Abfahrts-Gold für Svindal, ratlose Österreicher

Würdiger Sieger: Aksel Lund Svindal © Bild: AP/Christophe Ena

Vincent Kriechmayr fährt als bester Österreicher auf Rang sieben. Aksel Lund Svindal wird ältester Goldmedaillengewinner.

Mit vier Tagen Verspätung konnten die Abfahrer nun endlich ihren Olympiasieger küren. Und dabei machten sich die Topfavoriten die Medaillen unter sich aus. Aksel Lund Svindal, der Gewinner von zwei Saisonabfahrten, setzte sich knapp vor seinem norwegischen Landsmann Kjetil Jansrud (+0,12 Sekunden) und dem Schweizer Weltmeister Beat Feuz (+0,18) durch.

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TOPSHOT - (From L to R) Norway's Kjetil Jansrud, Norway's Aksel Lund Svindal and Switzerland's Beat Feuz celebrate during the vi… © Bild: APA/AFP/ROBERTO SCHMIDT

Für den 35-jährigen Svindal ist es bereits das zweite Olympia-Gold. Vor acht Jahren hatte er bei den Spielen in Vancouver im Super-G triumphiert und dort dazu auch noch Silber (Abfahrt) und Bronze (Riesentorlauf) gewonnen. Er ist nun Norwegens erster Olympiasieger in der Abfahrt und zugleich mit 35 Jahren ältester Goldmedaillengewinner in einer Alpindisziplin überhaupt. "Es ist cool, ein Gold zu bekommen. Aber wenn du über die Ziellinie fährst, und du siehst, dass du auf einen Medaillenrang liegst oder auf Gold, dann denkst du nicht viel an die Geschichte, das ist zu emotional", sagte Svindal, der als ältester Gewinner den Tiroler Mario Matt, der 2014 in Sotschi mit 34 zur Slalom-Goldmedaille fuhr, ablöste.

Die Österreicher konnten in den Kampf um die Medaillen nicht eingreifen. Vor allem im Mittelteil verloren die vier ÖSV-Abfahrer sehr viel Zeit auf die drei Schnellsten. Vincent Kriechmayr war am Ende als Siebenter der beste Österreicher (+0,94). Matthias Mayer, der trotz seiner Hüftprellung an den Start gegangen war, wurde Neunter (+1,21), Max Franz (+1,50) und Hannes Reichelt (+1,51) landeten auf den Plätzen elf und zwölf.

Bereits morgen haben die österreichischen Speed-Herren im Super-G (3 Uhr, live ORFeins) die Gelegenheit, es besser zu machen. Ein siebenter Platz als bestes Resultat in einer olympischen Abfahrt - das ist den Österreichern erst einmal passiert; 1960 in Squaw Valley, als Karl Schranz in Kalifornien ebenfalls Siebenter wurde.

"Unter dem Wert geschlagen"

ÖSV-Sportdirektor Hans Pum sah sein Quartett "unter dem Wert geschlagen". Eine Medaille sei das große Ziel gewesen, das wünsche sich ein jeder. Gefahren seien sie gut, hätten sich reingehängt und gefightet. "Das musst du jetzt eh wegstecken, morgen ist mit dem Super-G schon das nächste Rennen."

Hatte es an den Trainingstagen bis zu minus zwanzig Grad, so lag die Temperatur am Renntag bei Sonnenschein leicht im Plus. Deutlich fiel auf, dass ab Startnummer zehn die Läufer zwischen der dritten und vierten Zwischenzeit viel verloren, Kriechmayr war mit der 17 der Läufer mit der höchsten Startnummer in den Top Ten. "Wir müssen uns das genau anschauen, ob ein Wind gegangen ist, es weicher wurde mit der Sonneneinstrahlung, weil dann fangt es an zu saugen", sagte Pum.

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Austria's Vincent Kriechmayr finishes the men's downhill at the 2018 Winter Olympics in Jeongseon, South Korea, Thursday, Feb. … © Bild: AP/Christophe Ena

Der Oberösterreicher Kriechmayr sprach von einer "getrübten" Stimmung, schließlich habe er eine sehr gute Fahrt runtergebracht. "Ich war überrascht über den Rückstand. Normalerweise wenn ich diese Leistung abrufe, kann ich vorne mitmischen. Ich bin sehr enttäuscht." Die verlorene Zeit im Mittelteil müsse man analysieren, das Material sei gut gewesen. "Was da genau schief gelaufen ist, muss ich mit den Coaches besprechen." Die Medaillen habe es für die Besten der Saison gegeben. "Das hätte sowieso nicht gereicht, die sind einfach sehr stark, da müssen wir morgen zurückschlagen."

Ratlosigkeit

Der abgelöste Sotschi-Olympiasieger Mayer, der mit 11 die niedrigste Startnummer der Österreicher hatte, ging nach seinem beim Sturz im Kombi-Slalom zugezogenem Bluterguss ins Rennen (9.), Handicap sei dies keines gewesen. "Es war zum Zusammenbeißen, aber es hat mich nicht behindert. Ich habe gescheit Gas gegeben", erklärte der Kärntner, der nach dem Abschwingen "sehr verwundert" gewesen war.

OLYMPISCHE WINTERSPIELE PYEONGCHANG 2018: SKI ALPI
ABD0037_20180215 - JEONGSEON - SÜDKOREA: Matthias Mayer (AUT) am Donnerstag, 15. Februar 2018, nach seinem Lauf in der Abfahrt d… © Bild: APA/HANS KLAUS TECHT

Im Training sei er gerade im Mittelteil immer sehr schnell gewesen, vom Gefühl her habe er es im Rennen noch besser getroffen. "Ich dachte, ich habe einen guten Speed, dem war nicht so. Es war aber dann keiner mehr schnell im Mittelteil." Von einem möglichen Wind habe er nichts gemerkt. "Gratulation an den Olympiasieger, an den Aksel, ich glaube, wenn es wer richtig verdient hat, dann ist es er, wenn man die letzten Jahre so hernimmt. Wirklich großartig. Man braucht sich nicht schämen, wenn man hinter den drei ist. Aber ich weiß, dass ich hier runter mitfahren kann, das tut sehr weh."

Auf Rang elf kam Max Franz, auf zwölf Hannes Reichelt. "Ich sage immer, ich will im Ziel abschwingen und mir denken, das war jetzt das Maximale, das ich kann. Ich habe alles dafür getan. Und das Gefühl habe ich heute gehabt", berichtete Reichelt nach der ersten Olympiaabfahrt seiner Karriere. "Ich habe mit dem Gefühl schon Rennen gewonnen, deshalb hat nicht alles zusammengepasst. Vorausblicken auf morgen und besser machen."

Im Mittelteil habe er bemerkt, dass er wenig vom Fleck komme, aber gehofft, dass es den anderen auch so gehe. "Das ist das, was ich immer sage: am Tag X muss alles zusammenpassen. Und heute hat es einfach nicht gepasst."

Fehler habe er keine großen gemacht, deshalb könne er mit erhobenem Haupt und relativ locker aus dem Zielraum rausgehen, weil er sich nichts vorwerfen könne. Vorne seien Leute, die heuer schon Rennen gewonnen haben. "Morgen ist ein neuer Tag, neues Glück." Er hoffe, dass man schnell rausfinden werde, ob es äußere Umstände waren, sonst würde das mehr Kopfzerbrechen bereiten.

Ratlosigkeit herrschte auch bei Franz. "Ich habe keinen großen Bock geschossen. Mich zipft es voll an. Die Strecke ist geil, die Piste taugt mir. Ich hatte ein gutes Gefühl und eine große Freude." Vielleicht habe er etwas zu wenig Gefühl reingebracht, aber er habe alles probiert. Die drei auf dem Siegerpodest hätten es verdient. "Aber ich hätte unserer Mannschaft schon mehr zugetraut. Dass wir hier so geschlagen werden, ist schade. Keine Ahnung, was da im Endeffekt in die Hose gegangen ist. Das Ziel für morgen ist klar, zur Gaude sind wir nicht hier."

( Agenturen , kurier.at , kai , mod ) Erstellt am 15.02.2018