Sport | Wintersport
22.11.2017

ÖSV: Weitere Sportlerin mit schweren Vorwürfen

Anonyme Ex-Läuferin erklärt im "Standard": "Wir waren ja Freiwild"

Nach Nicola Werdenigg hat eine zweite ehemalige österreichische Skirennläuferin gegenüber der Tageszeitung Der Standard von sexuellen Übergriffen in den 70er-Jahren berichtet. "Wir waren ja Freiwild", sagte die Sportlerin, die anonym bleiben will. "Damals ist jeder irgendetwas passiert", sagte die ehemalige ÖSV-Sportlerin, die erklärte, sie habe "wirklich darum kämpfen müssen, dass mir nichts Schlimmes passiert".

Sie beschrieb dem Standard eine versuchte Vergewaltigung in einem Hotel: Sie sei "von einem Trainer gepackt und in ein Zimmer gezerrt" worden. "Er sagte, ich sei heute dran." Dabei sei noch ein weiterer Mann gewesen. "Sie waren betrunken, es war ganz brutal." Der versuchten Vergewaltigung sei sie mit Not entgangen. Heftige Kritik äußerte die ehemalige Skiläuferin an einem damaligen Trainer. Es habe "einen Trainer gegeben, der die Frauen im Team als seine Mädchen ansah. Der hat sich einfach alle Rechte herausgenommen. Das hatte sozusagen Tradition." Oft sei dabei Alkohol im Spiel gewesen.

Werdenigg trat Lawine los

Die frühere ÖSV-Abfahrerin Nicola Werdenigg (vormals Spieß) hatte am Montag mit ihren Berichten über sexuellen Missbrauch im ÖSV in den 70er-Jahren für Aufregung gesorgt. Sie selbst sei mit 16 Jahren von einem Mannschaftskollegen vergewaltigt worden, nachdem sie dieser zuvor gemeinsam mit einem weiteren Mann alkoholisiert hatte. Zu dem Vorfall habe sie lange geschwiegen - aus Scham, aber auch weil sie sich selbst die Schuld am Geschehenen gab.

Wer "nicht mitspielen wollte, brachte seinen Startplatz in Gefahr". So sei eine Kollegin beim Sex heimlich gefilmt worden, das Video dann der gesamten Mannschaft vorgespielt worden sein. Die Blamage konnte die junge Frau nicht ertragen, beendete im zarten Alter ihre Karriere. Jeder wusste über solche Vorfälle Bescheid, doch niemand tat etwas dagegen, da "man dachte, das sei normal."

ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel - der das Amt seit 1990 ausführt - betonte, ihm sei nie etwas über sexuelle Übergriffe zu Ohren gekommen. Allerdings will der 76-jährige Tiroler auch "das ein oder andere Pantscherl nicht ausschließen. Aber ein Pantscherl ist ja auch kein Übergriff."