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01.12.2016

Speed-Auftakt: "Übliche Verdächtige" als Favoriten

Mit Matthias Mayer ist nach langer Verletzungspause wieder zu rechnen. © Bild: REUTERS/CHRISTIAN HARTMANN

Ex-Weltmeister Guay war im Abschlusstraining in Val d'Isere Schnellster. Franz fuhr als Vierter als einziger ÖSV-Mann in die Top Ten.

Beim Weltcup-Speed-Auftakt der alpinen Ski-Herren in Val d'Isere ist laut Österreichs Super-G-Weltmeister Hannes Reichelt mit den "üblichen Verdächtigen" zu rechnen. Im Abschlusstraining für die Abfahrt, die am Samstag (10.45 Uhr) auf dem Programm steht, markierte am Donnerstag der kanadische Ex-Weltmeister Erik Guay knapp vor Spezial-Weltcupsieger Peter Fill aus Südtirol (+0,03 Sek.) Bestzeit.

Hinter diesem Duo klaffte ein größeres Loch. Der Norweger Kjetil Jansrud, Abfahrts- und Super-G-Weltcupsieger der Saison 2014/15, folgte mit 0,86 Sekunden Rückstand auf die Bestzeit auf Platz drei. Der Kärntner Max Franz (0,94) wurde als bester Österreicher Vierter und war damit der einzige ÖSV-Mann in den Top Ten. Auch Norwegens Routinier Aksel Lund Svindal (1,27) und Olympiasieger Matthias Mayer aus Kärnten (1,31) zeigten mit den Rängen elf und zwölf, dass mit ihnen nach langer Verletzungspause wieder zu rechnen ist. Reichelt, der sich vor zweieinhalb Monaten einer Wirbelsäulen-Operation unterzogen hatte, wird nach Platz 20 (1,79) ebenfalls sein Comeback geben.

Anfänger Hirscher

"Es war ein bisschen schneller und schlagiger als gestern. Es läuft gut für mich, aber ich bin nicht der Topfavorit", meinte Guay nach seiner sauberen Fahrt auf der Piste Oreiller-Killy, auf der am Freitag (12.00) schon ein Super-G auf dem Programm steht. In diesem hofft ÖSV-Superstar Marcel Hirscher, der auf seinen sechsten Gesamtweltcup-Triumph in Serie losgeht, auf Punkte. Im Riesentorlauf (10.00/13.00 Uhr) am Sonntag zählt der Salzburger dann zu den Topfavoriten. Im Abfahrtstraining wurde er zwar erneut nur 75., war aber im Vergleich zum Vortag gleich um 3,54 Sekunden schneller.

"Ich war viel schneller als gestern, die anderen aber auch", betonte Hirscher, der am Mittwoch 6,57 Sekunden auf die Bestzeit von Jansrud eingebüßt hatte. Auch diesen Rückstand reduzierte er deutlich, 5,39 verlor er nun auf Guay. "Ich habe das Zögern sicherlich miniminieren können und bin echt happy. Für die zweite Trainingsfahrt im heurigen Jahr darf ich sehr zufrieden sein", betonte der 27-Jährige, der in der Königsdisziplin noch viel Aufholbedarf hat. "Für mich ist wichtig, dass ich viel lerne. Ich bin einfach komplett blank, was die Abfahrt betrifft. Jeder Meter, der sich über 100 km/h bewegt, ist für mich sehr, sehr lehrreich. Ich bin wie einer, der bei FIS-Rennen anfängt in der Abfahrt."

Klaus Kröll bestreitet dagegen am Samstag seine bereits 150. Weltcup-Abfahrt. Der 36-jährige Steirer landete mit 2,03 Sekunden Rückstand auf dem 25. Rang. "Das ist eine schwere Strecke, um schnell zu sein. Da darf man sich nichts leisten, da reicht schon eine Kleinigkeit", erklärte der Routinier.

Rückkehrer

Svindal ist mit seinen 33 Jahren auch schon fast so lang wie Kröll dabei. "Guay und Jansrud schauen stark aus, hoffentlich kann ich auch stark sein", meinte der Norweger zur Ausgangslage. Ihm selbst "fehlt schon noch ein bisschen was, aber vom Gefühl wird es immer besser. Ich bekomme immer mehr Vertrauen in meinen Körper", erklärte Svindal, der am Mittwoch im ersten Training "ein bisschen Angst" gehabt hatte.

Franz war beim ersten "Kennenlernen der Strecke und der Sprünge" nur 46. gewesen. "Heute habe ich nicht mehr gebremst. Für die Leistung gestern habe ich mich ein bisschen geschämt", gestand der 27-Jährige, als er auf seinen fulminanten Leistungssprung angesprochen wurde. Reichelt, am Vortag nur 63., sprach von einer "Riesensteigerung, die ich mir aber erwartet habe".

Der nach seiner Brustwirbel-Fraktur wieder genesene Mayer merkte nach einer Fahrt mit ein paar Fehlern ebenfalls an, dass "auf jeden Fall noch Luft nach oben da" sei. "Ich freue mich, dass ich wieder da mitfahren und meine Leidenschaft auf der Piste ausleben darf", betonte der 26-Jährige vor seinem Comeback, das er ohne Druck angehen möchte. Topfavorit für Mayer ist Fill, der schon 2009 in Val d'Isere Super-G-Vizeweltmeister wurde und laut dem Kärntner "heuer hier anscheinend alles zerreißen will".