Sport | Wintersport
16.03.2018

Hirscher denkt schon an die nächste Saison

Der 29-jährige Weltcup-Dominator ließ durchblicken, dass er in der WM-Saison 2018/’19 fahren will.

Ob Präsident Peter Schröcksnadel oder Sportdirektor Hans Pum, ob sein einstiges Vorbild Benjamin Raich oder seine Betreuer, ob Fans oder TV-Kommentatoren – alle hoffen, dass Marcel Hirscher, 29, nach dem finalen Torläufen im schwedischen Åre seine Rennlatten nicht für immer ins Museum stellt.

Der Doppel-Olympiasieger und siebenfache Gesamtweltcupsieger wird den Wunsch erfüllen. Und seine einzigartige Karriere zumindest ein Jahr fortsetzen.

WM-Fieber

Die offizielle Bestätigung steht aber noch aus. Die erfolgt frühestens am Montagabend, wenn Hirscher, der auch von Red Bull gefördert wird, im Salzburger Hangar-7 bei Servus TV auftritt. Oder gar erst am Mittwoch, wenn Hirscher im 14.Stock der Wiener Raiffeisen-Zentrale am Stadtpark den Vertrag mit seinem langjährigen Hauptsponsor im Blitzlichtgewitter verlängern wird.

Ein bissel Einblick in seine Gedankenwelt aber hat Hirscher schon gestern unmittelbar vor dem Super G in Åre gewährt, als er vor dem ORF-Mikrofon meinte, dass er den skandinavischen Aufenthalt auch dazu nutze, um die (frostigen) Verhältnisse auszukundschaften und vor Ort für nächstes Jahr zu proben.

Denn der Weltcup-Finalschauplatz 2018 wird im Februar Austragungsort der WM 2019 sein.

Super-G-Abenteuer

Dass Hirscher mit den Bedingungen in Mittelschweden gut zurecht kommt, bewies der Torlauf-Super-Man bereits im Super-G. Als er im letzten Speedbewerb der Saison erstmals in einem Speedbewerb dieses Winters startete und mit der letzten Startnummer (26) noch unter die besten Zehn raste.

Wetterbedingt handelte es sich um den kürzesten Super-G der Renngeschichte, wegen des starken Winds wurde der Start nach unten verlegt. Ungeachtet dessen fiel der Zeitrückstand auf Sieger Vincent Kriechmayr knapp aus. Was erstaunlich ist, zumal Hirscher im Gegensatz zu den wiedererstarkten ÖSV-Speedspezialisten nicht in der Vorwoche in Åre trainiert hatte, sondern erst am Vorabend des Super-Gs angeflogen und damit leicht schockiert aus milden österreichischen Gefilden zurück in die Kälte (minus 15 Grad) nach Schweden kam.

Fast zehn Tage war er nicht in der Öffentlichkeit aufgetaucht, sondern untergetaucht.

Rückblende: 4. März. Hirscher hatte gerade wieder gewonnen. Nach großer Kugel, kleiner RTL-Kugel auch noch die Slalom-Kugel. Die Saison war quasi vorbei, alles, was er in dieser Weltcup-Saison gewinnen konnte, hatte er erreicht. Hirscher stand im Ziel von Kranjska Gora und sagte: "Ich muss mir selber Gedanken machen, wohin die Reise geht." Sprach’s, fuhr nach Hause und ward bis Mittwoch nicht mehr gesehen. Seine Antwort auf die Frage, ob er in der nächsten Saison noch starten wird, befeuerte Spekulationen: "Ich weiß es nicht."

Tatsächlich konnten Familie, Betreuer und Wegbegleiter keine Antwort geben. Auch sie wussten nicht, was Hirscher mit Freundin Laura Moisl über die Zukunft plauderte.

Materialtests

Vater Ferdinand lieferte erste Hinweise, wohin die Reise gehen könnte. Nicht, dass sich der Annaberger Skischulleiter verplapperte. Aber das Auto, mit dem er Richtung Schweden aufbrach, war voll mit Skiern: zum Testen.

Einerseits peilt Marcel Hirscher in den letzten Torläufen des Winters (Samstag RTL, Sonntag Slalom) in Åre seinen 13. Saisonsieg an (was bisher nur Ingemar Stenmark und Hermann Maier geschafft haben). Andererseits könnten Mister Nimmersatt in Hinblick auf den WM-Winter 2019 auch gelegentliche Speedabenteuer reizen. Die eingangs erwähnten Experten trauen Hirscher trotz geringer Körpergröße (1,73 Meter) jedenfalls auch in der Abfahrt Großes zu. Hans Pum weiß: "Körperlich wie mental ist Marcel unglaublich gereift."