Marcel Hirscher ist nun endgültig der erfolgreichste Skirennläufer der Geschichte.

© REUTERS/SRDJAN ZIVULOVIC

Sport Wintersport
03/04/2017

Hirscher zum 6. Mal in Serie Gesamtweltcup-Sieger

Der Salzburger sichert sich mit dem Sieg im Riesenslalom von Kranjska Gora die große Kristallkugel.

Marcel Hirscher hat am Samstag in Kranjska Gora auf allen Linien triumphiert. Der Salzburger setzte sich bei schwierigen Bedingungen im Riesentorlauf durch und machte sich damit zum sechsten Mal in Folge zum Gesamtweltcup-Sieger, was noch keinem vor ihm gelungen war. Auch der Gewinn von RTL-Kristall ist Hirscher nicht mehr zu nehmen. "Das Unschaffbare ist machbar geworden", jubelte er im Ziel.

Der Doppelweltmeister von St. Moritz, der bei seinem 44. Weltcup-Sieg den Norweger Leif Kristian Haugen (+0,46 Sek.) und den Schweden Matts Olsson (0,67) auf die weiteren Plätze verwies, liegt im Gesamtranking fünf Rennen vor Schluss 508 Punkte vor Henrik Kristoffersen aus Norwegen, der nur Elfter wurde. Gesamt-Zweiter ist mit dem Speed-Spezialisten Kjetil Jansrud (504) ein weiterer Norweger. Der Franzose Alexis Pinturault, der bereits im ersten Durchgang ausgefallen war, hat als Vierter 532 Zähler Rückstand.

"Geniales Gefühl, Wahnsinn, das Unschaffbare ist machbar geworden", jubelte Hirscher im ORF-Interview. "Ich war mir nicht bewusst, dass ich die große Kugel holen kann. Herunten habe ich gewusst, dass es zumindest für die Riesentorlauf-Kugel reicht." Bis vor Kranjska Gora hatte der seit kurzem 28-Jährige öffentlich jeden lauten Gedanken in diese Richtung zurückgehalten und Gratulationen partout verweigert.

Hirscher ist der erste Mann, der sechsmal den Weltcup gewonnen hat. Im Vorjahr hatte Hirscher ebenfalls in Kranjska Gora den fünften Triumph in Serie fixiert, was zuvor ebenfalls noch keinem Skirennläufer gelungen war. Bei den Damen hatte seine Salzburger Landsfrau Annemarie Moser-Pröll von 1971 bis 1975 sowie noch einmal 1979 die große Kristallkugel in Empfang nehmen dürfen.

"Da gehöre nicht nur ich, sondern ganz viele andere dazu. Nur mit dem ganzen Team ist das möglich, dass sich alle die Haxen ausreißen, damit ich schnell Ski fahren kann", sagte Hirscher. Die Frage, ob er sich derzeit auf dem Zenit seines Könnens fühle, wollte er nicht dezitiert bejahen. "Es ist jetzt sicher anders als mit 20, in vier Jahren bin ich aber hoffentlich wieder ein paar Schritte weiter, vor allem menschlich. Es ist die Kombination aus Routine, Erfahrung und körperlicher Fitness."

Leitinger beim Weltcupfinale in Aspen dabei

Als nächstbester Österreicher landete in Slowenien Manuel Feller auf Rang vier. RTL-Vizeweltmeister Roland Leitinger schaffte mit Platz neun die Qualifikation für das Weltcupfinale in Aspen, Philipp Schörghofer fiel in der Entscheidung auf Rang 16 zurück. Der Vorarlberger Daniel Meier holte als 18. seine ersten Punkte im Weltcup. Das Rennen wurde im zweiten Durchgang wegen der aufgrund des Nebels stellenweise sehr schlechten Sicht zweimal unterbrochen.

"Es war fast nicht mehr möglich, nach vorne zu fahren, ich war ziemlich am Limit. Aber sauegal, ich bin froh, dass ich jetzt im Ziel bin", stellte Hirscher fest, der bei unwirtlichen Bedingungen als Halbzeit-Leader von seinem gewaltigen Vorsprung von 0,96 Sekunden auf Kristoffersen profitierte. Die 20. Zeit in der Entscheidung reichte ihm, um in der Endabrechnung noch immer fast eine halbe Sekunde (0,46) vor Haugen zu liegen.

"Extrem unfair"

"Es ist schon extrem unfair, der zweite Durchgang. Man hätte schon mit dem Start runtergehen müssen", meinte Schörghofer, der zur Halbzeit noch Neunter gewesen war. "Mir taugt es nicht so, das hat man eh gesehen. Aber vom Schnee her war es nicht gefährlich."

Feller, der in St. Moritz Silber im Slalom gewonnen hatte, gab zu, dass bei seiner Fahrt etwas Glück im Spiel war. "Ich habe mich am Start ziemlich gefreut, dass der Nebel nicht zu stark war. Es war sehr wechselhaft das muss man schon sagen", sagte der Tiroler. "Ich glaube, ich habe es sehr gut ausgenützt, unten habe ich richtig Gas gegeben. Mein Riesentorlauf hat in letzter Zeit ja ziemlich zu wünschen übrig gelassen."

Der 23-jährige Meier hatte zuvor im Weltcup noch nie die Qualifikation für einen zweiten Durchgang geschafft. "Es ist mir gute Fahrt gelungen. Die ersten Weltcuppunkte sind immer wunderschön", betonte der B-Kader-Läufer. "Von den Bedingungen her war es ein bisschen schwierig, aber es hat gepasst. Die Platzierung passt auch."

Erhalten wird Hirscher seine Kugeln in Aspen/Colorado in der vorletzten März-Woche. Am Sonntag steht in Kranjska Gora noch ein Slalom auf dem Programm, Hirscher kann auch in dieser Disziplin die Gesamtwertung gewinnen. Aktuell liegt er 60 Punkte vor Kristoffersen in Front. "Der Slalom ist noch gefährlicher für das Nichtpunkten", merkte er vorsichtig an.

Riesenslalom in Kranjska Gora

1.

Marcel Hirscher (AUT)

2:24,31

1:11,63

1:12,68

2.

Leif Kristian Haugen (NOR)

2:24,77

+00,46

1:13,32

1:11,45

3.

Matts Olsson (SWE)

2:24,98

+00,67

1:12,94

1:12,04

4.

Manuel Feller (AUT)

2:25,06

+00,75

1:13,70

1:11,36

5.

Stefan Luitz (GER)

2:25,23

+00,92

1:13,14

1:12,09

.

Felix Neureuther (GER)

2:25,23

+00,92

1:12,93

1:12,30

7.

Florian Eisath (ITA)

2:25,32

+01,01

1:13,24

1:12,08

8.

Elia Zurbriggen (SUI)

2:25,39

+01,08

1:13,62

1:11,77

9.

Roland Leitinger (AUT)

2:25,58

+01,27

1:13,10

1:12,48

10.

Loic Meillard (SUI)

2:25,61

+01,30

1:14,29

1:11,32

11.

Henrik Kristoffersen (NOR)

2:25,62

+01,31

1:12,59

1:13,03

12.

Justin Murisier (SUI)

2:25,63

+01,32

1:12,73

1:12,90

13.

Mathieu Faivre (FRA)

2:25,70

+01,39

1:13,01

1:12,69

14.

Victor Muffat-Jeandet (FRA)

2:25,81

+01,50

1:12,86

1:12,95

15.

Aleksander Aamodt Kilde (NOR)

2:25,82

+01,51

1:13,71

1:12,11

16.

Philipp Schörghofer (AUT)

2:26,05

+01,74

1:13,11

1:12,94

17.

Marcus Monsen (NOR)

2:26,06

+01,75

1:14,63

1:11,43

18.

Daniel Meier (AUT)

2:26,17

+01,86

1:14,79

1:11,38

19.

Andre Myhrer (SWE)

2:26,18

+01,87

1:13,67

1:12,51

20.

Roberto Nani (ITA)

2:26,31

+02,00

1:13,80

1:12,51

21.

David Chodounsky (USA)

2:26,56

+02,25

1:14,39

1:12,17

22.

Tim Jitloff (USA)

2:26,66

+02,35

1:14,70

1:11,96

23.

Zan Kranjec (SLO)

2:26,67

+02,36

1:14,03

1:12,64

24.

Erik Read (CAN)

2:26,89

+02,58

1:14,13

1:12,76

25.

Krystof Kryzl (CZE)

2:26,94

+02,63

1:14,39

1:12,55

26.

Christoph Nösig (AUT)

2:26,97

+02,66

1:14,68

1:12,29

27.

Cyprien Sarrazin (FRA)

2:28,26

+03,95

1:14,36

1:13,90

28.

Marcel Mathis (AUT)

2:28,56

+04,25

1:14,44

1:14,12

Ausgeschieden im 1. Durchgang: Gino Caviezel (SUI), Steve Missillier (FRA), Carlo Janka (SUI), Linus Straßer (GER), Alexis Pinturault (FRA)
Ausgeschieden im 2. Durchgang: Manfred Mölgg (ITA), Tommy Ford (USA)

Er ist einfach der Größte seiner Zeit

Marcel Hirscher: "Ein geniales Gefühl, Wahnsinn! Das Unschaffbare ist machbar geworden. Aber da gehöre nicht nur ich, sondern ganz viele andere dazu. Nur mit dem ganzen Team ist das möglich gewesen. Die reißen sich alle die Haxen aus, damit ich schnell Ski fahren kann. Danke!"

Annemarie Moser-Pröll: "Es ist einfach unvorstellbar, was der Mensch leistet. Er ist einfach der Größte seiner Zeit. Sechster Gesamtweltcup-Sieg - das ist ein Wahnsinn."

Karl Schranz: "Seine Fitness und seine Akribie sind bewundernswert. Hirscher macht alles total professionell und gut überlegt. Er will immer, dass alles perfekt ist."

Franz Klammer: "Unglaublich! Mich beeindrucken vor allem die Konstanz und der Wille von Hirscher, dass er das jedes Jahr mit so einer Souveränität schafft. Er ist schneller, sicherer und auch fitter als alle anderen. Und er lässt sich auch durch kleinere Rückschläge wie dritte, vierte Plätze, die für ihn ja schon Rückschläge sind, nicht drausbringen. Im Laufe des Jahres gehen ihm deshalb immer die Gegner aus."

Niki Lauda: "Unglaublich, das kann man nicht besser machen."

Sportminister Hans Peter Doskozil: "Marcel Hirscher ist einfach die uneingeschränkte Nummer eins im alpinen Skisport. Der sechste Gesamtweltcupsieg setzt neue Maßstäbe in der Skigeschichte. Ich gratuliere diesem Ausnahmesportler, allen Trainern, Betreuerinnen und Betreuern sowie allen Funktionären zu dieser einzigartigen Leistung."

ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel: "Ich habe ihm eh schon gratuliert. Das ist eine Superleistung. Bisher hat der Girardelli fünf Weltcupsiege, aber nicht fünf hintereinander. Er hat jetzt sechs hintereinander, das ist eine außerordentliche Leistung, das kann man nicht hoch genug einschätzen. Man hat ihn scheinbar gefragt, wie lange der Rekord hält, es war eine gute Antwort: mindestens die nächsten sechs Jahre. Aber ich glaube, der hält schon länger, so Ausnahme-Athleten gibt es nicht jedes Jahr."

Hirscher-Trainer Michael Pircher: "Da muss sich schon einer anstrengen, dass er das nachmacht. Ich habe heute noch nicht damit gerechnet, dass es sich dann für andere auch rechnerisch nicht mehr ausgeht. Auf der Anzeigentafel habe ich es gesehen, es reicht! Nun brauchen wir nicht mehr rechnen. Herrlich!

Marcel HIRSCHER (28 Jahre)

Geboren am 2. März 1989 in Hallein/Salzburg
Wohnort: Annaberg/Salzburg
Größe/Gewicht: 1,73 m/70 kg
Familienstand: ledig
Ski/Schuhe/Bindung: Atomic
Verein: Skiclub Annaberg
Hobbys: Motocross, Kajak, Musik
www.marcelhirscher.at
Größte Erfolge:
Olympia: Silber Slalom 2014, 4. Riesentorlauf 2010 und 2014, 5. Slalom 2010
WM: Gold Slalom 2013, Gold Alpine Kombination 2015, Gold Riesentorlauf 2017, Gold Slalom 2017, Gold Teambewerb 2013 und 2015, Silber Riesentorlauf 2013, Silber Riesentorlauf 2015, Silber Alpine Kombination 2017, 4. Riesentorlauf 2009
Weltcup:
Gesamtsieger 2011/12, 2012/13, 2013/14, 2014/15, 2015/16, 2016/17
Riesentorlauf-Weltcupsieger 2011/12, 2014/15, 2015/16, 2016/17
Slalom-Weltcupsieger 2012/13, 2013/14, 2014/2015
44 Siege (20 Slalom, 21 Riesentorlauf, 1 Super-G, 2 City Event)
Junioren-WM:
Gold Riesentorlauf 2007 und 2008 sowie Slalom 2008
Silber Slalom 2007 und Super-G 2009
Bronze Riesentorlauf 2009
Europacup: Gesamt- und Slalom-Sieger 2007/08
Sonstiges: Österreichs "Sportler des Jahres" 2012, 2015 und 2016, "Welt-Skifahrer" 2012, 2015 und 2016

Alle Sieger im alpinen Gesamt-Weltcup der Herren seit 1967:

1967 Jean-Claude Killy (FRA)
1968 Jean-Claude Killy (FRA)
1969 KARL SCHRANZ (AUT)
1970 KARL SCHRANZ (AUT)

1971 Gustav Thöni (ITA)
1972 Gustav Thöni (ITA)
1973 Gustav Thöni (ITA)
1974 Piero Gros (ITA)
1975 Gustav Thöni (ITA)
1976 Ingemar Stenmark (SWE)
1977 Ingemar Stenmark (SWE)
1978 Ingemar Stenmark (SWE)
1979 Peter Lüscher (SUI)
1980 Andreas Wenzel (LIE)
1981 Phil Mahre (USA)
1982 Phil Mahre (USA)
1983 Phil Mahre (USA)
1984 Pirmin Zurbriggen (SUI)
1985 Marc Girardelli (LUX)
1986 Marc Girardelli (LUX)
1987 Pirmin Zurbriggen (SUI)
1988 Pirmin Zubriggen (SUI)
1989 Marc Girardelli (LUX)
1990 Pirmin Zurbriggen (SUI)
1991 Marc Girardelli (LUX)
1992 Paul Accola (SUI)
1993 Marc Girardelli (LUX)
1994 Kjetil Andre Aamodt (NOR)
1995 Alberto Tomba (ITA)
1996 Lasse Kjus (NOR)
1997 Luc Alphand (FRA)
1998 HERMANN MAIER (AUT)
1999 Lasse Kjus (NOR)
2000 HERMANN MAIER (AUT)
2001 HERMANN MAIER (AUT)
2002 STEPHAN EBERHARTER (AUT)
2003 STEPHAN EBERHARTER (AUT)

2004 HERMANN MAIER (AUT)
2005 Bode Miller (USA)
2006 BENJAMIN RAICH (AUT)
2007 Aksel Lund Svindal (NOR)
2008 Bode Miller (USA)
2009 Aksel Lund Svindal (NOR)
2010 Carlo Janka (SUI)
2011 Ivica Kostelic (CRO)
2012 Marcel HIRSCHER (AUT)
2013 Marcel HIRSCHER (AUT)
2014 Marcel HIRSCHER (AUT)
2015 Marcel HIRSCHER (AUT)
2016 Marcel HIRSCHER (AUT)
2017 Marcel HIRSCHER (AUT)

Die meisten Großen Kristallkugeln:
1. Marcel HIRSCHER (AUT) 6
2. Marc Girardelli (LUX) 5
3. HERMANN MAIER (AUT) 4
. Gustavo Thöni (ITA) 4
. Pirmin Zurbriggen (SUI) 4
6. Phil Mahre (USA) 3
. Ingemar Stenmark (SWE) 3

Weltcup-Gesamtsiege nach Nationen (51):
1. Österreich 15
2. Schweiz 7
3. Italien 6
4. USA 5
. Luxemburg 5
. Norwegen 5
7. Frankreich 3
. Schweden 3
9. Liechtenstein 1
. Kroatien 1

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