'Schönster Weltcupsieg' am Jauerling

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Snowboard: Lokalmatador Benjamin Karl scheitert frühzeitig. Zum Sieg carvt Kollege Andreas Prommegger.

Punkt 17 Uhr 40 wurde es eisig im Zielstadion am Jauerling. Am Wetter lag dies freilich nicht. Die Temperaturen bei der Premiere des Snowboard-Weltcups im Mostviertel waren zwar nicht mild, aber auch alles andere als tiefwinterlich. Zudem verstanden es die Fans, sich mit Kräuterschnaps und Glühwein auf Betriebstemperatur zu halten. Für das frostige Tief war gestern einzig und allein ein Mann verantwortlich: Benjamin Karl, 26.

Für den dreifachen Weltmeister, dreimaligen Gesamtweltcupsieger sowie Olympia-Zweiten hatten sie den ganzen Zinnober erst veranstaltet. Um seinen Hausberg eine einigermaßen steile Startrampe zu verleihen, wurde Schnee vom Ötscher angekarrt.

Karls Familie war da, sogar Papa Bär, wie Karl seinen Schwiegervater, Ex-Skirennläufer Werner Grissmann, nennt. Nur Schelme sprechen beim 60-Jährigen von einem Schwergewicht der Skihistorie.

Alles war bereit für die Triumphschwünge vor der Haustüre. Doch dann war nach vier Fahrten alles zu Ende. Eine Unachtsamkeit im Viertelfinale besiegelte das Aus. "Natürlich zipft mich der Ausfall an. Vielleicht habe ich den ganzen Trubel beim ersten echten Heimrennen ein wenig unterschätzt", sagte Karl.

Die Schockstarre steckte den 5000 Besuchern aber nur kurz in den Knochen. Das österreichische Team ist die dominierende Kraft im Parallel-Weltcup, keine Nation schickt mehr Sieganwärter in die Rennen. Andreas Prommegger ist so ein Kandidat. Der 31-jährige Salzburger wurde im letzten Jahr sowohl im Parallel- als auch im Gesamtweltcup Zweiter hinter Karl – auch heuer ist er der erste Jäger. Am Freitag jagte Prommegger zum Sieg und feierte seinen ersten Weltcupsieg vor heimischem Publikum. "Das ist mein bisher schönster Sieg", sagte er und lobte das Publikum: "Ich habe noch nie eine bessere Kulisse erlebt." Das bestätigte auch Marion Kreiner. Die Grazerin carvte als beste Österreicherin auf den dritten Rang.

Die letzte Meldung blieb dann aber doch dem Hausherren vorbehalten: Der große Geschlagene erklärte, dass im Juli Nachwuchs im Hause Karl erwartet wird.

Das dürfte wohl auch Papa Bär gefreut haben.

Erstellt am 13.01.2012