr guter Anfang dafür, dass ich zwei Mal im Flachen so eine großen Fehler gemacht habe. Das stimmt mich zuversichtlich", sagte die 28-Jährige.

Auch eine andere routinierte Dame im rot-weiß-roten Team durfte sich trotz Fehlern im anspruchsvollen Gletscherrennen freuen: Andrea Fischbacher verbesserte sich mit Laufbestzeit von Rang 26 noch auf Platz 13.

Damen-Riesentorlauf in Sölden

RTL in Sölden
1. Anna Fenninger AUT 2:39,85 Min. 1:18,02 1:21,83
. Mikaela Shiffrin USA 2:39,85 Min. 1:17,93 1:21,92
3. Eva-Maria Brem AUT 2:40,12 0,27 1:18,95 1:21,17
4. Kathrin Zettel AUT 2:40,14 0,29 1:18,98 1:21,16
5. Federica Brignone ITA 2:40,22 0,37 1:18,57 1:21,65
6. Viktoria Rebensburg GER 2:40,43 0,58 1:19,97 1:20,46
7. Tessa Worley FRA 2:41,42 1,57 1:18,35 1:23,07
8. Maria Pietilä-Holmner SWE 2:41,61 1,76 1:18,88 1:22,73
9. Nadia Fanchini ITA 2:41,68 1,83 1:19,84 1:21,84
10. Tina Weirather LIE 2:42,39 2,54 1:19,89 1:22,50
11. Sara Hector SWE 2:42,46 2,61 1:22,26 1:20,20
. Jessica Lindell-Vikarby SWE 2:42,46 2,61 1:19,72 1:22,74
13. Andrea Fischbacher AUT 2:42,85 3,00 1:23,26 1:19,59
14. Irene Curtoni ITA 2:43,59 3,74 1:21,46 1:22,13
15. Ragnhild Mowinckel NOR 2:43,67 3,82 1:21,91 1:21,76
16. Frida Hansdotter SWE 2:43,92 4,07 1:21,61 1:22,31
17. Julia Mancuso USA 2:43,96 4,11 1:21,94 1:22,02
. Michelle Gisin SUI 2:43,96 4,11 1:22,02 1:21,94
19. Adeline Baud FRA 2:44,09 4,24 1:23,48 1:20,61
20. Ramona Siebenhofer AUT 2:44,19 4,34 1:23,22 1:20,97
21. Marta Bassino ITA 2:44,55 4,7 1:22,28 1:22,27
22. Tina Maze SLO 2:44,57 4,72 1:21,90 1:22,67
23. Kajsa Kling SWE 2:44,95 5,1 1:23,15 1:21,80
24. Marie-Pier Prefontaine CAN 2:45,05 5,2 1:23,17 1:21,88
25. Veronique Hronek GER 2:46,14 6,29 1:24,22 1:21,92
26. Megan McJames USA 2:46,60 6,75 1:24,24 1:22,36

Ausgeschieden im 1. Durchgang u.a.: Michaela Kirchgasser, Rosina Schneeberger, Carmen Thalmann, Elisabeth Görgl (alle AUT), Nina Löseth (NOR), Marie-Michele Gagnon (CAN), Dominique Gisin (SUI), Anemone Marmottan (FRA)

u. a. für 2. Durchgang nicht qualifiziert: 35. Ricarda Haaser (AUT) +6,73

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