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17.12.2017

Veith feiert ersten Weltcup-Sieg seit März 2015

Die Salzburgerin beendet ihre Leidenszeit mit einem emotionalen Comeback-Sieg im Super-G von Val d’Isère.

"Mein Olympiasieg in Sotschi war etwas ganz Besonderes. Aber das hier und heute ist viel mehr wert."

1001 Tage hatte Anna Veith warten müssen, ehe sie wieder als Siegerin gefeiert wurde: Am 22. März 2015 gewann die 28-Jährige noch als Anna Fenninger den Riesenslalom beim Weltcup-Finale im französischen Méribel und tags darauf zum zweiten Mal die große Kristallkugel. Nun, am 17. Dezember 2017, gewann die Salzburgerin 33 Kilometer weiter östlich den zweiten Super-G von Val d’Isère. Und zwar nicht irgendwie, sondern mit 0,48 Sekunden Vorsprung auf die Liechtensteinerin Tina Weirather und 0,51 Sekunden vor der Italienerin Sofia Goggia. Eine kleine Welt angesichts einer Laufzeit von nur 1:05,77 Minuten auf der verkürzten Strecke.

Dabei hatte sie zunächst gar nicht recht gewusst, warum es so viele Gratulationen und Beifall nach der Zieldurchfahrt gab; wie denn auch, denn die mit Nummer eins gestartete Deutsche Viktoria Rebensburg war gestürzt, es gab keine Anhaltspunkte. "Ich habe wirklich nicht erkannt, wie gut mein Lauf war", gestand Veith. Doch je länger sie auf dem roten Sessel der Führenden saß, desto klarer wurde, was da gerade passiert war. Und dann läutete auch schon das Handy, und ÖSV-Chef Peter Schröcksnadel gratulierte.

Doppelte Premiere

Anna Veith feierte am diesem Sonntag ihren ersten Erfolg als Ehefrau und ihren ersten Sieg nach ihrem zweiten Comeback. Das erste nach ihrem schweren Trainingssturz am 21. Oktober 2015 hatte sie nach einem Podestplatz und vielen Rückschlägen nach der Ski-WM in St. Moritz abgebrochen – es folgte eine Operation, um endlich die chronisch entzündete Patellarsehne in den Griff zu bekommen.

"Im letzten Winter war ich einfach nicht bereit für gutes Rennfahren", sagte Anna Veith nun, "körperlich nicht und auch nicht mental. Die Knieoperation war sehr wichtig. Jetzt bin ich wieder auf dem Level, den ich brauche. Und ich muss mich bei all den Leuten bedanken, die immer an mich geglaubt und mir geholfen haben", sagte sie.

So klar der Einser neben ihrem Namen auf der Anzeigetafel aufleuchtete, so chaotisch sah es in Anna Veith aus: Die Emotionen fuhren Achterbahn mit der Salzburgerin, und nicht nur einmal flossen die Tränen der Erleichterung. "Ich hab’ mich jetzt mal für Olympia in Südkorea qualifiziert", sagte sie und lächelte, "das ist in unserem starken Team gar nicht so einfach. Jetzt geht es darum, bis Februar in die perfekte Form zu kommen."

"Ich habe heute mein Bestes gezeigt. Und jetzt weiß ich, was alles möglich ist", sagte die zweifache Gesamtweltcupsiegerin, die nun auch in weiteren Disziplinen wieder an die Spitze kommen will. Nach einem freien Montag wird sie am Dienstag im Riesenslalom von Courchevel den nächsten Anlauf nehmen. Doch leicht wird das nicht – nach ihrer langen Verletzungspause muss die Salzburgerin mit Nummer 31 starten. "Ich hoffe, ich darf zwei Läufe fahren und einen weiteren Schritt nach vorne machen", sagte sie am Sonntag. Immerhin: "Ich habe mit den Kolleginnen trainiert und da gesehen, dass ich mithalten kann. Aber mein Timing ist noch nicht ideal."

Endstand:

1.

Anna Veith (AUT)

1:05,77

2.

Tina Weirather (LIE)

1:06,25

+0,48

3.

Sofia Goggia (ITA)

1:06,28

+0,51

4.

Lara Gut (SUI)

1:06,41

+0,64

5.

Michelle Gisin (SUI)

1:06,63

+0,86

6.

Ragnhild Mowinckel (NOR)

1:06,78

+1,01

7.

Federica Brignone (ITA)

1:06,86

+1,09

8.

Nicole Schmidhofer (AUT)

1:07,00

+1,23

9.

Ramona Siebenhofer (AUT)

1:07,25

+1,48

10.

Anna Hofer (ITA)

1:07,29

+1,52

11.

Nicol Delago (ITA)

1:07,35

+1,58

12.

Cornelia Hütter (AUT)

1:07,44

+1,67

.

Stephanie Brunner (AUT)

1:07,44

+1,67

14.

Nadia Fanchini (ITA)

1:07,45

+1,68

15.

Alice McKennis ( USA)

1:07,52

+1,75

16.

Johanna Schnarf (ITA)

1:07,57

+1,80

17.

Jacqueline Wiles ( USA)

1:07,58

+1,81

18.

Tiffany Gauthier (FRA)

1:07,60

+1,83

19.

Laura Gauche (FRA)

1:07,69

+1,92

20.

Stephanie Venier (AUT)

1:07,78

+2,01

21.

Priska Nufer (SUI)

1:07,79

+2,02

22.

Romane Miradoli (FRA)

1:07,85

+2,08

23.

Corinne Suter (SUI)

1:07,97

+2,20

.

Marta Bassino (ITA)

1:07,97

+2,20

25.

Lisa Hörnblad (SWE)

1:07,98

+2,21

26.

Ricarda Haaser (AUT)

1:08,00

+2,23

27.

Kira Weidle (GER)

1:08,20

+2,43

28.

Joana Hählen (SUI)

1:08,29

+2,52

29.

Laurenne Ross (USA)

1:08,30

+2,53

30.

Jennifer Piot (FRA)

1:08,43

+2,66

Weiter:

32.

Christine Scheyer (AUT)

1:08,66

+2,89

Ausgeschieden u.a.: Nadine Fest, Tamara Tippler (beide AUT), Jasmine Flury (SUI), Tessa Worley (FRA), Viktoria Rebensburg (GER)

Nicht gestartet: Lindsey Vonn (USA)

Die Höhen und Tiefen in der Karriere von Anna Veith

15. Februar 2014: Anna Fenninger steht am Höhepunkt ihrer Karriere. In Sotschi holt sie olympisches Gold im Super-G. Drei Tage später folgt Silber im Riesenslalom.

13. März 2014: Fenninger gewinnt zum ersten Mal den Gesamtweltcup.

Saison 2014/’15: Bei der WM in Vail/ Beaver Creek holt Fenninger Gold im Super-G und im Riesenslalom sowie Silber in der Abfahrt. Zum zweiten Mal gewinnt sie den Gesamtweltcup.

Mai 2015: Es eskaliert die Diskussion mit dem ÖSV über Fenningers Management. Ein Rücktritt steht im Raum.

21. Oktober 2015: Drei Tage vor Saisonbeginn stürzt Fenninger beim Training in Sölden schwer. Im rechten Knie reißen vorderes Kreuzband, Innenband und Patellarsehne. Sie fällt für die komplette Saison aus. Wieder steht ein Ende der Karriere im Raum.

16. April 2016: Fenninger heiratet den ehemaligen Snowboarder Manuel Veith.

27. Dezember 2016: Anna Veith gibt ihr Comeback beim RTL am Semmering.

29. Jänner 2016: Im Super-G von Cortina fährt Anna Veith auf Rang drei.

Februar 2017: Die WM in St. Moritz verläuft nicht nach Wunsch. Im Super-G scheidet sie aus, im RTL wird sie 22., auf einen Abfahrtsstart verzichtet sie. Danach beendet sie die Saison, das linke Knie macht Probleme und muss operiert werden.

17. Dezember 2017: Nach 1001 Tagen gewinnt Veith wieder ein Weltcup-Rennen.