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21.03.2016

12 Siege, 48 Stockerlplätze: ÖSV bilanzierte schon besser

Die Abfahrtsherren enttäuschten, die Slalomartisten überraschten.

Marcel Hirscher als Gesamtweltcupsieger und Riesentorlauf-Kugelgewinner, sowie Eva-Maria Brem als ebenfalls Erste der RTL-Wertung haben für die herausragenden Leistungen des ÖSV-Alpinskiteams in der Saison 2015/2016 gesorgt. Für die erfolgsverwöhnte Ski-Nation gab es aber insgesamt nur 48 Stockerlplätze. Auf die nächste Saison hin wird es personelle und strukturelle Änderungen geben.

Die Herren brachten es in einer witterungsbedingt schwierigen Saison mit vielen Rennabsagen und Verschiebungen sowie vielen verletzen Weltklasseathleten nicht nur aus dem österreichischen Lager auf 29 Podestplätze. Die 8 Siege gingen allein auf das Konto von Hirscher, hinzu kamen gesamt noch 13 zweite und 8 dritte Plätze. In der Vorsaison waren es 32 Podestplätze gewesen (14/10/8). Insgesamt 15 Rennläufer trugen sich in den 44 Bewerben in die Siegerlisten ein, zweiterfolgreichster hinter Hirscher war der seit der Kitzbühel-Abfahrt verletzte Norweger Aksel Lund Svindal mit 7 ersten Plätzen.

Bei den Damen wurden es nach vielen Rücktritten im ÖSV-Lager und den verletzungsbedingten Ausfall von Anna Fenninger kurz vor Saisonbeginn in 40 Bewerben 19 Podestplätze (4/6/9) und damit deutlich weniger als 2014/15 mit 32 (9/14/9). Insgesamt 48 Stockerlplätze sind die magerste Ausbeute seit 2010/2011, als es ebenfalls 48 gegeben hatte, 12 Siege die wenigsten seit 2012/13, als es 11 waren.

Sportdirektor Pum will analysieren

Stockerlplätze für Rot-Weiß-Rot gab es bei den Damen in allen Disziplinen außer im Slalom (erstmals seit 1994/95), bei den Herren schaffte es in der Kombination niemand auf das Podest. Keinen Sieg für österreichischen Abfahrer gab es zuvor zuletzt 2009/10. Auch wenn Olympiasieger Matthias Mayer eine lange Verletztenliste anführte und Hannes Reichelt der schwere Sturz in Kitzbühel länger nachhing als erhofft, erwartete sich nicht zuletzt ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel bessere Leistungen der übrigen Speedläufer.

"Wir werden das auf jeden Fall sehr gut analysieren und auch Veränderungen im personellen und strukturellen Bereich vornehmen. Wir werden die Ärmel aufkrempeln und angreifen", gab ÖSV-Sportdirektor Hans Pum als Marschparole aus und machte keinen Hehl daraus, dass man mit der Ausbeute nicht zufrieden sei. Noch im April sollen Entscheidungen fallen. Schröcksnadel wie auch Herren-Rennsportleiter Andreas Puelacher kündigten aber an, an Speedtrainer Florian Winkler festhalten zu wollen.

Erfreulich entwickelt hat sich die junge Slalomgruppe um Marko Pfeifer. Mit Marco Schwarz, Marc Digruber und Manuel Feller schafften es drei zum Weltcupfinale der Top 25. Gleiches gilt für die Slalom-Damen, wo ein von Routinier Michaela Kirchgasser angeführtes Quintett in St. Moritz am Start war, was nach den Rücktritten von Nicole Hosp und Kathrin Zettel nicht zu erwarten war.

Brem holte zwei Riesentorlauf-Siege. Cornelia Hütter im Super-G - als Siebente bester ÖSV-Läuferin in der Gesamtwertung - und Mirjam Puchner in der Abfahrt kürten sich zu Premierensiegerinnen im Speedbereich. In den 40 Damenrennen gab es 16 verschiedene Siegerinnen, am erfolgreichsten waren Lindsey Vonn ( USA) mit 9 Triumphen, die Schweizer Gesamtsiegerin Lara Gut mit 6 und Mikaela Shiffrin ( USA) mit 5.

Erfreuliche Kaderbreite

"Die Voraussetzungen für die Saison waren nicht gut, vor allem mit der Verletzung von Anna. Wir hatten viele Rücktritte, gemessen daran haben wir enorm viele Punkte gemacht", sagte Österreichs Damen-Rennsportchef Jürgen Kriechbaum. "25 haben gepunktet, das hatten wir in den vergangenen 15 Jahren nicht. Das zeigt, dass wir eine gewisse Breite haben. Das große Ziel für die nächsten Jahre ist, dass wir in jeder Disziplin mit vier Medaillenkandidatinnen angreifen können. Das klingt ein bisserl überheblich, ist im Riesen, Super-G und Abfahrt am ehesten erreichbar. Im Slalom und Kombi muss sich noch ein bisserl was tun."

Aderlass steht dieses Mal wohl keiner bevor. Kriechbaum geht davon aus, dass die 35-jährige Elisabeth Görgl ihre Karriere fortsetzen wird. Zudem kommt Fenninger zurück. "Man weiß, dass Sportler oft nach schweren Verletzungen sehr gut zurückkommen, aber auch, dass sie sich gerade im Speedbereich mit der Überwindung ein bisserl schwertun. Man kann nichts vorhersagen", meinte Kriechbaum über die Salzburgerin, die vor ihrer Verletzung zweimal die große Weltcupkugel gewonnen hatte.

Bei der Junioren-WM gab es eine Goldmedaille im Super-G durch Nina Ortlieb sowie im Slalom Silber und Bronze durch Katharina Gallhuber und Katharina Huber. Bei den Burschen schaute Abfahrts-Silber durch Stefan Babinsky und Riesentorlauf-Bronze durch Maximilian Lahnsteiner heraus. Im Europacup eroberten Stephanie Brunner (Riesentorlauf/weil sie 20. der Weltcupwertung wurde, bekommt ihren Startplatz die Europacupvierte Ricarda Haaser), Gallhuber (Slalom) und Sabrina Maier (Abfahrt) Weltcup-Fixplätze für die nächste Saison, bei den Herren Christian Walder (Abfahrt und Super-G), Frederic Berthold (beide Abfahrt) und Stefan Brennsteiner (Riesentorlauf).

Pensionisten

In den sportlichen Ruhestand traten der österreichische Slalomfahrer Reinfried Herbst, sowie aus internationaler Sicht Daniela Merighetti (ITA), Massimiliano Blardone (ITA) und Marco Sullivan (USA). Der bald 36-jährige steirische Speedpilot Klaus Kröll will sich erst im Frühjahr entscheiden. Ob die Slowenin Tina Maze und der US-Amerikaner Bode Miller, die sich beide ein Jahr Auszeit genommen hatten, zurückkehren werden, ist noch offen.