Auf Huhn folgt Hund
Weil Seollal der kollektive Geburtstag aller Koreaner ist, werden an diesem Tag auch alle symbolisch um ein Jahr Àlter.
Nur wer zum Jahreswechsel Reiskuchensuppe isst, wird um ein Jahr Ă€lter.Nach fast einer Woche rĂŒhrt sich nun endlich einmal etwas in PyeongChang. NatĂŒrlich war auch bisher schon etwas los, teilweise sogar viel mehr, als allen lieb war, man denke da nur an den Wind, der hier das ganze Programm durcheinanderwirbelt. Aber möglicherweise wird im neuen Jahr ja alles besser.
Die Menschen in Korea machen ziemlich viel Wind um ihr Seollal-Fest, mit dem nach alter Tradition der Jahreswechsel zelebriert wird. Ab heute steht in Korea drei Tage lang das öffentliche Leben still, wenn das Jahr des Huhns endet und nach chinesischem Kalender das Jahr des Hundes eingelÀutet wird.
Rund um Seollal gehen auch die sonst so bedĂ€chtigen und disziplinierten Koreaner etwas aus sich heraus. Auch wenn sich die Traditionen von unseren SilvesterbrĂ€uchen dann doch ein klein wenig unterscheiden. Den Silvesterstadl sucht man hier im Fernsehprogramm vergeblich, es lĂ€uft auch nirgends âEin echter Koreaner geht nicht unterâ.
Wenn die Menschen hier am letzten Tag des Jahres so richtig auf den Putz hauen, dann reinigen sie zusammen ihre HĂ€user und Wohnungen. Auch ein Vollbad gehört zum Ritual, dazu sind die Koreaner noch Feuer und Flamme fĂŒr RĂ€ucher- und BambusstĂ€bchen. Ein Feuerwerk light sozusagen.
Der groĂe Feier-Abend ist dazu auch noch ein Spieleabend. Beim Yutnori, so etwas wie der koreanischen Antwort auf Mensch-Ă€rgere- dich-nicht, versammelt sich die Familie um den Tisch. Es wĂ€re zu schwierig, an dieser Stelle jetzt die Regeln zu erklĂ€ren, nur so viel: Man wĂŒrfelt nicht, sondern wirft vier Stöckchen.
NatĂŒrlich nimmt beim Seollal-Fest auch das Essen eine wichtige Rolle ein. Das Fondue der Koreaner ist Tteokguk, eine klassische Reiskuchensuppe, die an diesen Tagen ĂŒberall aufgetischt wird. Ein Suppenkasper, oder Suppenkim, wie er hier vermutlich heiĂt, hat es deshalb schwer. Es heiĂt, dass nur Personen, die rund um Seollal Tteokguk essen, auch ein Jahr Ă€lter werden.
Denn das ist eine weitere Besonderheit des koreanischen Neujahrsfests. Weil Seollal der kollektive Geburtstag aller Koreaner ist, werden an diesem Tag auch alle symbolisch um ein Jahr Àlter.
Damit geht es den Koreanern immer noch besser als vielen Sportlern, Volunteers und Journalisten bei diesen Winter-, pardon: Windspielen. Nicht wenige von ihnen sind allein in den turbulenten letzten Tagen gefĂŒhlt um Jahre gealtert.