Schlierenzauers Sehnsucht: Tournee

Nach wie vor Gültigkeit haben seine 147 Meter in Kuusamo. Dieses Kunststück gelang ihm 1. Dezember 2007, die Hillsize auf der fi… © Bild: reuters

Gregor Schlierenzauer plant in dieser Saison den nächsten Karrieresprung: Er will endlich die Tournee gewinnen.

Man sollte nicht immer alles ganz ernst nehmen, was Gregor Schlierenzauer so von sich gibt. Der Mann degradiert sich doch tatsächlich selbst zum Otto-Normalskispringer und stellt sich als Niemand hin. Seine 35 Weltcupsiege, all die Goldmedaillen bei WM und Olympia, sein Weltcup-Gesamtsieg - allesamt offenbar nichts wert. "Wer ein großer Skispringer sein will", pflegt der Stubaier seit Jahren zu sagen, "der muss einmal die Tournee gewonnen haben."

Einspruch.

Turbulenzen

Gregor Schlierenzauer darf getrost mit seinen 21 Jahren schon zu den Allzeitgrößen des Skispringens gezählt werden. Überhaupt nach dem vergangenen Winter, in dem der Tiroler wahre Größe bewiesen hat. Das erste Mal in seiner Karriere, die nur Höhenflüge und die Leichtigkeit des Seins kannte, geriet der lässige Luftikus in schwere Turbulenzen.

Eine Knieverletzung warf ihn aus der Umlaufbahn, technische Fehler ließen ihn an seinen Flugeigenschaften zweifeln - und auf einmal fand sich Schlierenzauer in neuen, unbekannten Sphären wieder. Weit weg von Siegerfotos und dem Rampenlicht, das ausgerechnet für seinen Erzrivalen Thomas Morgenstern (Weltcupgesamtsieg, Tourneesieg, drei WM-Goldmedaillen) reserviert war.

Glücksmoment

Die Mini-Krise schärfte das Bewusstsein des Jungstars und ließ den Überflieger, für den Triumphe und Trophäen zuvor beinahe schon zur Normalität verkamen, erden. "Ich habe in dieser Phase gesehen, dass es nicht selbstverständlich ist, dass alles leicht von der Hand geht", meint Schlierenzauer, der allerdings gestärkt aus dem Zwischentief emporspringen sollte.

Das WM-Gold auf dem ehrwürdigen Holmenkollen von Oslo wurde zu einem der emotionalsten Momente seiner erfolgsverwöhnten Karriere. "Das war einer der schönsten Tage meines Lebens", sagt Schlierenzauer.

Der Stubaier wirkt heute gereift und geläutert, gelöster als in jungen Jahren, in denen er praktisch über Nacht zum Superstar wurde. "Es ist schwierig, wenn du mit 16 erwachsen sein sollst, wenn du der Chef bist in deinem Job und auf einmal so viel auf dich hereinprasselt", erklärt der 21-Jährige.

Gregor Schlierenzauer hat mittlerweile aufgehört, sich rund um die Uhr mit dem Skispringen zu beschäftigen. Im Sommer engagierte er sich bei einer Werbeagentur und entwarf neue Accessoires für seine Modelinie. Die lange Erfolgsliste macht ihn lockerer für die Ziele, die er nun in diesem Weltcup-Winter anfliegen will.

Sehnsucht

Oberstdorf, Garmisch, Innsbruck, Bischofshofen - das sind für den Tiroler heuer die wichtigsten Destination, die traditionellen Orte der Vierschanzentournee. Wie meinte Gregor Schlierenzauer doch gleich vor dem Saisonstart (der Teambewerb wurde abgesagt) in Kuusamo (13.10 Uhr, live in ORF 1)? "Weltmeister bin ich schon, Tourneesieger noch nicht."

Und spätestens dann sollte Gregor Schlierenzauer auch in seiner ganz persönlichen Größenordnung ein großer Skispringer sein.

Erstellt am 05.12.2011