Sport | Wintersport
01.02.2014

Sigi Grabner: Ein Unbequemer hört auf

Nach dem Aus für Olympia beendet Ex-Weltmeister Sigi Grabner heute seine Karriere als Profi.

Sotschi kennt Siegfried „Sigi“ Grabner wie nur wenige Athleten. Der 38-jährige Kärntner hatte die rund 3000 Kilometer weite Reise bereits im Frühjahr hinter sich gebracht. Mit dem Rad. Das Projekt hieß „Riding to Sotschi“ und war nicht nur eine gelungene PR-Aktion, sondern auch ein ideales Aufbautraining für den letzten großen Höhepunkt in der zwanzigjährigen Karriere des Snowboarders: die Olympischen Winterspiele 2014.

Was wohl durchdacht klang, sollte nicht aufgehen. Alpin-Boarder Grabner wurde vom Österreichischen Ski-Verband (ÖSV) nicht nominiert. Statt in Sotschi beendet er nun heute, Samstag, beim letzten Weltcup-Rennen der Saison in Sudelfingen (D) seine Laufbahn: „Ich freue mich schon aufs Aufhören“, sagt Grabner.

Er weiß, dass er schon bessere Saisonen im Parallel-Weltcup in den Schnee gezogen hat als die diesjährige. Einen Top-Ten-Platz hat er vorzuweisen. Nicht nur Grabner, auch andere prominente Athleten wie etwa Vierfach-Weltmeister Benjamin Karl (kein Podestplatz) hatten in der Olympia-Saison Mühe, in Fahrt zu kommen. „Ich werde den vier Jungs die Daumen drücken. Mich stört nur die Intransparenz der Nominierung“, sagt Grabner, „außerdem: Ich lass’ mir meine Karriere nicht durch diese Entscheidung kaputtmachen.“

Im Schatten von Skifahrern und Skispringern hat Siegfried Grabner eine beachtliche Wintersport-Karriere hingelegt: zwei Gesamtweltcupsiege, Olympia-Bronze 2006, Gold bei der WM 2003 am Kreischberg.

„Kein Kind des Systems“

Angekommen ist er dennoch nie wirklich im Verband. Grabner galt als Unbequemer und Unangepasster, nachdem er erst 2002 von der Konkurrenzserie ISF (International Snowboarding Federation) zum internationalen Ski-Verband FIS und damit zum ÖSV gewechselt war. „Ich war eben kein Kind des Systems.“ Es heißt nicht umsonst Ski-Verband. FIS und ÖSV sollten sich endlich als Wintersport-Verbände verstehen.“ Ideen zur Verbesserung hätte er, „doch ich glaube nicht, dass sie mich fragen werden.“

Der Kampf gegen die Mächtigen der Branche wird den Wahl-Andorraner weiterhin begleiten. Mit der Firma „SG Snowboards“ sagt er seit 2005 den großen Herstellern den Kampf an. „Wir wollen mehr als ein Trend sein.“