Sport | Wintersport | Olympia 2018
02.02.2018

Olympia: Norweger wegen "Nazi-Runen" in der Kritik

Gegen die norwegische Olympia-Delegation kommen Neonazi-Vorwürfe auf - wegen zweier Runen auf einem Pullover.

Norwegens Olympia-Delegation muss sich wenige Tage vor dem Auftakt zu den Winterspielen in Pyeongchang mit einem unangenehmen politischen Problem befassen: Ein Teil der Olympia-Kollektion soll Symbole zeigen, die auch in Neonazi-Kreisen verwendet werden.

Konkret geht es um einen der Wollpullover, mit denen Kleiderhersteller Dale of Norway das Olympia-Team ausstattete. Auf den Schultern prangen zwei Runen - eine davon wird unter anderem in der New York Times als Tyr-Rune bezeichnet, die andere erhält in der taz den zweifelhaften Titel einer Man-Rune.

"Völkisch" verklärt

Tatsächlich handelt es sich dabei um die Runen Elhaz () und Tiwaz () - die anderen Bezeichnungen entstammen dem "Armanen-Futhark", einem Runen-Alphabet des Esoterikers Guido von List, der am Beginn des 20. Jahrhunderts zur Untermauerung seiner völkischen Ideologien ein Runenalphabet auf Basis nordischer Originale entwickelte.

Elhaz - aufgrund der ähnlichen Form leicht mit der von von List erfundenen Man-Rune zu verwechseln - wird üblicherweise mit "Elch" übersetzt. Angesichts der Tatsache, dass das norwegische Team gerne den Beinamen "die Elche" angedichtet bekommt, also keine Überraschung, dass ein Element der Landesgeschichte und der nordischen Kultur auf dem "Attacking Viking" genannten Pullover zum Einsatz kommt.

Die zweite Rune, Tiwaz, ist dagegen durchaus nicht unkritisch zu betrachten: Die üblicherweise mit dem nordischen Kriegsgott Tyr assoziierte Rune wird in jüngster Zeit vom sogenannten "Nordic Resistance Movement", einer Neonazi-Bewegung in Skandinavien, als Logo und Erkennungszeichen verwendet. Auf deren grün-weiß-schwarzen Fahnen prangt groß der nach oben deutende Pfeil. Und auch während des Nationalsozialismus war das Symbol - eben als von Lists "Tyr-Rune" - eine vom Regime verliehene Auszeichnung für den Abschluss eines Lehrgangs an den Reichsführerschulen der NSDAP.

Kämpfende Elche

Nach dem Ende der Nazi-Herrschaft griffen dann mehrmals neonazistische Gruppen auf das Symobl zurück. So wählte der österreichische Rechtsextremist Norbert Burger Elhaz als Symbol seiner Nationaldemokratischen Bewegung, die er 1967 gründete und die 1988 wegen nationalisozialistischer Wiederbetätigung aufgelöst wurde. Die Tiwaz-Rune hingegen wurde in letzter Zeit vermehrt von der Bekleidungsmarke "Thor Steinar" verwendet. Die deutsche Marke ist unter Neonazis sehr beliebt und und gilt in rechtsextremen Kreisen , laut brandenburgischem Verfassungsschutz, als "szenetypisches Erkennungsmerkmal“.

Dass der seit 1956 für die Olympia-Pullover der norwegischen Athletinnen und Athleten verantwortliche Hersteller Dale of Norway mit dem Muster nationalsozialistisches oder rassistisches Gedankengut verbreiten wollte, darf bezweifelt werden. Schließlich sind beide Runen deutlich älter als ihre rechtsradikale Konnotation - und auch die aktuelle Verwendung durch neonazistische Gruppen ist alles andere als weithin bekannt. Viel wahrscheinlicher ist, dass mit der Kombination aus "Elch" und "Krieg" ein möglichst großer Kampfgeist für die Olympischen Spiele geweckt werden sollte.

Übrigens: Die "Attacking-Viking"-Reihe ist bei den norwegischen Sportlern ohnehin nicht sehr beliebt. Die meisten Teammitglieder greifen auf das alternative Modell "Olympic Passion" zurück - auf dem prangen zwar ähnliche Muster, aber dafür keine verfänglichen Runen.