Schlierenzauer stürzt, Bardal siegt

Beim Tiroler sind Knochen und Bänder heil geblieben. Koch wird vor Morgenstern und Kofler Zweiter.

Gregor Schlierenzauer lag im Schnee und tastete vorsichtig seinen Körper ab. Er griff besorgt nach seinem Knie, das er sich im vergangenen Winter verletzt hatte – alles noch ganz.

Er fühlte nach der Schulter, auf die er kopfüber gekracht war – nichts gebrochen. Der Tiroler Skispringer hatte noch einmal großes Glück gehabt. "Das war nämlich ein anständiger Sturz", stöhnte Cheftrainer Alexander Pointner.

Schlierenzauer hatte den 37. Weltcup-Sieg vor Augen, als ihm das Malheur passierte. Es war ein Crash mit Ansage, denn fast jeder Springer hatte im tief verschneiten Engelberg bei der Landung seine liebe Not. Der österreichische Halbzeit-Führende fabrizierte im zweiten Durchgang nach einem Sprung auf 130 Meter unmittelbar nach der Landung einen Bauchfleck und rutschte über den Auslauf. Weil der 21-jährige Stubaier über Kreislaufprobleme und einen Druck auf der Brust klagte, wurde er zur Untersuchung ins Krankenhaus gebracht. "Zumindest mit den Knochen und Bändern passt alles", atmete Pointner auf.

"Mir tut schon alles weh"

"Es geht schon wieder. Ich kann zumindest schon wieder lachen, denn Gott sei Dank ist nichts passiert", sagte Schlierenzauer nach seiner Rückkehr aus dem Spital. "Ich bin echt froh, dass ich wieder auf beiden Beinen aus dem Krankenhaus gehen durfte."

Laut eigenen Angaben war Schlierenzauer etwas weiter rechts als viele andere gesprungen. "Dort war dann schon besonders viel Tiefschnee. Vielleicht war ich auch etwas zu weit vorne, jedenfalls hat es den Ski 'gefressen'", erzählte der Tiroler, der über Schmerzen klagte. "Mir tut schon alles weh. Ich habe Prellungen und auch das Handgelenk spüre ich."

Schlierenzauer wird erst Sonntagfrüh über ein eventuelles zweites Antreten in Engelberg entscheiden. "Wenn mir nichts wehtut und ich Lust habe, nochmals Gas zu geben, bin ich dabei. Wenn ich das Gefühl habe dass ich eine Pause brauche, werde ich nichts übers Knie brechen", sagte der 21-Jährige.

Teamgeist

Das Missgeschick von Schlierenzauer, der trotzdem noch als Elfter in die Wertung kam, trübte die starke Performance der ÖSV-Adler, die bei der Generalprobe für die Vierschanzentournee erneut ihre ausgezeichneten Flugeigenschaften unter Beweis stellten.

Nur einer stahl dem Trio Martin Koch (2.), Thomas Morgenstern (3.) und Andreas Kofler (4.) die Show: Anders Bardal war eine Klasse für sich, der Norweger hätte wohl auch Gregor Schlierenzauer überflügelt, wäre dieser nicht bei der Landung zu Fall gekommen. "Ich bin stolz auf die Mannschaft", lobte Pointner.

Vor allem die Leistungsexplosion von Martin Koch kam überraschend. Der Kärntner hatte bislang lediglich einen 15. Platz vorzuweisen und musste sogar um seinen Tournee-Startplatz bangen. Mit dem zweiten Platz sind alle Diskussionen verstummt. "Das war eine Wahnsinnsleistung von ihm", staunte selbst Pointner. Andreas Kofler verteidigte mit seinem vierten Platz das gelbe Trikot, der Tiroler hat nun 76 Punkte Vorsprung auf den Norweger Bardal.

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( Kurier ) Erstellt am 17.12.2011