Sport | Wintersport
17.08.2017

Sechs Wochen Pause für Marcel Hirscher

Der Ski-Star fädelte beim Training auf dem Mölltaler Gletscher ein und zog sich beim Sturz einen Knöchelbruch zu.

Es war schon ziemlich still geworden um Marcel Hirscher in den letzten Monaten. Seit dem Weltcup-Finale im März hatte sich der Skistar kaum mehr in der Öffentlichkeit blicken lassen, und auch in den sozialen Netzwerken legte Hirscher eine Pause ein. Ganz bewusst. "Weil ich mir denke, dass die Leute von mir auch einmal eine Ruhe haben wollen."

Es muss also schon etwas Gröberes vorgefallen sein, wenn sich Marcel Hirscher mitten im August via Twitter und Facebook meldet. "Zeit für eine Pause", schrieb der Salzburger da gestern unter ein Foto, das ihn mit Gipsfuß auf der Luftmatratze zeigt. Sechs Wochen lang wird der sechsfache Gesamtweltcupsieger nun Gips tragen müssen, nachdem er sich im linken Bein den Außenknöchel gebrochen hat.

Die Verletzung ereilte den 28-Jährigen an seinem ersten Skitag seit dem Weltcup-Finale in Aspen. Und es waren weniger Übermut oder zu hohe Risikobereitschaft schuld an diesem Missgeschick auf dem Mölltaler Gletscher als vielmehr die Unachtsamkeit von Marcel Hirscher. Auf der Slalompiste übersah der Salzburger beim Abschwingen das letzte kleine Richtungstor und verdrehte sich das linke Bein. Immerhin bleibt dem 28-Jährigen, der mit dem Hubschrauber in die Klinik nach Salzburg gebracht wurde, eine Operation erspart.

Zweite Verletzung

Ruhe geben zu müssen und nicht trainieren zu dürfen ist für Marcel Hirscher eine neue Erfahrung. Bis auf einen Kahnbeinbruch (2011) ist der Annaberger in seiner Karriere von schwereren Verletzungen verschont geblieben. Weil er seinen Modell-Körper auch hegt und pflegt wie kaum ein anderer Rennläufer, ist von den Trainern oft zu hören. Die Körperbeherrschung und die Fitness sind auch der Grund dafür, dass Hirscher in den vergangenen Jahren kaum Ausfälle oder Stürze unterliefen.

Deshalb war eher damit zu rechnen, dass sich der 28-Jährige bei einer seiner Leidenschaften verletzten würde als auf der Skipiste. Beim Klettern auf die Bischofsmütze in seiner Heimatgemeinde Annaberg etwa, beim Tauchen mit Haien vor den Seychellen oder beim Motocrossfahren. All diese Aktivitäten hatte Hirscher in diesem Sommer unbeschadet überstanden, ausgerechnet auf dem Gletscherschnee passierte ihm nun das Malheur.

Aufholbedarf

Die Verletzung wirft ihn in der Vorbereitung auf den Olympia-Winter weit zurück. Zumal der Salzburger gegenüber der Konkurrenz ohnehin schon Aufholbedarf hatte. "Ich habe jetzt schon zwei Monate Rückstand. Alexis Pinturault und Henrik Kristoffersen zum Beispiel sind ja noch das ganze Frühjahr gefahren", erklärt Hirscher.

Die Materialreform – im Riesentorlauf werden ab diesen Winter wieder Skier mit engeren Radien gefahren – kommt für den Dominator der letzten Winter erschwerend hinzu. Hirscher kennt den neuen Riesentorlauf-Ski bislang nur vom Hörensagen.

"Es wird für mich aber auch so schon jedes Jahr zacher", weiß Hirscher. Weil die Konkurrenz ihn von der Spitze verdrängen will, aber auch, weil der 28-Jährige schon an die Karriere nach der Karriere denkt: "Meine Interessen entwickeln sich schön langsam in eine andere Richtung. Das Leben besteht schon aus mehr als nur aus blauen und roten Staberln."

Weltcup

Saisonauftakt ist in Sölden, der Riesentorlauf der Herren findet am 29. Oktober statt. Es folgt am 12. November ein Slalom im finnischen Levi.Danach geht nach Nordamerika:In Lake Louise gibt es eine Abfahrt (25. November) und einen Super-G (26. November), in Beaver Creek einen Super-G (1. Dezember), eine Abfahrt (2. Dezember) und einen Riesentorlauf (3. Dezember). Zurück in Europa folgen in Val d'Isère ein Riesentorlauf (9. Dezember) und ein Slalom (10. Dezember).

Olympische Spiele

Der Saison-Höhepunkt folgt in Pyeongchang in Südkorea: Alpine Kombination (13. Februar 2018), Super-G (15. Februar), Riesentorlauf (18. Februar) und Slalom (22. Februar).