Sport | Wintersport
18.01.2018

Reichelt: "Dann ist dir das Geld total wurscht"

Für das Risiko, das sie eingehen, fühlen sich die Abfahrer unterbezahlt.

74.000 Euro erhält am Samstag der Abfahrtssieger auf der Streif. Das höchste Preisgeld im Ski-Weltcup entspricht damit ungefähr jener Summe, die Dominic Thiem für seinen Einzug in die dritte Runde der Australian Open bekommen hat. "Wir dürfen uns nicht vergleichen, weil Tennis ein Weltsport ist, aber für das Risiko, das wir eingehen, sind wir unterbezahlt", sagt Hannes Reichelt. "Aber unterbezahlt sind in Österreich auch die Langläufer oder die Biathleten. Die trainieren ja auch auf Teufel komm raus."

Das Thema Prämien und Preisgeld kocht im Skisport immer wieder hoch. In Kitzbühel wurde diese Debatte nun von ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel und dem deutschen Alpinchef Wolfgang Maier erneut angefeuert. "Warum kriegt der Olympiasieger nicht 500.000 Euro oder eine Million", fragt Wolfgang Maier.

Risiko

Hannes Reichelt hat sich als Athletensprecher schon häufiger zur Preisgelddiskussion geäußert. Verglichen mit anderen Sportarten stehen die Skifahrer noch gut. Am Hahnenkammwochenende werden an die Protagonisten 550.000 Euro ausgeschüttet. Zu wenig für die Gefahren, denen sich vor allem die Abfahrer aussetzen. Das wurde allen in diesem Winter wieder bewusst, in dem der Skisport zwei Todesopfer zu beklagen hat. "Wenn man Risiko und Verdienst abwiegt, dann dürfte ich diesen Sport wegen des Geldes nie machen", sagt Routinier Reichelt.

Aber das Geld ist und war noch nie der Antrieb des Routiniers, der mit seinen 37 Jahren inzwischen der dienstälteste Abfahrer im Weltcup ist und immer noch zur Weltspitze zählt. "Es ist die Liebe zum Sport", erklärt der Salzburger. Und es ist auch die Sehnsucht nach Erlebnissen und Erfahrungen wie auf der Streif. "Das ist ja der Grund, warum wir alle diesen Sport ausüben und lieben", erzählt der Routinier. "Wenn man in Kitzbühel bei 50.000 Zusehern unten im Ziel abschwingt und dann wie im Jahr 2014 der Einser aufleuchtet, dann ist dir ehrlich gesagt das Geld total wurscht", sagt Hannes Reichelt.