Sid Crosby: Comeback einer Legende

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Schwere Verletzung, harter Weg zurück, große Erfolge: Der Kanadier feiert eine triumphale Rückkehr in die NHL.

21. November 2011, Consol Energy Center, Pittsburgh: Zehntausende Fans feiern die Rückkehr eines lange verletzten Lieblings. Der Lärm-Pegel ist gigantisch, die Ränge voller "Sid"-Plakate. Von derart frenetischen Jubelstürmern können David Beckham und seine Kollegen von LA Galaxy nur träumen. In den USA ist der englische Kicker nicht mehr als ein Promi in einer exotischen Sportart und mit zu Helden hochstilisierten Sportlern wie Eishockey-Star Sidney Crosby nicht zu vergleichen.

Soccer steht bei den Nordamerikanern nicht hoch im Kurs, der Ausrichtung internationaler Großevents, der Verpflichtung hochkarätiger europäischer (Alt-)Stars durch Vereine der MLS, und den hartnäckigen Versuchen, den Sport in Film und Fernsehen zu etablieren zum Trotz. Zu wenige Tore fallen im Durchschnitt, zu häufig trägt das schlechtere Team einen unverdienten, unschön anzusehenden Sieg davon, und zu gering ist das heroische Potential der kickenden Beinahe-Idole. Soccer bringt keine Helden hervor. Keine hartgesottenen Muskelpakete, die sich ohne Rücksicht auf Verluste in den Kampf stürzen und ein Gladiatoren-ähnliches Dasein im Hauptabendprogramm der großen PayTV-Stationen führen.

Der Stoff aus dem die Helden sind

Drei Minuten vor Ende des dritten Drittels im Samstags-Spiel der Pittsburgh Penguins gegen die Montreal Canadiens musste Pittsburgh-Spieler Kris Letang mit gebrochener Nase und blutverschmiertem Trikot vom Eis. Die Partie ging in die Nachspielzeit; Letang, von den Betreuern provisorisch zusammengeflickt, kam zurück aufs Spielfeld und erzielte den Siegtreffer seiner Mannschaft zum 4:3. Der Stoff aus dem Helden gemacht sind, zumindest im nordamerikanischen Profisport: Neben dem spielentscheidenden Tor und dem selbstaufopfernden Raubbau am eigenen Körper punktete Letang vor allem durch die Rückkehr in die Arena, gleichbedeutend mit der sturen Ausblendung sämtlicher erlittenen Wunden.

Einen Abend lang stand Kris Letang somit im Rampenlicht … und dennoch weiterhin im Schatten eines prominenten Teamkollegen, dem wohl berühmtesten aktiven Spieler der NHL. Besagter Teamkollege ist niemand geringerer als Sid "the Kid" Crosby, kanadischer Nationalheld und Superstar der Pittsburgh Penguins, der am 21. November nach fast einjähriger Pause sein Comeback in der besten Eishockey-Liga der Welt feierte.

Gehirnerschütterung und lange Pause

Zwei harte Hits zwangen Crosby zu der langen Pause; den ersten kassierte der Kanadier am 1. Jänner 2011 von Capitals-Spieler David Steckel, konnte die Partie jedoch zu Ende spielen. Da er keine Anzeichen einer Gehirnerschütterung zeigte, bekam Crosby vier Tage später die Freigabe für Pittsburghs Begegnung mit Tampa Bay Lightning. Verteidiger Victor Hedman checkte die Nummer 87 der Penguins hart gegen die Bande.

Im darauffolgenden Match (in Montreal gegen die Canadiens) musste Crosby bereits aussetzen; Diagnose: Gehirnerschütterung. Da die Verletzung den für aufrechte Haltung und Balance zuständigen Teil des Gehirns beeinträchtigte, gestaltete sich die Rekonvaleszenz des Superstars langwierig und schwer. Selbst ohne Körperkontakt durfte Crosby häufig nicht auf Eis trainieren. Er wurde in der Saison 2010/11 nicht mehr eingesetzt.

Am 21. November war es schließlich soweit: Crosby feierte sein lang erwartetes Comeback. Die Erwartungen von Trainern, Fans und nicht zuletzt Crosby selbst waren vorsichtig bis moderat. Crosby übertraf sie alle. Zwei Tore und zwei Assists steuerte er zum 5:0-Sieg seines Teams über die NY Islanders bei. "The Kid" spielte auf, als hätte er keinen einzigen Tag gefehlt. In den seither gespielten drei Partien der Penguins kam Crosby zwar nicht mehr zu Torerfolgen, leistete jedoch insgesamt vier weitere Vorlagen. Damit steht Crosby nach nur vier Spielen bei acht Scorerpunkten, und in der Gunst der Helden-verehrenden NHL-Fans höher als je zuvor.

Erstellt am 05.12.2011