Sport | Wintersport
01.12.2017

Hirscher holt im Riesentorlauf auf

"Werde volle Kanne angreifen", versprach der Weltmeister drei Tage vor dem RTL-Auftakt in Beaver Creek.

Bis zum Schluss arbeitet Marcel Hirscher in den USA intensiv daran, seinen Rückstand im Riesentorlauf zu verringern. Am Sonntag wird in Beaver Creek erstmals abgerechnet. "Es ist ein gutes Stück vorwärtsgegangen, aber es bleibt einiges zu tun", sagte der Weltmeister. Nach dem vorzeitigen Aus für Philipp Schörghofer hat auch Manuel Feller Probleme. Der Tiroler ist gesundheitlich angeschlagen.

Feller ist verschnupft, bangt aber nicht um sein Antreten im Riesentorlauf. "Es geht darum, mache ich etwas kaputt, wenn ich Ski fahren gehe, oder soll ich mich besser schonen", meinte der Slalom-Spezialist, der mittlerweile auch im Riesentorlauf zu den stärksten ÖSV-Läufern gehört.

Vorerst konnte Feller aber nur ein Mal ins Training eingreifen. "Fieber habe ich zwar nicht, aber es geht mir auch nicht gut. Die Höhenlage hilft auch nicht gerade", klagte er. Er sei dennoch zuversichtlich. "Ich bin jetzt drei Tage krank, sechs Tage war ich das noch nie. Also sollte es für Sonntag passen."

Feller ist zum ersten Mal in Beaver Creek. "Eigentlich wollte ich mich an den Schnee gewöhnen. Jetzt muss ich mich darauf verlassen, was ich im Herbst getan habe." Am Sonntag will er wieder voll fit sein. "Dann steht einem guten Ergebnis nichts im Weg. Ich fühle mich ja derzeit im Riesentorlauf noch stärker als im Slalom."

Leitingers "Mega-Gefühl"

Der Riesentorlauf in Beaver Creek ist nach der Sölden-Absage das erste Saisonrennen in dieser Disziplin, für Spezialisten wie Roland Leitinger ist es damit das erste überhaupt. Während Hirscher und Feller kämpfen, strotzt der Vizeweltmeister vor Selbstvertrauen.

"Ich habe schon ein Mega-Gefühl für diesen Schnee", versicherte Leitinger am Donnerstagabend (Ortszeit) im Team-Hotel "The Charter". "Ich war im Training immer richtig gut dabei und weiß, dass ich mit meinem aktuellen Speed auf das Podest fahren kann."

Der Riesentorlauf in Beaver Creek war in den vergangenen sieben Jahren stets eine Angelegenheit zwischen Hirscher und Ted Ligety. Seit 2010 haben nur der US-Amerikaner (5) oder der Österreicher (2) dort gewonnen. "Das spielt es derzeit aber sicher nicht", fürchtet Hirscher.

Ligety scherzte bloß

Ligety traut seinem Konkurrenten hingegen schon wieder viel zu. "Marcel wird schnell sein", ist Ligety überzeugt. Seine heftige Kritik an der windbedingten Absage von Sölden mit Hinweis darauf, dass diese auch wegen des Fehlens von Hirscher erfolgt sei, ist noch allgegenwärtig.

Sein Tweet sei ein Scherz gewesen, der nicht von allen verstanden worden sei, beteuerte Ligety nun. Er habe sein Posting ja auch mit Emojis versehen, führte er als Beweis an.

Was auch immer am Sonntag sportlich passiert: Es ist auf jeden Fall der erste Renneinsatz für die neuen Riesentorlauf-Ski mit dem verkleinerten Radius.

"Es wird deshalb ein ganz spannendes Rennen", ist Hirscher überzeugt. "Es wird die erste wirkliche Standortbestimmung. Einige werden sich freuen, einige werden fast weinen."

Seine eigenen Erwartungen könne er noch gar nicht einstufen, sagte der 28-jährige Salzburger, der nach seinen jüngsten sportlichen Auszeichnungen nun soeben auch zur "Marke des Jahres" gewählt wurde. "Ich gehe davon aus, dass die letzten zwei Trainingstage gute Rückschlüsse liefern. Es kann alles rauskommen."

Ein Podium sei aber eher unwahrscheinlich. Hirscher: "Ich werde trotzdem auf jeden Fall volle Kanne angreifen."